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Camille Claudels Leben ist prädestiniert für einen solchen Roman, den manche Kritiker bestimmt in die etwas pejorativ nuancierte Schublade "Frauenroman" stecken möchten. Sicherlich, er ist tragisch, erschütternd, manchmal zu Tränen rührend, er ist auch nicht immer dicht an der historischen Realität - aber er ergreift und läßt so schnell nicht los. Wer sich "Camille Claudel - Ein Leben in Stein" anschafft, um eine faktisch abgesicherte, fundierte Biographie zu lesen, der hat sich vergriffen und sollte sich lieber in der Abteilung der Kunstgeschichte nach nüchternerem Material umsehen. Die Journalistin und Romanautorin Barbara Krause legt zugunsten der Stimmung und Subjektivität der Situation nicht immer allzu großen Wert auf die spröden Fakten und malt Details aus der Kindheit oder dem Seelenleben ihrer Hauptfigur gern aus. So werden wir Zeugen der familiären Situation bei den Claudels, lernen den eher sanften, musisch veranlagten Vater, die herrische und schwierige Mutter und den Bruder Paul kennen, der ja später ein berühmter Dichter werden soll. Vor unseren Augen entsteht das Bild eines Mädchens, das heimlich Lehm nach Hause schleppt, um in ihrem Versteck Figuren daraus zu formen. Ein etwas unwirkliches, mythenbildendes Kapitel, aber wunderschön! Später wird sie am Rande großbürgerlicher Akzeptanz und im Beisein anderer junger Frauen Kurse im Zeichnen und der Bildhauerei aufsuchen. Die Begegnung mit Rodin, einem der großen Zeitgenossen in Paris, erschüttert und prägt ihr Leben. Sie arbeiten zusammen, Camille steht ihm Modell, wird seine Geliebte, macht seine Arbeit. Bis heute ist nicht geklärt, wie viele von Camilles Skulpturen Rodin mit seinem Namen versehen hat. Dies läßt sich nur begrenzt damit rechtfertigen, daß es für sie wesentlich schwieriger gewesen wäre, eigenständig ein künstlerisches Renommee auszubilden. Ein anderes Thema. Camille wird jedenfalls der familiäre Außenseiter, man schämt sich für sie; sie ist oft einsam. Die unglückliche Verbindung treibt sie in die Arme des Komponisten Débussy und läßt sie die Stutue "La Valse" (Der Walzer) errichten. Doch diese Liaison ist kurz und hält den Lauf der Dinge nicht auf. Camille wird von Rodin verlassen und verläßt ihn auf irgendeine komplizierte Weise. Camille Claudel verwahrlost, wird wunderlich und schließlich von ihren Verwandten als unmündig erklärt und in eine Anstalt gesperrt. (Ein paar Materialien sind in dem Buch abgedruckt.) Von dort kehrt sie nie zurück; ihre Briefe und Hilferufe finden kein Ohr.
Der große Rodin wird hier als eine machtlose, schwache, seinen Lüsten und Leidenschaften unterworfene Figur gezeichnet. Er hängt an "seiner Frau", die ihm trotz aller Widerstände einen Hauch von Nestwärme immer bereithält. Ob dies etwas überzeichnet ist, sei dahingestellt; wir waren alle nicht dabei. Doch zeigt sich hier Krauses Versuch, Camille ins rechte Licht zu rücken, ihren Ruf als "Schülerin" Rodins zu streichen; und wer dieses Buch gelesen hat, schafft es nicht, Camille Claudel und Rodin im Bücherregal unter R nebeneinander stehen zu lassen.
Barbara Kruse hat übrigens mehrere biographische Romane geschrieben. Und ganz nebenbei: das Buch über Tina Modotti ist sprachlich und stilistisch ähnlich und fast ebenso faszinierend. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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