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Ich besitze "Cannibal Anthem" bereits, da ich mir die limitierte Box zum Album auf der Wumpscut-Homepage bestellt habe. Wohl etwas zu voreilig.
Im Allgemeinen waren Rudy R. alias Wumpscut seit je her zwei Schwachpunkte zu unterstellen: Die scheinbar unendliche Wiederholung des Refrains und unterdurchschnittliche bis grammatikalisch falsche Texte. Bislang konnten die Stärken der krachigen, kompromisslosen Musik diese Schwächen ausmerzen, doch mit "Cannibal Anthem" hat der Musiker seine schlechtesten Texte noch unterboten. Mit Zeilen wie "ich schwör" (Jesus Antichristus) oder seicht intellektuell-anmutenden Reimen wie "ohne dich will ich nicht sein, doch ich weiss, es ist nur Schein" (Ohne dich) überansprucht Rudy R. nicht nur das Verständnis hartgesottenster Fans (wie mich), sondern senkt seinen musikalischen und künsterlischen Anspruch ins Bodenlose.
Auch musikalisch ist das Album keine Nennung in namhaften Elektro-Kreisen wert. Nach "Evoke" wird es hier zwar wieder gröber, allerdings auch einfacher und durchschaubarer. Das Schlimmste allerdings: Nach einiger böser Zuschriften bestimmter Fankreise ließ er seine in "Evoke" begonnene künstlerische Weiterentwicklung (ich erinnere nur einmal an "Breathe (Transition)") einfach auf der Strecke. Am Gelungensten sind da noch "Die Liebe", "Cannibal Anthem", "Auf der Jagd" (Instrumental :-)) und "Jetzt". Einen weiteren Tiefpunkt stellt der Frauengesang dar. "Pass auf" und "Hunger" skipt man wohl nach dem ersten Hören zukünftig, um sich das zu ersparen.
"Cannibal Anthem" fällt wegen aller dieser Schwachpunkte weit hinter sämtliche Wumpscut-Alben zurück. Songs wie "Soylent Green" (Music For A Slaughtering Tribe) (auch die deutsche Version war genial), "Bunkertor 7" (aus dem gleichnamigen Album) oder "Opening The Gates Of Hell" (Wreath Of Barbs) gehören wohl der Vergangenheit an.
Inzwischen gibt es duzende junge Künstler, die Wumpscut ohne große Mühe das Wasser reichen können, beispielsweise Aslan Faction, Dioxyde, God Module oder Grendel. Der "Meister" hat das wohl inzwischen selbst erkannt und fördert seit letztem Jahr neue Talente ("Cerebral Apoplexy", "Recently Deceased", "Yendri"). Ich hoffe sehr, dass es mit dem nächsten Album wieder etwas bergauf geht. Vielleicht würde es helfen, wenn man sich dafür etwas mehr Zeit lassen würde als nur ein Jahr....
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