Wer des Autors Geschichte am Beginn liest, der wird sich fragen, warum soll ein Land faszinierend sein, bei dem man mit zwei Arten von Malaria, als Folge der Malaria noch Schwarzwasserfieber und als Sahnehäubchen mit Filariose heimkehrt. Trotzdem hat Ben West Recht wenn er Kamerun viel Charme unterstellt und geradezu schwärmt.
Der Reiseführer selbst kann man durchaus als solide Reisehilfe sehen. Wie bei anglophonen Reiseführern üblich ist der Aufbau gut gegliedert. Man kann es mit dem Standard der Lonely Planet Reiseführer vergleichen. Ich denke der Führer ist besser als Kamerun von Reise Know-How. Wer Englisch kann ist, so glaube ich, hier besser aufgehoben. "Rumbo A Camerún" von Joan Riera soll angeblich aber besser sein. Da mein Spanischkenntnisse beschränkt sind, kann ich dies aber nicht abschließend beurteilen.
Zurück zum Bradt "Cameroon" Führer. Wie gesagt es ist eine ordentliche Hilfe. Leider ist er nicht immer ganz gut. Nimmt man z.B. Akwa in Duala, so ist dieses Stadtviertel laut der im Buch gepriesenen "Deutschen Seemannsmission (Foyer du Marin)" und auch anderen Einheimischen nicht das sicherste Pflaster. Ben West beschreibt Akwa als pulsierende Straßen mit purem Unterhaltungswert. Er hätte wenigstens erwähnen können, dass man keine Angst haben muss, aber dass Vorsicht geboten ist.
Auch Cameroon Arlines existiert seit März 2008 nicht mehr. Seit Oktober 2008 operiert der Nachfolger Camair-Co.
So gab es noch einige Fehler. Natürlich hilft da die übliche Floskel "Gute Plätze werden schlecht. Schlechte Plätze verschwinden etc.". Eventuell sollte Herr West aber schon erwähnen, dass staatliche Hotels (auch wenn mit weiß ich wie vielen Sternen dekoriert) eher dem Verfall frei gegeben sind. Yaoundés "Royal Hotel" im Führer ist nur ein Beispiel.
Wer die Karte von Kribi anschaut hat den Eindruck der gesamte Strand ist der Öffentlichkeit vorbehalten. Uns hat dies ein Geldgeschenk an einen Polizisten eingebracht, da Teile für den Präsidenten reserviert sind.
Trotzdem kann ich das Buch allen empfehlen, die dieses wunderbare Land besuchen wollen. Die Höhepunkte sind alle Mal abgedeckt. Teils auch sicher unbekanntere Parks und Gegenden (z.B. Camp Ma'an National Park). Allerdings ist der Autor in solchen Fällen oft sehr oberflächlich bzw. ungenau, so dass man meinen könnte, er war dort nie. Somalomo am Rande des Dja Reserve ist so ein Beispiel. Oder warum ist die l'Auberge von Mama Rosa als einzige Übernachtungsmöglichkeit nicht erwähnt? Der beschriebene Enthusiasmus der Dschungel Führer konnte ich bei unserem Biju (trotz seiner Unzuverlässigkeit mochte ich ihn) auch nicht erkennen. In der Karte im Buch ist das Dorf gar nicht erst eingezeichnet. Und ECOFACs Aufgabe ist fraglich.
Zugeständnis: Kamerun ist nicht auf Massentourismus ausgelegt. Recherche ist deshalb sicher nicht immer leicht.