Das ist der Camcorder, auf den ich seit 2 Jahren gewartet habe.
1. Gute Testergebnisse
Bisher waren die Tests von AVCHD-Rekordern in Fachzeitschriften aber eher abschreckend. Insbesondere war die Bildqualität (vor allem bei schwachem Licht) durchweg eher mittelmäßig als High Definition. Beim Canon HF 10/100 ist dies nach Profitests (z.B. Camcorderinfo) anders. Der HF 10/100 ist nicht nur der erste HD-Camcorder von Canon, der auf Flash-Speicher aufzeichnet, sondern auch der erste, der sich mit HD-Camcordern messen kann, die auf Festplatte, DV-Band oder DVD aufzeichnen. Camcorderinfo hat in sogar zur Referenz für alle HD-Camcordern gemacht, weil die Aufzeichnungseigenschaften unter allen Lichtverhältnissen (insbesondere bei schwachem Licht) die Konkurrenz hinter sich ließen.
2. Eigener Eindruck
Der positive Eindruck aus den Tests hat sich nach meinem ersten Eindruck bestätigt. Sowohl Filmaufnahmen als auch Fotos sind gestochen scharf.
a) Allgemeines
Auf den eingebauten Speicher lassen sich 2 Stunden Video in höchster Qualität aufzeichnen (Full HD 1920x1080, wahlweise in 50i oder 25p). Mit einer zusätzlichen 16 GB SDHC-Karte kommen bis zu weitere 2 Stunden (je Karte) hinzu. Man muss wählen, auf welchen Speicher man aufzeichnen will. Ist einer der beiden Speicher voll wird leider nicht automatisch auf den anderen umgeschaltet. Man kann einen der beide Speicher auch für Backups nutzen.
Durch die Aufzeichnung auf Flash-Speicher ist das Gerät vollkommen geräuschlos (kein störendes Motorgeräusch bei Aufnahmen).
Für einfache Aufnahmen ohne Vorkenntnisse gibt es den "Easy Mode", der alle Einstellungen automatisch erledigt. Die Bedienung ist aber auch sonst intuitiv und einfach. Der Joystick funktioniert sehr gut. Dass der (etwas kleine) Bildschirm kein Touchscreen ist, finde ich eher positiv, weil mich die Fingerabdrücke darauf stören würden.
Ein optischer Sucher fehlt. Das ist der kleinen Bauart geschuldet und daher in Ordnung.
Das Gerät ist etwa so groß und schwer wie der Sony CX6 und liegt gut in der Hand. Der Panasonic SD9 ist kleiner und leichter, für meine Hände aber schon zu klein. Positiv: der (winzige und ca. 1 Stunde haltende) Akku ragt nicht aus dem Gehäuse heraus.
Über einen Zubehörschuh und zahlreiche Anschlüsse (auch Mikro und Kopfhörer) kann diverses Zubehör angeschlossen werden. Es liegen fast alle Kabel bei. Nur ein HDMI-Kabel (kameraseitig wird ein Mini-HDMI-Anschluss benötigt) und ein Scart-Adapter fehlen.
Die Akkus werden in der Kamera geladen. Leider ist ein Adapter zum Laden der Akkus außerhalb der Kamera nur als Sonderzubehör erhältlich.
b) Filmaufnahmen
Der Brennweitenbereich von 42,9 - 514,8 mm (Kleinbild) ist ok. Etwas mehr Weitwinkel wäre noch besser gewesen.
Die Farbgebung ist neutral, für meinen Geschmack ab Werk etwas zu neutral/flau, aber man kann das einfach anders einstellen, indem man die Farbgebung auf "kräftig" umschaltet (man kann die Farben auch noch abschwächen und damit ganz nach seinem Geschmack gestalten, andere Camcorder bieten diese Einstellmöglichkeiten nicht).
Das Gerät hat ein eingebautes Filmlicht, das nicht besonders stark ist, aber doch praktisch ist, um Objekte, die nicht allzu weit weg sind, aufzuhellen (der Preis ist ein leichter Blaustich).
Das Mikrofon ist vorn angebracht und nicht auf der Gehäuseoberseite, wie bei den meisten Geräten der Konkurrenz. Dadurch kommt man nicht versehentlich mit dem Finger auf das Mikro. Das vermeidet unerwünschte Nebengeräusche.
c) Fotos
Mit gut 3 MP ist der Camcorder auch als digitaler Fotoapparat geeignet, wenn man nicht gerade Poster erstellen möchte.
Die Brennweite ist hier 39,3 - 471,6 mm (Kleinbild). Auch hier würde ich mir etwas mehr Weitwinkel wünschen.
Die Fotos sind wahlweise mit fototypischem Seitenverhältnis (bis 2.048 x 1.536) oder im Bildschirmformat (bis 1920 x 1080) zu schießen. Parallel zu Filmaufnahmen nur im 2. Format.
Canon-typisch werden deutlich mehr manuelle Einstellmöglichkeiten geboten als bei den meisten anderen Camcordern.
Ein Blitz (incl. rote Augen-Vorblitz) ist vorhanden. Leider fehlt sowohl eine Gesichtserkennung als auch (schmerzlicher) die Möglichkeit, rote Augen in der Kamera zu korrigieren. Das kann Canon eigentlich beides schön seit längerem, wie die IXUS Kameras zeigen.
3. HF 10 oder HF 100?
Die beiden Geräte sind bis auf 3 Aspekte identisch:
a) Der HF 10 ist ca. 130 bis 200 Euro teurer.
b) Dafür verfügt der HF 10 über 16 GB eingebauten Flash-Speicher
c) Der HF 10 ist schwarz, der HF 100 grau.
Fazit: Der HF 100 bietet das bessere Preis-Leistungsverhältnis, da man eine SDHC-Karte mit 16 GB schon für ca. 60 Euro bekommt (s.u. Tipps). Ich habe mir trotzdem den HF 10 zugelegt, weil ich ihn schicker finde (aber das ist Geschmackssache).
4. Tipps:
a) Die Transcend 16 GB SDHC-Karte (Class 6) ist incl. Cardreader schon für gut 60 Euro zu haben und läuft genauso gut in dem Gerät, wie die 2 - 3 mal so teueren Karten anderer Hersteller. (Ich habe mir gleich 2 gekauft. Die Karte ist auch als "USB-Stick-Ersatz" klasse, weil extrem schnell).
b) Im Handbuch wird beschrieben, dass eine im 0,5-Sekunden-Takt blinkende Akkuladeleuchte auf einen Defekt deute. Das stimmt nach meiner Erfahrung nicht. Wenn die Lampe relativ schnell blinkt, aber der Akku trotzdem geladen wird, ist alles in Ordnung.
c) Weitere Infos sind der Anleitung zu entnehmen, die als PDF im Internet verfügbar ist. Die deutsche Website bietet dieses Download noch nicht, aber man kann sich von der US-Website ein englisches Handbuch zur NTSC-Version herunterladen, das praktisch identisch mit demjenigen der Pal-Version ist.
d) Man benötigt nicht unbedingt einen Blu-ray-Brenner, um HD-Aufnahmen auf DVDs zu bannen. Man kann Videos im AVCHD-Format auch auf normale DVDs speichern (eine DVD5 fasst ca. 40 Minuten in bester Qualität, eine DVD9 eine gute Stunde). Dafür reicht ein normaler DVD-Brenner samt mitgeliefertem Brennprogramm oder Nero. Diese DVDs lassen sich zwar nicht auf normalen DVD-Playern abspielen (hier kann sogar die Schublade blockieren!), wohl aber (mit der mitgelieferten Software) auf einem PC mit DVD-Laufwerk (hier ist kein BD-Laufwerk erforderlich) sowie auf Blu-ray-Standalone Playern incl. der Sony Playstation 3.
e) Am besten gleich einen Zweitakku bestellen. Dabei darauf achten, dass es den BP-809 in schwarz (für HF 10) oder silber (für HF 100) gibt. Der größere Akku BP-819 bietet mehr Laufzeit, ist aber auch schwerer und steht nach hinten aus dem Gehäuse heraus.
f) Ergänzung: Um die Videoleuchte VL-5 mit dem Camcorder zu benutzen, ist die Firmware 1.0.2.0 nötig. Das Update ist zB auf der australischen Canon-Website verfügbar (funktioniert mit dt. Gerät, ich habe es getestet). Auf der europäischen Website findet man Infos zur Firmare nur sehr versteckt (wenn man unter Support bei Suche "L00000012" eingibt; dort ist dann auch ein - leider nicht funktionierender - Link zur Firmware zu finden).
5. Nachtrag: HF 11
Canon hat für September 2008 bereits den Nachfolger zur HF 10 angekündigt. Die HF 11. Nach ersten Tests unterscheiden sich die Kameras nur sehr geringfügig:
a) Die HF 11 ermöglicht im MXP-Modus eine Datenrate von 24 Mbps (das ist das Maximun dessen, was ACHVD erlaubt). Die hohe Datenrate kann Vorteile bei schnellen Bewegungen haben (potentiell weniger Artefakte). In ersten Tests (Camcorderinfo) wurde allerdings berichtet, dass man Unterschiede "mit der Lupe" suchen müsse und im täglichen Gebrauch kaum jemals sehen wird.
b) Die HF 11 hat 32 GB internen Speicher (statt 16 GB bei der HF 10).
c) Die Laufzeit mit dem Akku BP 809 wurde von gut 80 Minuten auf gut 90 Minuten verbessert.
d) Die Filmleuchte VL-5 funktioniert bei der HF 10 erst nach einem Firmwareupdate (siehe unter 4 f).
e) Zwar wird mit beiden Kameras die Software Imagemixer SE V.3 geliefert, doch wird in der Beschreibung nur bei der HF 11 auf die Möglichkeit verwiesen, Blu-Ray Disks mit der Software zu brennen.
f) Der Preis ist ca. 400 Euro höher.
g) Im Übrigen sind Leistung und Ausstattung identisch.