Jede Kamera hat ihre speziellen Einsatzbedingungen. Und es ist bestimmt keine Überraschung, wenn eine "Ultra Compact"-Kamera wie Canons Ixus 870 anderen Anforderungen genügt als eine DSLR (digitale Spiegelreflexkamera). Sicherlich liefert eine, sagen wir
Nikon D300 SLR-Digitalkamera (12 Megapixel, LifeView) nur Gehäuse, aufgrund der größeren Sensorfläche sowie der ausgefeilteren integrierten Bildverarbeitung technisch bessere Ergebnisse. Stattdessen ist eine Ultra Compact halt einfach kleiner, leichter und immer dabei. (Klassiker: Kurztrips, bei denen man nur mit Bordgepäck unterwegs ist, oder die Alltagskamera, die immer dabei ist.) Die Frage ist also eher: Was ist mein Einsatzzweck, wo setze ich meinen Schwerpunkt, und welche Kompromisse muss ich hierfür eingehen?
Wenn ich die Ixus 870 unter diesen Bedingungen betrachte und vergleiche, komme ich zu einer eigentlich recht guten Bewertung:
+ Kompakt und "immer dabei" (auch wenn es noch kleinere Modelle auf dem Markt gibt)
+ Interessanter Brennweitennbereich durch Weitwinkel bis 28mm (KB-äquivalent); auch heutzutage nicht alltäglich auf dem Markt
+ Dem Bildsensor entsprechend gute Bildschärfe, auch im Weitwinkelbereich relativ scharf bis an die Bildränder (bei ISO 80 bis 200; darüber schlägt die integrierte Rauschunterdrückung mit steigender ISO immer stärker zu. ISO 800 und höher ist wirklich nur für den Notfall einsetzbar nach dem Motto "lieber ein Bild mit Artefakten aus der Rauschunterdrückung als gar keines".)
+ Bildqualität: Der Weißabgleich funktioniert recht zuverlässig, auch unter Mischlicht (z.B. abends am Flughafen München) sind die Ergebnisse ansprechend und reißen nicht aus. Mit den entsprechenden Einstellungen (z.B. Farbmodus "kräftig" oder Scene Mode "Laub") bekommen die Bilder auch den "Punch", den wir heute gerne in vielen Bildern sehen möchten. (Für Portraits und ähnliche Aufnahmen sollte man dann aber doch eine eher neutrale Einstellung wählen.)
+ Einstellmöglichkeiten: Im Programm-Modus sind viele Einstellungen manuell beeinflussbar, insbesondere ISO, Belichtungskorrektur, Weißabgleich (inkl. manuellem Weißabgleich), Messmodi und Messfeldauswahl, Farbsättigung in drei Stufen (neben den eher spielerischen Varianten Sepia und Schwarzweiß) und sogar Belichtungszeit im Langzeitbelichtungsbereich zwischen 1 und 15 Sekunden. Damit lässt sich auch für den ein wenig erfahreneren Benutzer eine Vielzahl von fotografischen Situationen direkt beeinflussen.
+ Bedienung. Sicherlich Geschmackssache - aber alle wichtigen Funktionen (wie die oben beschriebenen) sind mit den Bedienungselementen unter dem rechten Daumen leicht und meist in einem bis zwei Schritten zu erreichen. Die Bedienungsknöpfe lassen sich leicht erfühlen - also auch schnell bedienen, ohne die Kamera dabei immer völlig abzusetzen.
+ Fokussierung: Wenn man sich erst einmal mit den verschiedenen Scharfstellmodi angefreundet hat, ist der Autofokus erfreulich genau. Sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Wiedergabe kann der benutzte Autofokussensor hervorgehoben angezeigt werden.
+ AutoServo (d.h. Scharfstellen auch noch nach dem "Halb-Auslösen" - zuschaltbar; der Autofokus folgt dem sich bewegenden Motiv) - ist noch eher selten im Ultra Compact-Segment.
+ Optische Bildstabilierung, inkl. Panning-Modus sowie Ausschalten (z.B. für Stativaufnahmen)
+ Auto ISO (wenn man's braucht) sehr konservativ - ISO wird erst dann hochgesetzt, wenn alle anderen Möglichkeiten "ausgereizt" sind (Bildstabilisierung, Blende); damit wird die Rauschunterdrückung erst spät wirksam
+ Makro-Modus: Makro ist immer eine fotografische Herausforderung, aber in der Makro-Einstellung geht der Objektabstand bis auf 2cm (!) hinunter - da wird eher die Ausleuchtung des Motivs ein Problem.
+ Akku-Kapazität: Je nach Belastung des Akkus durch "Chimping" (d.h. genaues Anschauen eines Bildes nach jeder Aufnahme für längere Zeit) reicht die Kapazität eines Akkus gut für gut 300 -400 Aufnahmen aus.
- Brennweite im Telebereich ein wenig kurz - ist halt keine Superzoom-Kamera.
- Programm-Modus bietet keine Zeit- oder Belichtungsautomatik und auch keinen Program-Shift. Ist bei einer derartig kurzen Brennweite (damit automatisch sehr lange Tiefenschärfe) aber nicht wirklich kritisch.
- Die Blende wird im Telebereich zwangsläufig auf die kleinste Blende (f/5.8) gesetzt. Damit liegt dort der Belichtungsspielraum nur in ISO und in der Belichtungszeit. (Üblich in der Ultra Compact-Klasse.)
- Wie üblich in dieser Klasse: Der Akku lässt sich nur für wenige Kameramodelle einsetzen (Ixus-Modellreihe); damit wird beim Modellwechsel häufig ein Investment in neue Reserve-Akkus erforderlich.
- Blitz: Der fest eingebaute Blitz ist als Aufhellblitz nur bedingt geeignet, da durch den Benutzer in der Intensität nicht steuerbar. Insgesamt ist die Ausleuchtung in mittleren Enfernungen (2 - 4m) aber ausreichend. Es gibt die Möglichkeit, einen externen Blitz als Zusatzbehör zu erwerben und anzuschließen - aber damit ist der eigentliche Zweck einer Ultra Compact - klein, leicht, kompakt - nicht mehr wirklich gegeben.
Fazit: Für spezielle Einsatzbereiche - leichte Unterwegs-Kamera, wenn ich nicht die Spiegelreflex-Ausrüstung mitnehmen kann oder will - habe ich in der Ixus 870 eine wirklich zufriedenstellende Lösung gefunden, die mir im Rahmen ihres Konzepts auch ausreichend Möglichkeiten gibt, manuell oder halb-manuell einzugreifen. Die Bildqualität genügt den Anforderungen, wenn ich mich im unteren ISO-Bereich bewege - ist eine Frage der Aufnahmesituationen und der Aufnahmetechnik.
Unter diesen Randbedingungen kann ich die Ixus 870 guten Gewissens empfehlen.
Und schließlich gilt ja immer noch: Fotos kann ich nur mit derjenigen Kamera machen, die ich dabei habe. Also ...