Mit "Camminando Camminando" legt Angelo Branduardi eine gelungene Best of-Revue vor. Besonders in der ersten Hälfte der CD reihen sich die Klassiker aneinander, zum größten Teil in neuen und hochinteressanten Arrangements. "La luna" wird da zum meditativen Unplugged-Gitarren-Stück, während "Cogli la prima mela" (ohnehin mein persönlicher Branduardi-Favourite) plötzlich Flamenco-Stimmung verbreitet. Auch die Geige wird ausgepackt, u.a. bei "Il violinista di Dooney" und dem etwas nach historischem Straßenfest klingenden "Vanità di Vanità". Enttäuschend dagegen die zweite Hälfte des Albums - weniger wegen der Songauswahl (genial: "Domenica e Lunedì" und "I Santi"), als wegen der üppigen Instrumentierung, die nie im Leben mit einer vierköpfigen Band zustande gekommen sein kann. Da mag Signor Branduardi wohl nachträglich im Studio Hand angelegt haben - was bei Live-Alben oft gängige Praxis und daher zumindest teilweise verzeihlich wäre. Als Besucher der "L'infinitamente piccolo"-Tour (2000) weiß ich aber leider, dass AB nicht gerade zimperlich ist, was den Live-Einsatz von vorproduzierten Klangteppichen angeht. Deshalb ein Sternchen Abzug für ein Live-Album, dass (zumindest bei einigen Songs) soo sehr live nun auch wieder nicht sein kann. Umrahmt werden die Live-Stücke übrigens von zwei netten, aber nicht besonders aufregenden Studio-Songs. Und zum Schluss sei noch auf ein besonders Schmankerl hingewiesen: Branduardis deutsche Ansageversuche ("So, das war meine Moderation! Meine Damen und'erren...") sind immer wieder nett zu hören. Isch bin fertisch, danke!