In Frankreich zählt er zu den meistgelesenen Literaten. Mit dem Essay ,Der Mythos des Sisyphos' und dem Roman ,Der Fremde' gelang ihm der Durchbruch und spätestens mit der Verleihung des Nobelpreises im Jahre 1957 erlangte er Weltruhm. Die Rede ist von dem algerischen Schriftsteller Albert Camus. Seine Vorfahren hatten ihre französische Heimat verlassen und leben als Kolonialisten in Algerien. Seine Mutter war freundlich und sanft, aber schweigsam, da durch eine angeborene Hörschwäche ihr Sprechvermögen beeinträchtigt war. Der Vater starb früh und der Sohn vermisste ihn sehr. Nach dem Tode des Vaters zog die Familie nach Algier. Man lebte in bescheidenen Verhältnissen, aber der junge Albert vermisste wenig, da er die Naturschönheiten des nordafrikanischen Landes liebte. Sonne, Meer und der immerblaue Himmel bestimmten denn auch den Inhalt zahlreicher Werke.
Birgit Sändig hat in ihrer Biographie die Stationen eines Lebens, dem stets etwas Rebellisches anhaftete, nachgezeichnet. Camus Werk prägen der Widerspruch des Lebens und die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Welt. Er genießt die lebensspendenden Sonnenstrahlen und das kühle Meer und wird geängstigt durch die sengende Sonnenglut und die Absurdität des Todes: "Ich glaube weiterhin", schreibt er, "dass unserer Welt kein tiefer Sinn innewohnt. Aber ich weiß, dass etwas in ihr Sinn hat, und das ist der Mensch".
Als 17jähriger erkrankt er Tuberkulose und muss mit dem baldigen Tod rechnen - er überlebt. Der 46jährige strotzt vor Tatendrang und wird durch einen Autounfall aus dem Leben gerissen - absurd!
Camus leistete im Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die Besetzung Frankreichs. Aus dieser Zeit rührt die kurze Freundschaft mit Jean Paul Sartre. Doch beide Charaktere waren zu unterschiedlich. Simon de Beauvoir schrieb später über Camus: "Mit der Feder in der Hand wurde er ein starren Moralist, in dem ich unseren vergnügten nächtlichen Kumpan nicht wiedererkannte." Er trat 1956 im Algerienkonflikt für eine Verständigung und einen nationalen Konsens zwischen den verfeindeten Parteien ein, doch hatte sein Appell keinen Erfolg. In seinem Roman ,Die Pest' vergleicht er den Krieg mit einer plötzlich auftauchenden Krankheit.
Der Nobelpreis führte merkwürdigerweise bei Camus nicht zu einer größeren Sicherheit, sondern steigerte den Erfolgsdruck und führte zu einer weiteren Lebenskrise. Er kaufte ein neues Haus in der Provence und hoffte auf neuen Lebensschwung. Der tragische Verkehrsunfall am 4. Januar 1960 beendete die Hoffnung.
Barbara Sändig vermittelt ein einfühlsames Bild eines innerlich zerrissenen und von Selbstzweifeln geplagten Menschen, der seine Sorgen und Ängste überwindet, indem er sie aufschreibt.