Ziel: Ersetze EF-S 18-55 IS durch Standardzoom mit größerem Brennweitenbereich.
Ausgangsituation: Auf Reisen lassen sich mit der "Gut & Günstig"-Kombination EF-S 18-55 IS und EF-S 55-250 IS an der EOS 1000D zwar gute Bilder machen, aber der Objektivwechsel bei Brennweite 55 ist mir einfach zu weit vorne. Insbesondere um auch bessere Porträtaufnahmen machen zu können, möchte ich mit einem neuen Standardzoom mindestens den Brennweitenbereich 18-85 abdecken. Zunächst habe ich Mega-Zoomobjektive getestet, aber die reichen mir von der Abbildungsqualität her nicht aus. Wie gut, dass Canon nun seine Objektivpalette um zwei neue Linsen erweitert hat, die mein Anforderungsprofil vom Papier her erfüllen. Nach zwei ausgiebigen Testtagen mit allen für mich relevanten Praxissituationen, habe ich mich nun für eines der beiden neuen Standardzooms entschieden. Hier die Gegenüberstellung mit dem subjektiven Ergebnis:
Verarbeitung: Vorteil 15-85
-> Wesentlich hochwertiger, kompakter, sorgfältiger verarbeitet, ganz klar eine Stufe über der "Plastikklasse", mit der ich aber auch keine Probleme habe, wenn sie so gute Ergebnisse liefert, wie meine "Gut & Günstig"-Kombi (s.o.).
Gewicht: Vorteil 18-135
-> Rund 120 gr. mehr Gewicht des 15-85 müssen erst einmal herumgeschleppt werden. Im Vergleich zum Kit 18-55 IS wiegt das 15-85 sogar satte 370 gr. mehr. Meine Kombi aus Kamera, Batteriegriff und Objektiv wiegt mit dem 15-85 nun 1430 gr., mit dem 18-135 1309 gr. und mit dem 18-55 hingegen nur 1057 gr. Eigentlich schnalle ich mir die Kamera immer ganz gerne an die Hand, aber das werde ich zukünftig wohl lassen...
Autofokus: Unentschieden
-> Zwar hat die teurere 15-85-Linse einen leisen USM-Motor, aber wirklich praxisrelevante Schnelligkeitsvorteile habe ich dadurch nicht festgestellt. Aufpassen muss man beim Fokussieren im WW bei 15 mm, wenn es Richtung "unendlich" geht (z.B. bei Landschaften). Hier wird jedes 3.-4. Bild komplett unscharf bzw. verwaschen, egal bei welcher Blende, egal bei welcher Auslösezeit, egal ob aus der Hand oder vom Stativ, egal ob mit oder ohne IS. Hier ist eine kurze Bildkontrolle nach dem "Schuss" angesagt, um sich nicht hinterher zu Hause zu ärgern. Bei allen anderen Brennweiten arbeitet der AF aber zuverlässig.
Abbildungsleistung: Vorteil 15-85
-> Wer es gerne technisch genau und vergleichbar mag, kann sich ergänzend bei photozone.de die empfehlenswerten (englischsprachigen) Objektivtests durchlesen. Aufnahmen vom gleichen Motiv zeigten mir, dass das 15-85 bei allen Brennweiten bereits mit offener Blende über die gesamte Bildfläche eine tolle Schärfe zeigt (sofern der AF sich bei 15 mm nicht verhaut), während das 18-135 bei Offenblende zum Rand hin immer verwaschener aussieht. Mit Blende 8 ist auch hier das Ergebnis über die gesamte Fläche gut. Aber hat man immer genug Licht für Blende 8?
Abbildungsfehler: Vorteil 18-135
-> Das 15-85 ist bei Offenblende zwar schön scharf, aber die Vignettierung (Randabdunkelung) ist wirklich sehr auffällig. Im Weitwinkel mehr als im Tele. Aber das lässt sich mit entsprechender Software gut korrigieren. Das 18-135 ist hier nicht ganz so schlimm. Tonnenförmige Verzeichnungen weisen beide Objektive im Weitwinkel auf, aber je nach Motiv ist das nicht besonders relevant. In der Regel fotografiere ich nicht frontal Backsteinmauern, Badezimmerkacheln o.ä. strukturierte Motive. Im Zweifel Motiv-Puffer zum Rand hin lassen, und Verzeichnungen später per Bildbearbeitung korrigieren. CAs fallen mir subjektiv nicht auf, da bin ich wohl nicht pingelig genug. Auch hierzu verweise ich auf photozone.de.
Brennweitenbereich: Vorteil 15-85
-> 3 mm mehr Weitwinkel sind für mich sehr wertvoll, da bei Städtereisen, Innenraumaufnahmen oder Landschaftspanoramen immer noch das entscheidende Stückchen "Mehr" aufs Bild passt. Insbesondere Landschaftsaufnahmen gewinnen bei 15 mm mehr räumliche Tiefe als bei 18 mm. Hätte ich nicht gedacht. Im Zoo hingegen sind die 135 mm des anderen Objektivs sehr hilfreich, da würde ich vom 15-85 wohl auf mein Telezoom wechseln. Aber da ich eben ein Teleobjektiv habe, sind mir die 3 mm mehr Weitwinkel doch wichtiger. Hätte ich das 55-250 nicht, würde ich den 18-135 Brennweitenbereich als besser einschätzen.
Makrotauglichkeit: Unentschieden
-> Zwar ist die Naheinstellgrenze unterschiedlich (35 cm beim 15-85, 45 cm beim 18-135), aber trotzdem ist der größte Abbildungs-Maßstab durch die unterschiedlichen längsten Telebrennweiten mit 0,21 derselbe. Makros lassen sich so durchaus machen und auf Reisen ist die Fähigkeit ausreichend, aber wenn es drauf ankommt, nehme ich doch lieber mein Sigma 70/2,8. Wer kein Makroobjektiv hat, sollte vielleicht über ergänzende Nahlinsen nachdenken, um die Möglichkeiten etwas zu verbessern.
Bokeh: Unentschieden
-> Nun, bei größter Blendenöffnung von 5,6 sind hier keine Wunderdinge zu erwarten, aber insgesamt gefallen mir die Tiefenunschärfen aber subjektiv bei beiden Objektiven ganz gut.
Preis: Vorteil 18-135
-> Natürlich absolut 300-350 € günstiger, aber auch vom Preis-/Leistungsverhältnis her ist die günstigere Linse vorne.
FAZIT: Beide Objektive sind absolut alltagstauglich und stellen gegenüber dem 18-55 IS eine Verbesserung der Möglichkeiten dar. Das 18-135 macht in diesem Brennweitenbereich zwar keine besseren Bilder und ist für Makros sogar etwas weniger geeignet, aber bietet doch entscheidend mehr Brennweite, um nicht ständig auf ein Teleobjektiv wechseln zu müssen. Das hochwertigere 15-85 zeigt hingegen eine bessere Abbildungsleistung und bietet vor allem 3mm mehr Weitwinkel. Aus diesen Gründen werde ich es auch behalten, selbst wenn ich zukünftig mehr Gewicht schleppen muss. Bei Motiven, die eine lange Brennweite notwendig machen (Tiere in freier Wildbahn, etc.) sind sowieso weder 85 noch 135 mm ausreichend, von daher werde ich nach wie vor Objektivwechsel zum 55-250 vornehmen müssen, wenn auch seltener. Je nach Priorität bei den Beurteilungskriterien und eigenem Objektivarsenal kann man sich durchaus auch anders entscheiden.