Noch immer ist Digitalfotografie nicht ganz so weit wie die analoge Fotografie, und dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Einer davon liegt sicher in der veränderten Brennweite, die auch bei der EOS 10D dazu führt, dass zwar über 60 EF-Objektive aus der analogen Welt mechanisch passen, ebenso die leistungsstarken TTL-Blitzgeräte, dass diese aber digital ganz andere Eigenschaften zeigen, dass die Blitze teilweise nicht E-TTL-fähig sind, und dass man als analoger System-Umsteiger trotz aller Erfahrung mit seinem Equipment wieder bei Null beginnt. Aber, und das ist die andere, erfreuliche Seite, so nahe wie die EOS 10D kommt derzeit kaum ein Gerät an analoge Fotografie heran, vor allem nicht zu diesem Preis. Wer jedoch tatsächlich echte digitale Weitwinkelfotografie haben möchte, sollte sich im klaren darüber sein, dass zum Preis für das Gehäuse auch die Investition in ein lichtstarkes Ultraweitwinkel-Objektiv wie das 15-35 von Canon (fast 2.000 Euro) oder das gerade erschienene 12-35 EX von Sigma (rund 900 Euro) gehört. Alles andere ist Augenwischerei, wer darauf verzichtet, kann auch gleich mit einer wesentlich billigeren digitalen Bridge-Kamera aus dem oberen Leistungsbereich vorlieb nehmen (z.b. Fuji FinePix S7000). Aber von vorn.
Im Unterschied zu den besten digitalen Bridge-Kameras (Bridge deswegen, weil sie fast schon so leistungsfähig sind wie echte SLR und deshalb eine Brückenlösung darstellen) bietet die EOS 10D unverkennbare Unterschiede. Das fängt beim robusten Metallgehäuse an, das exzellent in der Hand liegt und sich schon aufgrund seines Gewichts sehr ruhig halten lässt. Dafür ist es eben auch recht schwer und z.B. in den Bergen nur was für Leute mit Kondition. Wer sich indes nie an die verzögerte Auslösung digitaler Kameras gewöhnen konnte, wird mit Freude feststellen, das die EOS 10D fast so schnell ist wie analoge Kameras - auch wenn sich in der ambitionierten Sport- und Actionfotografie noch immer deutliche Grenzen zeigen. Weil die Objektive sich wechseln lassen, muss das Gehäuseinnere besonders vor Verstauben geschützt werden - weitaus mehr Aufmerksamkeit als in der analogen Fotografie ist nötig, damit sich nichts auf dem empfindlichen CCD absetzt. Übrigens: Wer eher selten im Gelände unterwegs ist, der kann auch mit der deutlich preisgünstigeren EOS 300D glücklich werden - die 10D ist vor allem für Fotografen, die in Sachen Robustheit und Funktionalität keine Kompromisse eingehen wollen.
Eine Zeitlang gab es in der Fachwelt heftige Diskussionen, weil einige der ausgelieferten 10D Schwierigkeiten mit dem richtigen Scharfstellen und mit dem Autofokus hatten. Canon begründete das lapidar mit „größeren Toleranzbereichen bei digitalem Fokussieren". In diesem Zusammenhang wurde von Fokussier-Schwierigkeiten in Zusammenarbeit mit einigen fremden bzw. auch mit Canon-Objektiven berichtet. Wo der Fehler noch auftritt (über die Hälfte der geschossenen Fotos ist dann unscharf bzw. falsch fokussiert), bietet Canon an, die komplette Kamera inkl. Objektiv im Werk aufwändig nachzukalibrieren. War bei mir allerdings nicht nötig. Sinnvoll ist es allerdings, von Zeit zu Zeit nach Firmware-Updates Ausschau zu halten, zwei sind es bisher, die spürbare Verbesserungen bringen, beispielsweise eine optimierte Zusammenarbeit beim Speichern auf Microdrive-Festplatten.
Fazit einstweilen: Die EOS 10D ist, stattet man sie so aus, dasss man ihre Leistungsfähigkeit tatsächlich ausreizen kann, immer noch ein teurer Spaß. Die Ergebnisse hängen mindestens zur Hälfte von der Qualität der eingesetzten Objektive ab, und das verdoppelt den Anschaffungspreis glatt verdoppelt. Auch ein leistungsstarkes Blitzgerät ist unverzichtbar sowie mehrere Akkus zum Wechseln oder der optionale Batteriegriff. Ob es das wert ist, muss jeder für sich entscheiden, denn in ein, zwei Jahren werden SLR-Kameras sicher noch sehr viel leistungsfähiger sein - und bis dahin gibt es dann auch mehr Objektive, die bereits auf Besonderheiten digitaler Fotografie zugeschnitten sind. Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit vor allem auch bei schwierigen Lichtverhältnissen (ISO1.600, interpoliert bis 3.200!) sowie die klare Bedienbarkeit der EOS 10D lassen für den ambitionierten Amateur so gut wie keine Wünsche offen. Beim Profi dürfte das geringfügig anders aussehen. Aber darüber müssen Leute urteilen, die mit Fotografie auch wirklich ihr Geld verdienen...