Wir haben das Objektiv jetzt etwas mehr als 2 Jahre im Einsatz und fotografieren viel damit. Wir benutzen es nämlich, um damit Innenräume zu dokumentieren - regelmäßig ein bis zweimal die Woche. Als Kamera haben wir eine 5D daran.
Die Überschrift nimmt das Resumee schon vorweg. Im Einzelnen können wir bestätigen, dass das Objektiv durch Größe, Gewicht und Finish ein gut bis sehrgut in der Handhabung/ im Handling verdient.
Die optische Leistung ist nicht vollkommen unumstritten, die Meinungen gehen auseinander. Das Thema Schärfe erhitzt die Gemüter. Dazu meine Meinung/ Feststellung: Die zwischen 17 und etwa 22 mm aufgenommenen Bilder zeigen Schärfeabfall bei den am Bildrand befindlichen Bildgegenständen. Dieser Schärfeabfall ist nach meinem Ermessen vertretbar und hängt auch von der Blendeneinstellung ab. Im genannten unteren Brennweitenbereich treten aber gleichzeitig signifikante Vignetierungen auf. Diese können mit aktuellen RAW-Entwicklern zwar weggerechnet werden, hinterlassen bei unseren Innenraumaufnahmen dann aber deutliches Farbrauschen (könnte bei Outdoor durch aus anderst sein). Diese Vignetierung nimmt z.B. bei 20 ggü. 17 mm bereits erkennbar ab, ebenso von Blende 4 nach Blende 5,6. Für mich ist deshalb 20mm bei Blende 5,6 im Standard der "Anschlag". Unterschreite ich diese Grenze, entsteht die Aufnahme im Bewusstsein, dass sie technische Fehler enthalten wird. Um des Fotos Willen tolleriere ich diese aber und bin auch nicht "bleidigt" wenn die Aufnahme in den Papierkob geht.
Eine mögliche weitere Ursache für erkannte Unschärfe ist der Umstand, dass oftmals im Bildrand erfasste Gegenstände duetlich näher am Kamerastandpunkt liegen als Objekte im Bildmittelpunkt und damit nicht mehr in der fokusierten Schärfenebene.
Für absolut beachtlich halte ich die weitestgehende Verzeichnisfreiheit. Wenn ich im Sucher bereits Verzeichnung erkennen kann, dann ist das Objektiv für mich gelaufen. Für mich wiegt Verzeichnung wesentlich schwerer als ein moderater Schärfeabfall (wir reden noch lange nicht von Unschärfe) zum Bildrand. Deshalb hier wirklich großes Lob.
Und eines sollten wir auch nicht vergessen: Noch vor einigen Jahren hätte man von so einer Linse überhaupt und dann zu diesem Preis nicht zu träumen gewagt.
Aufgrund des häufigen Einsatzes und der damit verbundenen häufigen Verschmutzung der Frontlinse haben wir jetzt vor einigen Wochen einen Protect-Filter gekauft. Wi wollen einfach vermeiden, das sich im Laufe der Zeit Putzspuren auf der Frontlinse ergeben. Die häufigere Verschmutzung der Frontlinse hat sicherlich mit deren Größe (77mm) und auch mit der sehr kurzen Streulichtblende zu tun. Das ist aber einfach den 17mm geschuldet.
Wieso ist es überhaupt dieses Objektiv geworden? In der Vergangenheit hatte ich bei zwei von zwei Käufen von Fremdobjektiven Pech mit der Mechanik. Und das jeweils bereits innerhalb von 4 Wochen nach Kauf. Deshalb habe ich mich grundsätzlich für Originalobjektive entschieden. Vom grundsätzlichen Preis-Leistungsverhältnis und den Meinungen die in Foren vertreten wurde war es einfach das Objektiv der Wahl. Das 16-35 ist wesentlich teurer (da hätten wir einfach nochmal etwas sparen müssen) und einem Nicht-L wollte ich diesen Brennweitenbereich an einer sog. Vollformat-Kamera nicht anvertrauen. Eigentlich mache ich es mir bei der Objektivauswahl immer recht leicht: Gibt es ein passendes L von Canon, das ich mir leisten kann und das in den Foren nicht verissen wird? Dann her damit. Auf diese Weise blieb ich von Entäuschen verschont.
Übrigens: Bis etwa 2 Jahre nach dem Kauf sink der Gebrauchtwert eines L - um dann weitgehend stabil zu bleiben. Ja nach Begehrtheit liegt der Abschlag vom Neuwert dann bei 20 - 30 %.
Zusammenfassung:
Schwachpunkte: Verschmutzungsneigung der Frontlinse (bauartbedingt), Vignetierung
Positiv: Faktisch keine Verzeichnung (finde ich beachtlich), preiswerte Extrembrennweite für Vollformat, wertstabil für Verkauf
Hinsichtlich der Schärfe gebe ich keine Beurteilung ab - ich habe noch nicht größer als A4 von diesen Aufnahmen gedruckt - und der Ausdruck sollte der Maßstab sein, nicht die 100%-Ansicht am Bildschirm. Ich finde die Schärfe sehr gut (nein, die Grundschärfe reicht nicht für ein ausgezeichnet - aber das rechne ich zu den bauartbedingten handicaps die zutragen sind).