'Tja, wie viele Sterne soll ich nun nach ein paar ersten Fotos (Innenaufnahmen mit künstlichem / schlechtem Licht und Außenaufnahmen mit schlechtem Licht) der Canon IXUS 110 IS geben?', habe ich mich als erstes gefragt. Entsprechend den unten bewerteten Kriterien würde ich der Kamera 4,5 Sterne und eine klare Kaufempfehlung geben (so etwa wie es bei Reviews üblich ist).
Bei der Bewertung war ich größtenteils auf meine innere Stimme angewiesen, weil die Kamera neu auf dem Markt ist und noch kaum im Internet von den Diversen Internetportalen/Fachzeitschriften bewertet wurde. Gut, als Vorgängerin wird die IXUS 870 IS genannt, da habe ich aber keinen direkten Vergleich gemacht und bin relativ wenig vom Bla-Bla im Internet beeinflusst. Nun zum Test:
Zuerst die ersten Eindrücke von der Kamera:
Die Verarbeitung ist 1A - 5 Sterne
Hier überzeugt mich Canon immer noch und es gibt nichts aus meiner Sicht zu bemengeln. Die Kamera füllt sich sogar schwerer als 160 Gramm - ich weiß nicht, ob es ein Vorteil oder Nachteil ist. Auf jeden Fall füllt sie sich sehr hochwertig an;
Der Lieferumfang ist OK - 4 Sterne
Gedrucktes Handbuch ist nicht dabei, ist aber anscheinend leider Regel geworden. Ein Mini-HDMI-Kabel erwarte ich auch nicht (man kann sich auch vorher erkundigen) - die Dinger sind auch nicht billig. Ich finde, man sollte nicht allzu viel vom Hersteller erwarten und letztendlich kommt es auf die Qualität der Kamera und nicht auf Schnick-Schnack-Beilage.
Die Geschwindigkeit ist sehr gut - 5 Sterne
Einschalten - Fokussieren - Auslösen dauert gefüllte 1,5 - 2,5 Sek., je nach Objekt(e) / Fokussierung / Lichtverhältnisse;
Der Funktionsumfang ist für die kompakte Klasse gut - 4,5 Sterne
leider kein manueller Fokus und keine manuelle Blende. Den Weissabgleich kann man manuell einstellen. Ansonsten ist der Funktionsumfang ja in den technischen Daten beschrieben;
Die Bedienung ist sehr gut - 5 Sterne.
Ich komme mit dem Wahl-Rad und Set-Knopf gut zurecht. Der Druckpunkt des Rades kann man gut füllen. Den Druckpunkt des Auslöseknopfes und den Widerstand der Zoomwippe empfinde ich ebenfalls als angenehm. Die Bedienung geht bei mir leicht von der Hand. Ein bisschen muss man aufpassen, wenn man das Rad dreht, dass man es nicht seitlich drückt, weil der Druck nach oben, unten, rechts und links mit Funktionen belegt ist.
Die Menüs sind gut angeordnet und weitestgehend selbsterklärend. Die Erklärungen bei Menüpunkten (Programmmodus, autom. Weißabgleich etc.) sind knapp gehalten, aber es ist schon mal gut, dass überhaupt welche da sind. Ansonsten gibt es ja das Handbuch zum Nachlesen.
Die Anordnung der Symbole auf dem Display ist gut, die Symbole sind groß aber nicht grob.
Ich habe befürchtet, dass mir der Papierkorb-Knopf fehlen wird, dem ist aber nicht so - der Punkt 'Löschen' erscheint gleich als erster nach dem Drücken auf den Set-Knopf.
'Active-Display' mit dem Schütteln der Kamera im Abspielmodus ist eher ein Gimmick - sieht auch komisch aus, wenn jemand die Kamera ständig hin und her schüttelt. Mittlerweile kriege es aber auch mal gut hin und finde es witzig, wenn es auch ab und zu noch Schwierigkeiten mit der Richtung (rückwärts bzw. vorwärts) gibt.
Nun zur Qualität von Fotos:
Die IXUS 110 IS macht sehr gute Fotos - 4 Sterne (siehe von mir hochgeladene Fotos von 1 bis 19; warum 4 Sterne siehe Resümee). Das Rauschen merkte ich bei Innenaufnahmen und schlechtem künstlichen Licht im Automodus. Dazu muss ich sagen, dass es nur beim Hintergrund der Fall ist, welcher außerhalb der Reichweite des Blitzes liegt. Den Blitz empfinde ich übrigens als recht gut.
Der Automodus stellt bei Innenaufnahmen ISO etwas zu hoch (600 bis 800) - daher höheres Rauschen. Ich habe Innenaufnahmen mit schlechtem künstlichen Licht im Programm-Modus mit ISO 80 bis 100 und dem Blitz ausprobiert und nach meinem Empfinden gute Ergebnisse erzielt (siehe die Hochgeladenen Fotos).
Es ist auch oft, glaube ich, das Problem, wenn eine Kamera bei schwachem/künstlichem Licht keine überragenden Ergebnisse erzielt und die dunklen Bereiche rauschen - dann geben Leute oft gleich schlechte Bewertung ab, ohne sich vorher mit den Einstellungen und dem Handbuch auseinandergesetzt zu haben. Das Rauschen tritt auch bei den meisten in der Klasse der kompakten und bei PowerShot SX1 IS ebenfalls. Viele meinen aber, wenn die Automatik bei schlechtem Licht keine guten Ergebnisse erzielt, dann ist es eine 'Schönwetterkamera'.
Last but not least Video-Funktion - 4 Sterne:
Die Videos empfinde ich als gut bis sehr gut (siehe z. B. das von mir hochgelade Video). Rauschen bei schwachem Licht ist natürlich auch dabei. Das ist aber bei meinem Camcorder (Sony DCR-HC37E, 4:3-Format :-( aber auch nicht anderes. Kompression ist natürlich auch zu sehen - da sollte man vielleicht auch keine Blue-Ray-Qualität erwarten.
Dafür habe ich HD-Format 1280x720p im 16:9-Format :-). Ich finde das Format und die Größe genau richtig (z. B. ideal für Notebook mit 1400x900 Bildschirmauflösung und ebenfalls für den PC-Bildschirm mit 1680x1050 Pixel).
Full-HD mit 1980x1080p und H.264-Kompressiion könnte mein Notebook wahrscheinlich schon fast überfordern (und so viele Pixel hat sein Bildschirm gar nicht). Wobei ich dazu sagen muss, dass ich es noch nicht ausprobiert habe.
Resümee:
Ich möchte hier ein wenig ausholen. Seit 6 Jahren fotografierte ich mit meiner Canon PowerShot G3 mit 4 Megapixel, bis ich sie (leider) vor kurzem im Zug samt Tasche vergessen habe. Ich habe viele Diskussionen, Kritik, Anmerkungen, Hinweise über das Rauschverhalten bzw. Salz/Pfeffer der Chips von Kompaktkameras gelesen und konnte mit meiner G3 (sie war allerdings eher eine gehobene Bridgekamera) diesen Effekt nicht nachvollziehen - jetzt weiß ich, was gemeint ist. Das sollte aber keineswegs als Kritik für IXUS 110 IS gewertet werden - es ist einfach das Problem aller Kompaktkameras.
Mit dem vor ein paar Jahren ausgebrochenen 'Pixelwahn' (steigende Anzahl von Sensoren auf dem Chip und damit der physikalischen Auflösung bei gleichzeitiger Verkleinerung des Chips und steigendem Rauschen bei schwachem Licht) könnte ich mir aber auch eine Verschwörungstheorie der Hersteller vorstellen:
Für Laien ist das Rauschen eher egal und die haben ein 'must have'-Gefühl, wenn neue Modelle viel mehr Megapixel haben. Für Hobbyfotografen soll aber auch gleichzeitig der Profimarkt der DSLR-Kameras erschlossen werden und zum Massenmarkt von günstigen Spiegelreflex-Einsteiger-Kameras mit immer noch teueren guten Objektiven entwickelt werden. Nach dem Motto: Du kannst, wenn du willst, z. B. mit einem Reno Twingo für 5.000,- Euro fahren oder du kannst mit einem Jaguar für 5.500,- Euro fahren. Der billige Sommer-Reifensatz für Jaguar kostet bei der Auslieferung 500,- Euro, ein 'gescheiter' Sommer-Reifensatz kostet allerdings 6.000,- Euro und ein Winter-Reifensatz kostet 9.000,- Euro. Aber gut, das Thema gehört nicht hierher, ich wollte es nur los werden.
Es ist aber auch klar, dass man sich im Klaren sein sollte, was man überhaupt 'fahren' will. Die IXUS 110 IS ist handlich, hat glatte Form und passt sehr gut in eine Hosentasche - es ist einfach eine 'Pocket-Camera', wenn auch keine billige. Das Geld ist sie aber auf jeden Fall wert.
Bei IXUS 110 IS hat mich außer der kleinen Maße und vielen tollen Features das Display im 16:9-Format gelockt - ein Grund, warum ich sowieso eine neue Kamera wollte und warum ich meinen Einstieg ins Spiegel-Reflex-System verschoben habe. Ich weiß: DSLR ist ein anderes System und nichts für sinnlose Knipserei und bla bla bla ... - was auch immer Semiprofi-Hobby-Fotografen aus dem DSLR-Lager, die sich die meiste Zeit Ihres Fotografierens mit den Einstellungen ihrer Kamera beschäftigen, sagen.
Ich verstehe aber nicht, warum die Hersteller von DSLR immer noch im 4:3 Format bauen und 16:9 nicht mal Stutzen in der Kamera ermöglichen. Ich habe einen PC-Breitbildschirm (OK 16:10, aber immerhin), ich habe einen Breitbild-LCD-Fernseher, DIN A4/A3 ist auch nicht im 4:3-Format, warum sollte ich im 4:3-Format Fotos erstellen!?!? OK, ich weiß, Kleinbild-Format, historisch bedingt, Passfoto 4x3 und Druckpapier mit 13x9 usw. die Zeiten des Breitbilds sind allerdings schon längst angebrochen! Die Zeit und dabei das Format ändern sich! Warum nicht das DSLR-Format?!
Aber endlich lässt die kommende E-620 von Olympus einen frischen Wind auf dem DSLR-Einsteiger-Markt verspüren und die lege ich mir vielleicht später zu, wenn sie billiger geworden ist und die Konkurrenz nichts besseres/günstigeres anbieten wird.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit
Ihr treuer Hobby-Knipser
LeoXP