Kriegsdokumentationen beschäftigen sich in der Regel mit geschichtlichen Hintergründen, und kommen mit, oft alten, Archivaufnahmen eher trocken daher. Von aktuellen Konflikten kriegt man normalerweise nicht viel Material gezeigt, und hat somit keinen Einblick in das eigentliche Geschehen.
Das soll sich mit der Dokumentation "Camp Armadillo" von Regisseur Janus Metz Pedersen gewaltig ändern! Er hat 2009 eine Gruppe dänischer Soldaten bei ihrem sechsmonatigen Einsatz bei den ISAF-Truppen in Afghanistan begleitet, und schildert in erschreckend realen Bildern den dortigen Tagesablauf. Kaum im Camp angekommen, werden die Jungs gleich ins Bild gesetzt, dass Kampfhandlungen an der Tagesordnung sind, und man stets auf der Hut sein muss vor den Taliban, die knapp 800 Meter entfernt in Stellung liegen. Die Zeit dort ist geprägt von Patrouillengängen und dem Versuch Kontakt zur Bevölkerung zu schaffen. Allerdings besteht auch die allgegenwärtige Gefahr durch Mienen oder Beschuss von versteckten Taliban-Kämpfern. In einer solchen Intensität bekam man bisher keine Bilder aus Afghanistan, und es sollte nun endlich dem Letzten klar werden, dass es sich dort um nichts anderes als einen Krieg handelt! Pedersen verzichtet darauf, die Szenerie zu kommentieren, und somit erlebt man sehr eindringlich den Wandel der jungen Männer, wie es nur die schonungslose Realität zeigen kann! Gerade die Äußerungen über das Töten, und das Erschießen von Taliban selbst drängen sich einem in den Kopf. So krass und kalt diese jungen Männer auch dargestellt werden, weiß der Zuschauer längst, dass sich in deren Leben etwas geändert hat, was sie niemals wieder rückgängig machen können. Neben der Kameradschaft ist der Tod ihr ständiger Begleiter.
Trotz der oft fragwürdigen Äußerungen der Soldaten, die mir nur mehr als logisch und nachvollziehbar erscheinen, sollte diese Dokumentation so vielen Menschen wie möglich vorgeführt werden! Das hier ist die Realität, da muss nicht diskutiert werden, da muss nicht überlegt werden. Knallhart, echt und so sicher noch nicht dagewesen. Eine absolute Empfehlung, die zurecht mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde!
Die Scheibe beinhaltet neben dem Trailer auch noch einige Deleted Scenes, Interviews und ein Making-Of.. Natürlich darf die obligatorische Trailershow ebenfalls nicht fehlen.