Aus der Amazon.de-Redaktion
Nach Auflösung der britischen Glamourband
Japan schlug Sänger und Gitarrist David Sylvian einen ungewöhnlichen musikalischen Weg ein, beeinflusst von Elektronikern wie dem Japaner Ryuichi Sakamoto und den deutschen Can-Musikern
Holger Czukay und Jaki Liebezeit. Die Doppel-CD
Camphor ist kein übliches Best-Of-Album, sondern besteht überwiegend aus neu abgemischten und strukturierten Instrumentaltracks aus den Alben
Gone To Earth,
Rain Tree Crow und Sylvian/Czukay-Kompositionen.
Elegant und edel, spirituell und meditativ bieten die teils repetetiven Ambient-Stücke angenehm entspannte, aber auch spannende und experimentelle Hintergrundmusik, wie etwa der Opener "All Of My Mother's Names", an dem King Crimson-Fans ihre Freude haben dürften. Auf dem melodischen "The Song Which Gives The Key To Perfection" kommt Sylvians sanfte, weiche Stimme zu den Piano-Perlen voll zur Geltung, auf "Praise" führt uns eine japanische Sängerin mit traditionell angelegtem Gesang in exotische Gefilde, prägnant das "Big Wheels In Shanty Town" mit rhythmischem Chorgesang. Eingebaut in flächige Klamgmalereien, die mal zu Filmathmosphäre tendieren, mal zum Free Jazz wie "Mother And Child" von Nils Petter Molvaer neu interpretiert, runden sie diese Leckerbissen für Freunde intelligenter Instrumental-Intermezzi ab. --Ingeborg Schober
INTRO
David Sylvian hat aber auf seine alten Tage auch noch mal so richtig Lust bekommen und verwaltet mit Verve sein Gesamtwerk, das durch Veröffentlichung liegengebliebener Projekte ("Approaching Silence") und durch die teilweise überarbeitete Neuedition bekannter Arbeiten überhaupt erst die Gestalt eines "Gesamtwerks" annimmt. Nachdem er 2000 die songorientierte (merkwürdiges Wort übrigens im Zusammenhang mit Sylvian) Seite seines Schaffens präsentierte ("Everything And Nothing"), sind jetzt die Instrumentals dran. Hier findet sich Material der Alben "Gone To Earth", "Secret of the Beehive", der apokryphen Japan-Reunion "Rain Tree Crow", aber auch der unterschätzten Zusammenarbeit mit Holger Czukay in den späten Achtzigern. In diesen späten Achtzigern wurde Sylvian ja gerne als esoterischer Spinner verhöhnt, einige Titel wie "Words With The Shamen" galten seinerzeit bereits als hinreichendes Belastungsmaterial (also unmittelbar bevor die Schamanen solch überholten Denkverbote ins Abseits rückten und ihrerseits die Berge versetzten), aber wenn man die Sounds dieser knapp 70 Minuten wiederhört, merkt man recht schnell, dass Sylvian vielleicht eine ambiente, weltmusikalische Variante der Überwindung von Pop ausprobiert hat, die anders, aber nicht weniger radikal ausfällt, als diejenige Variante, für die die späten Talk Talk (die ja damals auch keiner hören wollte) längst selig gesprochen worden sind.
Ulrich Kriest / Intro - Musik & so
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