Eines vorweg: diese Rezension ist in 1. Linie an SLR-Einsteiger und noch nicht so erfahrene Fotografen gerichtet, die bisher mit den üblichen Kameras zufrieden waren, aber neue Herausforderungen suchen.
Meine Erfahrung beschränkt sich auf drei Kleinbildkameras (aktuell Fujifilm Finepix F11), außerdem habe ich für knapp zwei Wochen eine Nikon D80 im Besitz gehabt, diese aber zurück gegeben, weil die Staubempfindlichkeit hier besonders war (wohl eher eine Ausnahme), außerdem tauchten Pixelprobleme auf (ein Totalausfall, mehrere Farbfehler).
Eigentlich wollte ich Nikon die Treue halten, es musste aber eine Kamera mit Staubentfernung her; aktuelle Tests mit der Nikon D60 belegen aber nicht, dass diese ein günstigeres Niveau der D80 darstellt. Daher tendierte ich erst zum exzellenten Auslaufmodell Canon EOS 400D, aber warum am falschen Ende sparen ? Sicherlich wird auch dieses Modell bald im Preis fallen, aber ich beabsichtige, die Kamera mehrere Jahre zu nutzen, daher habe ich zugeschlagen, weil auch im Vorfeld viel Lob zu vernehmen war. Aktuelle Tests (keine Schleichwerbung welche Fachzeitschriften) ermutigten mich zu diesem Schritt. Gekauft habe ich im Übrigen beim Fachhändler vor Ort; nichts gegen Amazon etc., aber der Preis war vergleichbar, insbesondere mit Zubehör, und ich kann ggf. vor Ort umtauschen - das muss aber jeder selbst entscheiden.
Der erste Test (immer im Vergleich zur D80, die ich als einzige Vergleichsmöglichkeit bisher habe): tolle, knackige Aufnahmen in Innenräumen, der Blitz hellt m. E. nicht ganz so gut auf, ist aber voll ausreichend. ISO-Werte bis 400 habe ich bislang ausprobiert, Bildrauschen kann ich (fast) gar nicht feststellen- tolle Leistung. Outdoor-Aufnahmen wirken auch fein aufgelöst, vor allem die natürliche Farbwiedergabe ist auffallend.
Das große 3-Zoll-Display ist mit der hohen Auflösung sehr gut gelungen, Live-View ist aus meiner Sicht für einen "echten" SLR-Fotografen (der ich noch werden will) eher entbehrlich, wird aber derzeit wohl langsam bei den neuen Modellen zum Standard. Die EOS 450D verbraucht aber bei Live-View merklich mehr Strom, kann mit einem Akku also weniger Bilder machen (mit 50% Blitzeinsatz ca. 190 Fotos lt. Bedienungsanleitung). Außerdem funktioniert das Ganze nicht (!) in den Motivbereich-Modi, also für den Einsteiger kann man Live-View z. B. nicht im Vollautomatik-Bereich nutzen.
Gerade das wäre aber wünschenswert gewesen, um das Foto vor dem Auslösen sehen zu können, aber es gibt ja den Sucher. Und der ist im Übrigen sehr gut. Diverse Informationen werden im Sucher geliefert, das kann man im Handbuch nachlesen. Anzumerken ist der 9-Punkte Autofokus. Was heißt das ? Max. neun Punkte leuchten im Sucher auf, in der Regel nur einige. Diese sind es, die das Bild im jeweiligen Bereich auf "scharf" stellen. Schnell erkennt man, dass das nicht immer klappt und man manchmal besser dran ist, manuell scharfzustellen. Das ist aber gerade die Herausforderung, dass man irgendwann den Vollautomatikbereich verlässt und sich den weiteren Herausforderungen stellt. Um aber halbwegs SLR-Profi zu werden, braucht man aber sicherlich einige Jahre - jeder hat mal klein angefangen.
Zu den Objektiven: seit einer guten Woche habe ich die Kamera nur mit dem ES-S 18-55 mm Objektiv: die meisten Fotos sind gut gelungen, aber auch mit Stabilisator bedeutet das nicht, dass Fotos nicht verwackeln ! Ein Stativ habe ich bereits bestellt, denn eine ruhige Hand und Stabilisator sind gut, es gibt aber insbesondere mit dem 55-250 mm-Objektiv neue Herausforderungen, die ein perfektes Bild (z. B. Nachtaufnahmen mit längeren Belichtungszeiten) garantieren sollen. Anzumerken ist auch, dass das "kleine" Objektiv prima Weitwinkelaufnahmen ermöglicht. Verzeichnungen die mich stören, habe ich derzeit nicht festgestellt.
Nun habe ich auch das EF 55-250 mm-Objektiv nachgeliefert bekommen. Passend zur sowieso schon leichten Kamera ist auch dieses eher ein Leichtgewicht, aufgeschraubt wird sich keiner den Arm verrenken müssen. Das ganze Set bleibt also weiterhin männer-und frauentauglich ! Und die Fotos (bislang nur Tagaufnahmen). Wow, für meine Zwecke reicht es erstmal eine ganze Weile aus. Tolle Zoomfahrten sind möglich, da auch hier ein Stabilisator zum Einsatz kommt, habe ich bislang bei beidhändiger Führung der Kamera keine Verwacklungen erlebt. Der Brennweitenbereich ist beachtlich. Profis mögen das Objektiv milde belächeln, aber wenn man kein HDTV kennt, ist auch PAL im Fernsehen teilweise sehr gut, d .h. man kann sich sicherlich steigern. Wollte ich etwas Besseres haben, hätte ich mit einer Nikon D300 bestimmt auch mehr erreichen können. Mit einem teureren Objektiv zu Beginn wäre mein veranschlagtes Budget aber deutlich überstiegen worden. Darum wird die Canon 450D ja auch für Einsteiger so interessant sein. Ein tolles Gerät, das einen relativ schnell seine bisherigen Digicams vergessen lässt.
Allein schon der physikalische Vergleich des 22,2 x 14,8 mm großen Bildsensors mit den mickrigen Größen der üblichen Sensoren verdeutlicht, warum hier ein 12,2 Mio-Pixel (effektiv)-Modell vorliegt, für das Bildrauschen erst in höheren ISO-Bereichen relevant wird.
Ein weiterer Grund, der mich zufrieden stellt ist, dass ich bislang keine Staubprobleme hatte, die Entfernung eventueller Staubreste beim Ausschalten der Kamera klappt also, ansonsten sei ein handelsüblicher Blasebalg für hartnäckigere Fälle empfohlen bzw. VORSICHT in staubigen Umgebungen. Pixelausfälle habe ich bei div. Testfotos auch nicht feststellen können.
Mehr kann man sicherlich berichten, aber andere und auch kompetentere Rezensenten werden sich sicherlich noch äußern.
Für mich ein Kauftipp. Ein Hinweis noch zum Gehäuse: diese wirkt nicht mehr ganz so kunststoffbillig, da es etwas edler verbaut wurde, dennoch kann es einer D80 oder Vergleichbaren und vor allem teueren Kameras nicht ganz das Wasser reichen. Aber durch die tolle Griffigkeit und das materialbedingt geringere Gewicht wird dieses Manko sehr gut ausgeglichen.