Eines vorweg, wer kein Objektiv in der 50mm Standardobjektivklasse besitz und kein Videofan ist, kann sich dieses ohne Vorbehalte gönnen und die nachfolgende Rezension wohl in die Ablage „rund unter Tisch“ einordnen :-).
Für diejenigen, welche einen direkten Vergleich zu Vorhandenem suchen, sollten sich ein bißchen Zeit nehmen, oder auch bei Möglichkeit besser selbst testen.
Ich habe schon eine lange Liste an Canon Standardobjektiven besessen, bzw. gegeneinander vergleichen können:
mit Canon EOS 300D + 7D (APS-C)
- Canon EF 50 mm f/1,4 (Test)
- Canon EF 50 mm f/1,8 II (im Besitz, abgegeben)
- Canon EF 50 mm f/2,5 Macro (2 Stück im Besitz)
mit Olympus PEN EP-2 + FD-MFT-Adapter
- Canon FDn 50 mm L f/1,2 (im Besitz, abgegeben)
- Canon FDn 50 mm f/1,2 (im Besitz, abgegeben)
- Canon FDn 50 mm f/1,4 (im Besitz, abgegeben)
- Canon FDn 50 mm f/1,8 (im Besitz, abgegeben)
- Canon FD 50 mm SSC f/1,4 (im Besitz)
- Canon FD 35 mm TS SSC f/2,8 (im Besitz)
... und nun zu den positiven Dingen, die der kleine „Pfannkuchen“ so mit sich bringt, übrigens nicht viel Neues zu den Vorrezensionen:
- 1. Es erzeugt eine mit den Augen nicht wahrnehmbare Tonnenverzeichnung, welche nur über Labortest oder 200%-Zoom an geraden Linien aufgedeckt werden kann.
- 2. Das Objektiv ist für FF (Vollformat) berechnet und hat somit bei APS-C + -H einen natürlichen Vorteil bei der Vignettierung (Randabdunklungen). Allerdings ist bei maximaler Blendenöffnung (f/2,8) der Lichtabfall vergleichsweise hoch und deutlich sichtbar gegenüber den alten Scherben (50-iger Makro + 50mm SSC bei je f/2,8). Allerdings abgeblendet ab F/4,0 ist mit dem Auge davon nichts mehr zu sehen..
- 3. Und nun zu dem Besten der Linse, der Auflösung. Das Zentrum ist schon bei Offenblende ausgezeichnet, bei minimalem Abfall zu den Randbereichen. Abblenden auf f/4,0 verbessert die Randbereiche, sodaß man eine hervorragende Qualität über das gesamte Bild erhält. Ab f/11,0 beginnt dann der Leistungsabfall langsam, der dann bei f/16,0 deutlich zu Tage tritt.
- 4. Die berühmt berüchtigten Farbsäume (CA’s) bei lichtstarken Objektiven sind absolut kein Thema. Ist aber ein Äpfel- Birnenvergleich, da das Objektiv nicht in die kritischen Bereiche ab f/1,4 hinein kommt.
Und was bedeutet das Ganze für den potentiellen Nutzer: Ein absolutes YES was die Leistung und den Preis betrifft, wenn man hervorragende Fotos bei Low-Budget-Preis machen will.
... und warum schreibt der denn ganz am Anfang „Mogelpackung“ und vergibt nur 3 Sterne?
Also.....
- 1. Es fehlt die Lichtstärke, welche typisch und notwendig bei low light für diese Klasse von Objektiven ist. Minimum sollte eigentlich f/1,8 sein.
- 2. Der Minimalabstand von ca. 25 mm mit einem Vergrößerungsfaktor von ca. 1:1:5,5 kommt einem Makro nahe, ist aber doch keines. Bei einem Vergleich mit „echten“ Makros (EF 100mm USM + EF 50mm) ist es auch bei vergleichbarem Bildausschnitt chancenlos in der Schärfenleistung der Bildmitte.
- 3. Es ist absolut chancenlos gegenüber USM-Objektiven, bei abgeschaltetem IS, was die Geräuschentwicklung bei Videoaufnahmen betrifft.
Punkt 1 und 2 führt bei mir zu einer Bewertung von 4++ Sternchen, aber Punkt 3 hat bei mir einen grün-blauen Ärgergesichtausdruck erzeugt. Ich kann absolut die 1-Sterne-Bewertungen verstehen, wohl aber nicht akzeptieren da zu selektiv vorgenommen. Hier hat Canon einen schweren Fehler begangen, dieses Objektiv als „Video“-Pancacke anzupreisen, daher auch der Titel „Mogelpackung“ und Abwertung auf 3 Sterne.
Jeder Nutzer, der seinen Schwerpunkt auf Video setzt, kann mit diesem Teil nichts anfangen, oder Autofokus aus machen und szenisches Filmen vornehmen. Ich persönlich setzte für das Filmen mit der 7D ein EF 24-105mm L IS USM bei abgeschaltetem IS ein (erzeugt leider hörbare Geräusche), oder noch besser die Oly PEN (mit Stabi im Gehäuse) + meine alten FD/FDn-Festbrennweiten (Lieblingsobjektiv = FD 85mm ASPHERICAL f/1,2 = Allererste Sahne).
Das Pancacke wurde wohl für die neuen Canon EVIL-System-Kameras (electronic viewfinder interchangeable lens - Canon EOS M) als Upgrade-Linse konzipiert. Da die EOS M aber noch nicht verfügbar sind, werden diese Objektive trotzdem vorab schon verkauft. Wie sinnvoll diese Mini-Scherbe auf einer großen EOS mit Batteriegriff wirkt, muß jeder für sich entscheiden, aber zu einer Pocket-Kamera wird diese Kombi nie werden.
Schlußendlich für Leute ohne Video-Ambitionen und ohne vorhandenem entsprechenden Äquivalent absolut empfehlenswert (4-5 Amazon-Sternchen). Benutzer mit vorhandenem 50mm „Spezial“-Objektiv, können eigentlich dieses Teil nur als Zweitlinse mit einem breiteren Einsatzspektrum benutzen, wofür auch die tolle Leistung + Preis spricht. Für mich persönlich als „Scherbenwechseler vom Dienst“ war die Entscheidung klar, die vorhandenen Lösungen sind eindeutig besser. Wer schon einmal ein superscharfes Canon „Minimakro“ in der Hand hatte, der weiß von was ich rede ....
Ergänzung 20121024:
Nun weiß ich endlich warum mir die Videoqualitäten des Objektivs als mangelhaft erschienen sind:
Objektive mit der Stepper-Motor-Technologie (STM) sollen in Kombination mit dem neuen Hybrid-Autofokus der Canon EOS 650D die schnelle kontinuierliche Fokussierung im Live-View- und Videomodus unterstützen.
Diese wichtige Information sollte eigentlich, statt der nichtssagenden Artikelbeschreibung, an oberster Stelle stehen. D.h. volle Ausnutzung der Video-Eigenschaften sind zur Zeit nur mit der Canon EOS 650D möglich. Noch nicht einmal die neue EOS 5D III besitzt diesen Hybrid-AF :-(