vordergründig ist dieses sicher ehrenhafte werk der großnichte camille claudels eine hommage an die schwierigste figur der familie. die fotos der arbeiten sind sehr schön, auch die aufmachung des buchs; doch bei der zusammenstellung der texte kommt man ins grübeln: auf schritt und tritt finden sich vorurteile und spekulationen, werden klischees über weibliche produktivkraft und verhaltensweisen reproduziert. lange aufsätze widmen sich camilles "verfolgungswahn", der mir dadurch jedoch nicht deutlicher wurde - eine frau, die man einsperrte, weil sie in eine seelische krise geriet und in armseligsten verhältnissen lebte, als eine gefahr für die nachbarn auszumachen und in die klapse zu sperren, scheint irgendwie rechtfertigt werden zu müssen. auch ein ellenlanger aufsatz über ihre präsenz im werk ihres bruders paul claudel verlagert hier doch das interesse. am ende haben die männlichen stimmen und auslassungen den blick auf das bildhauerische werk claudels zugemüllt. das ist überaus bedauerlich.