Inhaltlich haben meine Vorredner schon fast alles beschrieben, daher nur einige kleine Ergänzungen:
Ich habe zusätzlich das EF 35mm 1.4 L, was eine ebenso hervorragende Bildleistung hat. Aber dort ist der Entfernungsring kein Drehwinkelgeber, d.h. die Mechanik wird bei manuellem Fokus nicht durch die Motoren, sondern direkt bewegt. Von der Bedienung finde ich das EF 85mm besser, weil leichtgängiger (mancher Fotograf mag gerade das etwas schwergängige viskose Gefühl, also ist das wohl Geschmackssache).
Den hohen Preis sind beide Objektive wert, vor allem die geringe Schärfentiefe bei Offenblende gibt tolle Bilder, egal ob Nahaufnahmen oder bei Menschen/Gesichtern vor etwas entferntem Hintergrund.
Wer sie kauft, sollte allerdings auch beachten, das beide Objektive für Festbrennweiten sehr schwer sind, das muss man bei langen Fotosessions erstmal halten (wollen). Aber es gibt nichts umsonst, und hohe Lichtstärke bei super Abbildungsqualität heisst viele große Linsen, die sind nun mal nicht leicht.
Ich habe die EOS5D MkII im Einsatz, bei dieser Kamera ist das Objektiv auch nicht "überdimensioniert", ebensowenig bei den Profi-Gehäusen. Bei den kleineren EOS ist sicher der Effekt der Offenblenden-Aufnahmen genauso toll, man wird die sehr gute Korrektur der Objektivfehler vielleicht etwas weniger bemerken.
Der Vollformatsensor der EOS5D rauscht auch bei 6400ISO noch so erträglich, dass man sogar bei komplizierten Lichtverhältnissen (Museum, Zirkusmanege) noch aus der Hand ohne Blitz gute Fotos machen kann. Da ist dann das 35mm noch etwas praktischer, da man von 2m-oo nicht mehr fokussieren muss und einen größeren Bildausschnitt bekommt.
Bei beiden Objektiven kann man herrlich zwischen einfrieren der Bewegung bei Offenblende und Wischeffekten durch längere Belichtungszeiten und niedrige ISO Werten auswählen. Zwischen einer "normalen" Lichtstärke von 1,8 und einer 1,2 ist wirklich noch ein riesiger Unterschied.
Mein Tip: Wer bisher nur Zoom-Objektive hatte und bereit ist, weit über 1000 Euro für ein Objektiv auszugeben, sollte sich zumindest eines der beiden lichtstarken Objektive gönnen. Für den Portrait-Fan das 85mm (mit dem Zwischenring EF12 II kann man dann auch supertolle Nahaufnahmen machen), für den Street-/Architektur- und Landschaftsfan vielleicht eher das 35mm. Das braucht auch keinen Zwischenring für Makro, geht bis 30cm Abstand runter, was für die meisten Nahaufnahmen ausreicht). Aber Achtung, bei Nahaufnahmen und Offenblende ist die Schärfentiefe bei beiden Objektiven nur noch im cm-Bereich. Ich habe im Frühling Aufnahmen von Krokussen mit dem 85mm und dem EF12 gemacht, da sind die Staubgefäße und die Blütenblätter scharf, aber der Blütenboden schon unscharf! Sieht super aus, wenn man sich die Zeit nimmt, den Bereich gut abzustimmen und den völlig unscharfen Hintergrund (der Boden ist bei Krokussen ja nur 10cm weit entfernt!) farblich abzustimmen. Dann sieht das ganze wie ein Aquarell mit knackscharf hereingezeichneter Blüte aus.
Portraits in Innenräumen ohne Kunstlicht bei bewölktem Himmel: Kein Problem.