Zuallererst sei gesagt, dass das Bild der HV30 wirklich spitzenklasse ist. Mit seinen 1440x1080 Pixeln kommt es nahezu an 1920x1080 heran ( man merkt kaum Unterschied ).
Ein riesiger Vorteil der HV30 ist das Aufzeichnungsmedium DV-Tape. Das Tape ermöglicht es, auch mit leistungsschwachen PCs High-Definition-Material flüssig zu bearbeiten ( ich empfehle mindestens 1GB RAM mit rund 2,5 GHZ ). Das liegt am Format der Videodateien, nachdem sie vom Camcorder zum PC übertragen wurden : m2v , dieses Format kann später als mpg abgespeichert und abgespielt werden.
Im Gegensatz zu den stark komprimierten avchd-Dateien, mit denen ein Festplatten- oder SD-Camcorder aufnimmt, kann man die m2v-Dateien mit JEDEM gängigen HD-fähigen Bearbeitungsprogramm bearbeiten ( z.b. ältere Versionen von Pinnacle Studio, also vers. 10 ).
Ein weiterer Vorteil sind viele manuelle Einstellungsmöglichkeiten. Man kann den Shutter von 1/25 sek. bis zu 1/2000 sek. einstellen, die Blendenöffnung von F1.8 bis ca. F8.0.
Auch ist es möglich entweder in 25p ( 25 Vollbilder in der Sekunde, progressive ) oder 50i ( 50 Halbbilder in der Sekunde, interlaced ) aufzuzeichnen. Auch gibt es die Möglichkeit, in Standard-Definition aufzuzeichnen.
Bei den manuellen Einstellungsmöglichkeiten hat Canon jedoch auch einen RIESEN Fehler gemacht: Wenn man den Shutter manuell einstellt, pegelt sich die Blendenöffnung in der Zeit AUTOMATISCH! Das gleiche gilt auch umgekehrt. Das heißt, dass die oft unerwünschten plötzlichen Änderungen der Blendenöffnungen eine Anhebung oder Senkung der Helligkeit des Videomaterials zur Folge haben kann. Dies ist besonders für szenische Filmer von großen Nachteil.
Allerdings ist es mit einigen Tricks (, die ich LEIDER noch nicht kenne, ) möglich, die Blendenöffnung irgendwie doch noch einzustellen. Trotzdem sehr schade, Canon.
Auch der manuelle Fokus ist nicht der beste. Zwar bietet das kleine Fokusrädchen an der Seite des Camcorders eine mehr oder minder gute Alternative zum Fokusring von professionellen Camcordern, doch ist es mit ihm kaum möglich die so bekannten Schärfeverlagerungen ( wenn der Fokus z.B. von einem Objekt des Hintergrunds auf ein Objekt des Vordergrunds verändert wird ) NICHT möglich, wenn dann nur bedingt. Dies liegt weniger am Fokusrad der HV30 selber, sondern vielmehr am kleinen Ausschlag: Man dreht den Ring mindestens zweimal ganz herum und trotzdem hat sich nicht viel am Fokus getan. Auch sehr schade, Canon.
Trotz allem ist der schwächste Punkt der HV30 der Sound.
Beim Benutzen des internen Mikrofons sind Laufwerksgeräusche DEUTLICH hörbar. Bei Zooms, bei Benutzen des Fokusrädchens oder sonstigen Knöpfen der HV30 ist das alles DEUTLICH wahrnehmbar. Ich empfehle, die Einstellungen vor Drücken des Record-Knopfes zu tätigen.
Da die HV30 erfreulicherweise einen Mikrofoneingang auf Klinke hat, empfehle ich ALLEN ein externes Mikrofon. Preiswerte Mikrofone sind z.B. das Rode Video Mic ( Kondensator Richtmikrofon ), das Rode Stereo Video Mic ( Stereomikrofon ) oder das Sennheiser MKE-400.
Hier empfiehlt es sich, den Ton manuell mithilfe eines Kopfhörers auszupegeln.
Szenischen Filmern empfehle ich aber, das externe Mikrofon in Entfernung zum Camcorder auf ein Stativ zu stellen oder noch besser eine Tonangel zu verwenden, weil man mit einem externen Mikrofon, das auf dem Blitzschuh des Camcorders montiert ist, noch immer ein klein wenig Laufwerksgeräusche wahrnimmt.
Mein Fazit für die HV30 ist:
Der Camcorder hat wunderschönes Bild, einige wirklich notwendige manuelle Einstellmöglichkeiten ( Shutter, Blendenöffnung ), die ab und zu ein wenig missraten sind, einen Mikrofoneingang, was für Camcorder dieser Preisklasse nicht üblich ist, einen manuellen Fokus und weitere kleine 'Gimmicks' wie z.B. den Spotlight-Mode oder, was für szenische Filmer interessant sein könnte, den 'Cinema'-Modus.
Die HV30 ist eine wirklich GUTE und gelungene Kamera ( mit einigen verbesserungswürdigen Funktionen ), die neben engagierten Hobby-, Urlaubs- und Hochzeitsfilmern BESONDERS für szenische Filmer geeignet ist. Bei richtiger Beleuchtung und Kameraführung kann man sie kaum von einer 3500¤-werten Canon XHA1 unterscheiden.
Ich empfehle den Camcorder auf jeden Fall.