...könnte man fragen. Wenn eh alles gleich klingt. Wenn dem aber nicht so ist, wie bei
„I can make a mess like nobody's business", wird es schwierig die Titel im Einzelnen zu beschreiben. Denn entweder haben die Titel auf The Early November-Frontmann Art Enders' Solo-Album gar keinen Namen oder solch' horrend-lange, dass mein CD-Programm auf dem Computer sie nicht mehr ins mp3-Format verwandeln kann. So heißt ein Titel z.B. „ But the little fellow came close and put both arms around his mother, and kissed her in an appealing boyish fassion, she was moved to tenderness." Und so weiter und so fort.
Aber lassen wir das. Musikalisch trifft hier die Electronic- auf die Country-Seite von Conor Oberst, alles gemixt auf einer Scheibe, verwirrend gut. Art Enders' Stimme ist auch bei weitem nicht so weinerlich, wie die des Bright Eyes-Sängers.
Track 1 beginnt erstaunlich laut rockig, fast nur Instrumental und man fragt sich, worauf das hinaus laufen soll. 6/10
Titel 2 „Whispering actually" ist Electronic-Rock vom feinsten mit welligen Synthie-Keys und diffusen Drums, mehrstimmigem Gesang und einem komisch-ruhigem Mittelteil (Soll man verstehen, was die Dame da murmelt?).Also bis jetzt ist Titel 2 zwar sehr gewöhnungsbedürftig, aber nach mehrmaligem hören sogar Ohrwurmfähig. 7/10
„So I finally decided to give myself a reason" ist eine schöne, schöne, schöne Ballade, extrem gradlinig, "normal" instrumentiert und gesungen. Er will, dass man den Text versteht und der ist super. Dieses Lied kann jeder ohne Probleme anhören und gut finden. Sehr beschwingt gegen Ende mit schönen Streicherarrangements. 10/10
Mit „Timshel" geht es so weiter, allerdings zu Beginn noch etwas ruhiger und man hört die Dame von Lied 2 wieder im Hintergrund (Satanistische Botschaft???). Das ganze erinnert jetzt auch gesanglich an Bright Eyes. Das stört ja auch nicht im Geringsten. Wieder ein sehr schönes Lied. 9/10
„The best happiness money can buy" is' sau-fröhlich. Folk-Rock und klatschen, klatschen, klatschen...und jodeln wie ein Cowboy. Ist nur mit 1:44 ein wenig kurz. Schade eigentlich! 9/10
„An Oak tree stand behind a Linden" („Eine Eiche steht hinter einer Linde". Mann, wenn dir nur blöde Titel für die Lieder einfallen, Art, dann doch lieber gar keinen!) ist Gitarrensoli-technisch ein echter Hörgenuss, gutverdaulich und diesmal labert ein Mann...das fängt noch nicht mal an zu nerven. Ist ein wenig, als ob Art zuhause im Wohnzimmer die Songs aufgenommen hat und dabei den Fernseher im Hintergrund laufen hat. Blos, was'n DAS für ne Sendung? 10/10
Kommen wir zu oben genanntem Anwärter auf das Lied mit dem längsten Titel: „But when the little..." hat einen Singer-Songerwriter-Text der Güteklasse A und Enders hört sich mal wieder an wie Oberst. Hat aber einen schön schwungvollen Refrain, der geradezu mitplärrfähig ist. 9/10
Aha, konzeptionell ist es wohl so, dass die Songs ohne Titel die lautesten sind, die mit der E-Gitarre und so hämmert einem der Refrain von Track 8 auch um die Ohren. Könnte man meinen! Eines besseren wird man dann später noch belehrt. Ist aber mindestens genauso hörenswert wie die ruhigen Stücke. Schöne Nummer. 9/10
Track 9 ist wieder ach so fröhlich (Hat Enders Schnupfen. Er klingt etwas verstopft!) und optimistisch mit schönen, voll klingenden Akustikgitarren und wieder schönen Streichersätzen und rundum gut produziert. 10/10 (Es gibt entweder 9 oder 10, 9 oder 10,...)
Auf „The kindles burns" werden „die Stimmen" lauter. Art scheint zu versuchen, konsequent dagegen anzusingen („Ich bin lauter als mein Fernseher!") und gewinnt. Wieder sehr gefühlvoll dargeboten. Wie eigentlich alle Songs auf dem Album. 9/10
Mit „End of the background noise" hat man die Hoffnung, dass er mal den Fernseher ausmacht, auch wenn „this is the voice I sometimes hear"...Sehr chillig dieser Song und das erste Mal wird hier bewusst im Hintergrund mit einem Piano hantiert. Fast schon soulig, das Ganze. Trotzdem nicht schlecht. 10/10
Und es ist weg! Das Gelabere ist weg! Dafür regnet's auf Track 12 und Enders ist sauer auf die Braut, Mann, ist der sauer...und traurig. Aber das hier ist damit auch mein persönlicher Tränenhervorbringer. Ein wunderschöner trauriger Song. 11/10
Track 13 ist nicht unter den vorderen zehn Songs, die ich von dieser Scheibe spielen würde. Da hat sich Art auf einem Album selber kopiert. Er klingt nämlich wie eine Kombination aus Liedern, die bereits auf dem Album sind. 6/10
Pfeif', pfeif', pfeif'...pfeif' aufs Böse, pfeif' aufs schlechte Wetter, pfeif' auf den Pessimismus...es hat zwar aufgehört zu regnen, die Straßen in Amerika sind aber immer noch feucht und glänzen von der nächtlichen Straßenbeleuchtung. Wenn du also zu „I know the sun and the substance of my evil" nach Hause fährst, sei vorsichtig. Aus dem nichts kommst zu ins schleudern und zum Getose des Liedschlusses überschlägt sich dein alter Chevy...aus der Ferne sieht man dann schon das Blaulicht des Polizeiautos...11/10
So kann man aber einen nicht in dem Feierabend entlassen! Deshalb gibt's mit „Salvy" noch einen durchaus radiofähigen Rock-Folk-Pop-Song auf die Ohren, der eine beruhigend optimistische Aura versprüht. 10/10
Hurra, hurra wir sind immer noch am Leben!
136/150 wegen einiger weniger Verrisse nicht die volle Punkt- und Sternenzahl.
Trotzdem: Für Solo echt klasse, Art!
Kaufen!
PS: Bei mir ist es grundsätzlich ein gutes Zeichen, wenn ich den Song mit was assoziieren kann. ;-)
Danke fürs Lesen dieser Rezension.