Bei manchen Kameras muss man dann doch ein wenig überlegen, bevor man sie in Händen hält. Sie ist keine Kompaktkamera, denn dafür ist das Gehäuse zu groß. Sie ist aber auch keine Spiegelreflexkamera, denn dafür fehlt ihr die Technik. Also ist mehr als von einer Kompakten, aber weniger als von einer Spiegelreflexkamera zu erwarten. Eine typische Bridgekamera eben.
Die Kameradaten lassen ein wenig Skepsis zu: 35-faches optisches Zoom, das ist reichlich. Dazu gutes Verhalten auch bei dunkler Umgebung, High-Speed-Aufnahmen, u.s.w.. Die 12 Megapixel für die maximale Auflösung sind vollauf ausreichend. Aber nun zur Kamera im Einzelnen.
=== Lieferumfang ===
Nahezu alles Notwendige ist dabei: Kabel, Umhängegurt, Ladegerät, CDs. Nicht dabei ist eine SD-Card, ohne die keine Aufnahmen möglich sind, und auch kein gedrucktes Handbuch. Bei einer Kamera in dieser Preiskategorie und mit diesem Funktionsumfang wäre zumindest das Handbuch zu erwarten. Das ist aber in dieser Klasse üblich, leider.
=== Funktionsumfang ===
Neben den üblichen, reichhaltigen Programmen (Voll-, Zeit-, Blenden-, Programmautomatik, Makrofunktion und Kreativeinstellungen) sei zumindest die gut auflösende Videofunktion und vor allem die Möglichkeit der High-Speed-Aufnahme genannt. Ansonsten ist quasi alles möglich, sogar Reihenaufnahmen mit Zeit- und Brennweitenwechsel. Mit Hilfe der Reihenaufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten sind dann auch die Voraussetzungen für HDR-Aufnahmen (High Dynamic Range) gegeben. Dies hat den Vorteil, dass man die Bilder, die man für die HDR-Aufnahme nutzen möchte, auswählen kann, aber auch für manche den Nachteil hat, dass man dies später mit Hilfe einer Software durchführen muss. Aus meiner Sicht ist der dies allerdings kein Nachteil.
Die Kamera hat einen Klapp- und Schwenkmonitor (ca. 230.000 Bildpunkte). Das ist überaus praktisch. Ein zweiter Monitor kann über den Sucher (ca. 202.000 Bildpunkte) eingesehen werden. Für Personen mit Sehschwächen kann hier eine entsprechende Einstellung vorgenommen werden.
Anschlüsse sind wie erforderlich zum Anschluss an PC und Fernseher (hier HDMI) enthalten. Akku und SD-Card sind sauber hinter einer stabilen Klappe verborgen.
Auf meiner Wunschliste stehen hier lediglich eine Möglichkeit, auch RAW-Aufnahmen machen zu können, denn das kann die Kamera leider nicht, und etwas höher auflösende Monitore. Wer allerdings RAW-Aufnahmen möchte, greift in der Regel wohl eher zu einer Spiegelreflexkamera.
=== Bedienung ===
Die Kamera liegt sehr gut in der Hand, der Griff an der rechten Seite ist gut und auch rutschfest, aber leider nicht gummiert. Dafür sind Griffmulden auch auf der Rückseite der Kamera und die Tasten haben leichte Aufwölbungen, damit sie nicht versehentlich gedrückt werden. Insgesamt in Ordnung, zumindest für Rechtshänder.
Alle Elemente funktionieren wie erwartet und sind typisch für eine Canon.
Etwas rätselhaft erscheint der Blitzschuh, der sich hinter einer Gummiabdeckung verbirgt. Da musste dann doch die Anleitung bemüht werden, um herauszufinden, wie man diesen entfernt. Das ist letztlich gewöhnungsbedürftig und ein wenig Fummelei. Aber dafür ist der Blitzschuh gut geschützt.
Wer von einer Spiegelreflexkamera her kommt, wird erst einmal über die Brennweiteneinstellung verwundert sein. Man greift unwillkürlich an das Objektiv. Die Bedienung erfolgt jedoch wie bei einer Kompakten mit einem kleinen Hebel am Auslöser. Das Objektiv zeigt eine interessante Beschriftung, denn es ist nicht die tatsächliche Brennweite angegeben, sondern das Kleinbildäquivalent. Sicherlich ein Tribut an die alten Fotofreunde.
=== Fotos ===
Die Disziplin ist die, die die Kamera auf jeden Fall gut meistern muss. Video- und Wiedergabe steht doch eher im Hintergrund.
Der Autofocus funktioniert sehr gut und benötigt nur einen sehr kleinen Augenblick zum Scharfstellen. Die Bilder in beiden Zoomextremen sorgen dann doch gerade bei einem 35-fach-Zoom für eine Überraschung. Die Verzeichnung am Bildrand ist sehr gering und deutlich besser als erwartet. Die Schärfe lässt zum Rand hin ein wenig nach, das ist aber passend. Das Rauschverhalten in dunklen Bereichen ist vorhanden, aber auch unerwartet gering.
Der Bildstabilisator arbeitet recht ruhig und sicher, eine unabdingbare Funktion bei voll ausgefahrenem Zoom. Allerdings ist er kein Allheilmittel. Ein Versuch, ein Objekt mit voll ausgefahrenem Zoom einzufangen, gestaltet sich mitunter als sehr schwierig. Man muss eine kürze Brennweite wählen und dann heranzoomen. Und dabei merkt man auch, wie viel Arbeit der Stabilisator leisten muss. Eine ruhige Hand und ausreichende Helligkeit sind zudem sinnvoll.
Als eines der Highlights kommt sicherlich die High-Speed-Funktion mit bis zu 10,3 Bildern pro Sekunde daher. Bis zu 8 Aufnahmen in sehr schneller Abfolge können aufgenommen werden, danach speichert die Kamera auf SD-Card. Ein Zeitfenster von knapp einer Sekunde. Damit sind Aufnahmen möglich, die sonst nur zufällig funktionieren.
=== Kameratypus ===
Die Kamera ist eine Bridgekamera, das heißt, sie verbindet Eigenschaften aus zwei Welten. Von der Kompaktkamera hat sie beispielsweise die Zoomeinstellung per Hebel geerbt, ein kleines Bändchen, an dem der Objektivdeckel befestigt ist, und die Einstellung des Bilds über einen der Monitore. Von der Spiegelreflex die Programmauswahl, die Lichtstärke des Objektivs und die Angaben der Brennweite als Kleinbildäquivalent.
Eine Kleinigkeit sei hier insbesondere erwähnt: Das Bändchen für den Objektivdeckel. Während Kompaktkameras einen automatischen Verschluss haben, um den man sich nicht kümmern muss, und Spiegelreflexkameras in der Regel einen Objektivdeckel, den man meist irgendwo hinsteckt und dann später wieder sucht, ist hier ein Kompromiss gefunden. Das Bändchen am Objektivdeckel, welches auch am Umhängegurt befestigt ist, bedingt, dass man die Deckel manuell abnehmen muss, aber trotdem nicht verliert. Diese eigentlich nicht erwähnenswerte Kleinigkeit zeigt doch, dass man bei der Kamera beiden Kamerawelten entgegen gekommen ist und einen guten Weg gefunden hat.
=== Fazit ===
Kameras gibt es reichlich auf dem Markt. Aber diese kommt doch insgesamt sehr positiv herüber. Die Bildqualität überzeugt, der Funktionsumfang ist mehr als überzeugend. Dazu kommt die Handlichkeit. Insgesamt sehr begeisternd. Klar, es ist keine Spiegelreflexkamera, die natürlich mit ihren Objektiven noch bessere Leistungen bietet, aber deutlich besser als viele Kompakte. Eine für ihren Zweck sehr empfehlenswerte Kamera mit stimmigem Preis-/Leistungsverhältnis.
=== Tipps & Tricks ===
Als Ergänzung zur Rezension seien hier noch ein paar nützliche Dinge genannt.
Das Handbuch informiert u. a. über die Möglichkeit der Panorama-Aufnahmen. Dort ist aufgeführt, wie man mit Hilfe des Stitch-Assistenten sowie der Software eine Panorama-Aufnahme erstellt.
Die Software dient nicht nur dem Upload der Aufnahmen oder der Erstellung einer Panorama-Aufnahme, sie ermöglicht auch (kleine) Einstellungen, die an der Kamera selbst nicht möglich sind. So wird über die Software auch der Eigentümername eingegeben, der bei den Bilddateien in die EXIF-Informationen aufgenommen wird. Wer eher spielerisch veranlagt ist, kann auch die Töne oder das Startbild einstellen.
Das Handbuch informiert auch über Zubehör. Hier sei insbesondere die Gegenlichtblende genannt, die eine nützliche Ergänzung darstellt. Zudem lassen sich Filter anschließen, jedoch ist hierfür ein Adapter erforderlich.