Die Canon Legria M46, M406 und M41 haben eine Stärke gemeinsam. Alle haben den semiprofessionellen HD-Pro Bildsensor von Canon verbaut. Der Sensor ist für eine Mittelklassekamera mit 1/3 Zoll recht groß und hat nur 1920*1080 Bildpunkte. Weniger ist hier mehr, durch die geringe Pixelzahl erreicht Canon eine hohe Lichtempfindlichkeit der einzelnen Pixel auf dem Sensor.
Das Ergebnis kann sich m.E. sehen lassen. Bei guter bis mäßiger Beleuchtung ist kein erkennbares Bildrauschen vorhanden. Bei sehr geringer Beleuchtung rauscht das Material natürlich auch, aber deutlich weniger als bei den Konkurrenzproduktem dieser Preisklasse. Schaut man sich diverse Vergleichvideos auf einschlägigen Testseiten an, ist das Low Light Verhalten der Canons m.E. wie eine kleine Offenbarung gegenüber anderen Kameras.
Auch der Ton ist für ein integriertes Mikro durchaus gut. Keine Störgeräusche (wie teilweise bei den lüftergekühlten Panasonics). Das deutlich teurere Schwestermodell M41 bietet zudem einen externen Mikroanschluss.
Die M46 bietet zudem einen internen Speicher von 16GB, gleich zwei SD-Kartenslots, Kopfhöreranschluss und eine Eye-Fi Anbindung im Menü. Den Einsatz von EyeFi Karten halte ich persönlich bei der Kamera allerdings für wenig sinnvoll. Für vernünftige Fotos reicht die geringe Pixelzahl des Sensors einfach nicht aus (dafür ist der Camcorder auch nicht gedacht) und wer will schon die großen AVCHD-Videodateien per EyeFi-WLan übertragen?
Die manuellen Einstellmöglichkeiten sind für eine Einsteigerkamera m.E. ausreichend. Zeit- und Blendenautomatik, diverse Motivprogramme, Mikroaussteuerung, Weissabgleich, Fokus.
Das Low Light Verhalten der Kamera ist die eindeutige Stärke der Canon. Soweit die guten Nachrichten, denn für das Top LowLight-Verhalten muss man einige Nachteile in Kauf nehmen:
- sehr geringer Weitwinkel mit min. etwa 43mm. Das engt die Möglichkeiten in Innenräumen stark ein. Abhilfe schafft ein guter Weitwinkelkonverter (z.B. Raynox 6600 HD), der sich bei dem Standardfiltermaß von 43mm zwar gut adaptieren lässt, jedoch aus zusätzlich mitgeschleppt werden muss.
- geringer optischer Zoom. Das ist allerdings ein Manko aller lichtstärkeren Camcorder mit vernünftiger Optik. Die Kameras mit höherer Zoomstärke leiden dagegen oft unter schlechtem Low Light Verhalten und geringerer Bildqualität. Hier muss man wissen, was man will.
- mäßige Qualitätsanmutung und Verarbeitung. Die Canon ist aus Plastik, fühlt sich auch deutlich so an, klappert, hat keine Abdeckungen über den inneren Anschlüssen & nur ein Plastikstativgewinde. Von meiner Vorgängerkamera Canon HV30 bin ich die billig wirkende Verarbeitung aber bereits gewohnt. Wenn man z.B. eine vergleichbare Sony in die Hand nimmt, merkt man den Unterschied in der Verarbeitung.
- der mitgelieferte Akku hat wenig Leistung. Das ist auch bei anderen Herstellern so, hier muss dann Zubehör nachgekauft werden. Bei der Canon wirkt der kleine Akku aber zusätzlich noch verloren in dem großen Akkufach. M.E. sieht das weder schön aus, noch ist die Haptik so toll.
- kein 1080p Modus, sondern max. 25p bzw. 50i.
- sehr gering aufgelöstes Display. zwar 3 Zoll groß, wie bei den meisten Konkurrenzprodukten, aber sichtbar schlechtere Auflösung.
- Reaktion des Touchscreens mäßig. M.E. nicht so schlecht wie manchmal beschrieben (andere Tester sprechen mehr von einem Press-Screen als Touch Screen), aber schlechter als z.B. bei div. Sonys die ich kenne.
- der manuell über den Touchscreen zu steuernde Fokus ist m.E. unbrauchbar, da er sehr schlecht reagiert.
- Die Kamera erlaubt sogenannte Dekorationen, d.h. kleine Herzchen, Sternchen und was weiss ich ins Bild einzublenden. Dafür könnte ich sie direkt wieder einpacken, das erzeugt bei mir so ein negatives Spielzeuggefühl...
Fazit:
Man muss wissen, wo man die Prioriäten setzt.
Eine Einsteigerkamera mit besserem LowLight Verhalten, findet man in diesem Preissegment nicht. Wer also viel innen filmt und mit den o.g. Nachteilen leben kann findet hier einen tollen Camcorder zu einem sehr guten Preis (zum Zeitpunkt der Rezension bei um 390 EUR). Daher mit Blick auf das Preis/Leistungsverhältnis von mir 4 Sterne.
Wer mehr manuell einstellen will bekommt die selbe Qualität (für mehr Geld) bei der M41, wer auf den internen Speicher verzichten kann greift zur M406.
Wer mit Abstrichen bei LowLight leben kann, sollte sich aus meiner Sicht auchmal ernsthaft bei der Konkurrenz umsehen.
Die eierlegende "Wollmilchsau", die alle meine Wünsche erfüllt, habe ich leider noch nicht gefunden.