Ich besitze das Objektiv nun seit Juli 2009 und habe damit schon etliche Bilder aufgenommen. Als Kamera verwende ich die Canon EOS 30D und zur Bearbeitung DXO Optics Pro(die ideale Software zur schnellen Verarbeitung von Bildern, gerade mit Superzoom-Objektiven).
Nach eher erfolglosen Versuchen mit ähnlichen Objektiven anderer Hersteller habe ich mich dann doch für das Canon entschieden - denn ich wollte nicht immer das volle Paket mitschleppen(möglichst 2 Kameras, 17-40mm L und 70-300mm IS USM).
Das 18-200mm EF-S IS wirkt solide und gut verarbeitet - allerdings hat es wie so viele ähnliche Objektive das "Creeping-Problem" - immerhin hat Canon einen Feststellschalter eingebaut.
An einer größeren Kamera wirkt es gut ausbalanciert.
Der Autofokus ist präzise, zwar nicht rasend schnell, aber daß es kein USM ist, ist nicht so schlimm - richtiger Ring-USM ist ohnehin das einzig Wahre für Geschwindigkeit, kein "Billig"-USM.
Jedenfalls hatte ich bisher keine Bilder, die fehlfokussiert waren.
Die Abbildungsleistung ist recht in Ordnung, aber man sollte keine Wunder erwarten. Der Weitwinkelbereich ist halbwegs brauchbar, am äußeren Bildrand sollten aber möglichst keine wichtigen Bild-Teile sein.
Im äußeren Telebereich fällt die Leistung auch leicht ab, Abblenden sei empfohlen - dann klappt das schon. So konnte ich auch recht problemlos gute Bilder von Storchen in ihrem Nest machen.
Die Verzeichnung hält sich in Grenzen, naturbedingt ist sie eben vorhanden - mit Nachbearbeitung aber kein Thema mehr. Ohnehin ist Nachbearbeitung für anspruchsvolle Fotografen Pflicht - auch was andere Abbildungsfehler wie CAs etc. angeht.
Der Stabi arbeitet recht gut und bietet mir auch die Möglichkeit, bei eher schlechtem Licht zu fotografieren. Selbst 1/8 im Weitwinkelbereich ist freihändig noch möglich, wenn man sich anstrengt.
Die Farbwiedergabe des Objektives ist recht gut und kann durchaus mit teureren Modellen mithalten. Tendenziell sind die Farben etwas wärmer, aber dennoch neutral. Die Bildanmutung ist anders als die eines L-Objektives - aber nicht unbedingt schlechter.
Man sollte beachten, daß das Objektiv nur an Canon-Kameras mit Cropfaktor 1,6 funktioniert - bedingt durch den EF-S-Anschluß.
Typisch für Canon: Eine Gegenlichtblende fehlt. Diese muß extra erworben werden.
Ich möchte das Objektiv auch gerne mit anderen aus meinem Besitz vergleichen - natürlich ist klar, daß solch ein Superzoom ein Kompromiß ist, aber sicher ist es gut zu wissen, wie weit dieser Kompromiß geht.
Das Canon 17-40mm L USM bildet im extremen Weitwinkelbereich klar besser ab, generell ist es über seinen Brennweitenbereich klar überlegen, lediglich bei 40mm kann man ungefähren Gleichstand attestieren. Die Farbwiedergabe des L ist eher kühler, zudem bekommt es einen knallig blauen Himmel etwas satter hin. Über den Autofokus brauche ich nicht reden - hier ist das 17-40mm L mit seinem Ring-USM natürlich spürbar besser. Solange man keine kriegsentscheidenden Motive ablichtet, ist das für die Praxis nicht so bedeutsam.
Das 18-55mm EF-S S bildet im Weitwinkelbereich besser ab, bis ca. 35mm ist es klar besser - erst darüber kann das 18-200mm punkten. Dafür hat das 18-200mm eine schönere Farbwiedergabe mit besserem Kontrast. Der Autofokus des 18-55mm ist einen ganz kleinen Faktor besser, aber kaum praxisrelevant.
Das 70-300mm IS USM bildet über den gesamten Brennweitenbereich, den das 18-200mm auch abdeckt(also 70-200mm) meistens minimal besser ab, jedenfalls klar und deutlich bei Werten um 200mm, zudem ist die Verzerrung geringer.
Bei der Fokus-Geschwindigkeit nehmen sich beide nicht viel, teils ist sogar das 18-200mm etwas flotter und treffsicherer. Bei der Farbwiedergabe ist das 18-200mm im unteren Bereich gleichwertig, am langen Ende etwas besser.
Mein Fazit:
Wer bereit ist, einen Kompromiß einzugehen, möglichst immer mit RAW aufnimmt und sich nicht vor Nachberarbeitung scheut und kleinere Abbildungsschwächen in Kauf nimmt, dem kann ich das 18-200mm EF-S IS nur empfehlen.
Als Mehrzweck-Objektiv erfüllt es seinen Dienst gut. Wenn ich ein universelles Objektiv brauche, nehme ich es - ansonsten je nach Anwendungsbereich eher die anderen. Wenn ich z.B. hauptsächlich Motive im Weitwinkel abbilde, ist mein 17-40mm die bessere Wahl.
Jedoch ist das 18-200mm natürlich weitaus flexibler.
Von daher eine Empfehlung wert!