Diese Kamera hat anfangs versucht, mich nachhaltig zu ärgern. Zuerst wurde eine teure Marken-SD-Karte mit 16GB, Klasse 10, nicht erkannt, obwohl die Karte in anderen Kameras und Computern klaglos funktionierte. Eine 8 GB Karte der gleichen Marke, aber Klasse 4 machte zunächst keine Probleme. Tags darauf schrieb die Kamera aber sporadisch "Bildfehler" auf ihr Display, als die Videos zum x-ten mal betrachtet werden sollten. Aber anscheinend ist die SW der Jaytech, vielleicht dank vielem Ein-Auschalten selbstheilend, denn noch einen Tag später verschwand sowohl der "Bildfehler" als auch die 16GB Karte funktionierte. Die Kamera soll Karten bis zu 64GB nutzen können.
Nach 2 Wochen mit täglichem Gebrauch und nach 3000km hier meine Meinung zu dieser Kamera.
Positiv fällt auf:
- für diese Preisklasse sind die Videos und Fotos guter Durchschnitt. Auf einem 24' Full-HD Monitor direkt über das HDMI Kabel angesehen, wird die doch etwas geringe Auflösung ('nur' 720p) schon deutlich sichtbar und unannehmbar bei stärkerem Zoom. Einen besseren Eindruck machen die Videos auf einem kleineren Notebook-Monitor.
- 16 GB reichten bei mir für über 5 Stunden (genau 320 min) Videos in höchster Auflösung (720p). Die Kamera soll H264 Kompression können. Jedes Videostück von 3:01 min hat aber unterschiedlichen Speicherbedarf, meistens so zwischen 150MB und 165MB. Daher kann man nie exakt sagen, wie lange gefilmt werden kann.
- die Videos werden ungeteilt oder in Stücken von einstellbarer Länge aufgenommen und überschneiden sich dann mit ca einer Sekunde. D.h., es geht nichts verloren.
- wenn die Kamera am Autostrom (Spannung 12V oder 24V) hängt, filmt sie mit Stromzufuhr selbstständig los und hört ohne Strom auf. Dann aber in Stücken von je 3:01 min Dauer, egal was vorher eingestellt war. Die ältesten Videos werden überschrieben, wenn die SD-Karte voll ist. Somit arbeitet die Kamera völlig autonom. Nicht stören lassen von der Meldung "USB-Charge". Das geht nach einigen Sekunden weg.
- Der Bildstabilisator macht gute Arbeit, wenn die Kamera im Auto fest installiert ist. Freihändig aufgenommene Videos wackeln je nach persönlicher Zittrigkeit und eingestelltem Zoom.
- Die Videos sind flüssig. Die Kamera produziert keine eigenen Sprünge der Videos wie andere Billigkameras.
- die Farben sind realistisch, außer in manchen Fällen, siehe unten.
- Die Kamera vergrößert auch während der Aufnahme bis zu 8-fach, leider nur digital. Dann werden die Videos aber immer körniger, was natürlich systembedingt ist.
- Audio ist empfindlich und nimmt jedes Knistern und Räuspern auf. Das hört man aber nur deutlich über PC-Wiedergabe.
- prima, daß die Audiofunktion mit einem Schiebeschalter zu- und abgeschaltet werden kann und nicht über das Menu geknöpfelt werden muß. Das wirkt dann nicht sofort, sondern erst ab dem nächsten Videostück.
- Das Monitorbild ist mit einem Tastendruck abschaltbar, um Strom zu sparen. Die Kamera filmt dennoch weiter.
- Die Videos werden für jeden Tag in einem extra Ordner abgelegt und sind so leicht zu finden. Allerdings scheint für die Ordnernamen (eine lange Zahl) ein Mix aus chinesischem und westlichem Kalender programmiert worden zu sein.
- Der Monitor der Kamera erlaubt mit 2,4' schnelles Überprüfen der Videos und löschen. Es gibt sonst keine Editierfunktionen.
- Die Wiedergabe auf dem Monitor der Kamera kann auf 2-fache, 4-fache und 8-fache Geschwindigkeit beschleunigt werden. Dann aber ohne Ton und mit zuckelndem Bild, auch mit einer Klasse-10 SD-Karte.
- Handliches Kameragehäuse ohne Klappmonitor, gut geeignet für händisches Filmen. Nach einer Weile gelingt es, die Kamera mit nur einer Hand zu bedienen, da alle wichtigen Tasten (Start/Stop, Zoom) unter dem Monitor liegen.
- Praktischer Scheibenhalter, hält wie geklebt. Die Kamera wird darin einfach und blitzschnell eingeklickt und muß nicht umständlich angeschraubt und justiert werden. Auf der Unterseite gibt es auch ein Gewinde für ein Stativ.
- Für Spielernaturen bietet das Menü einige Einstellmöglichkeiten, sowohl fÜr den Video- als auch den Foto-Modus.
Diese Bewertung bezieht sich auf die Standardeinstellungen. So gibt es z.B. im Videomodus eine Bewegungserkennung in einem relativ großen, leider nicht im gesamten Sichtfeld. Bei Bewegung darin nimmt die Kamera für die eingestellte Zeit auf. Im Foto-Modus gibt es diese Funktion nicht, dafür eine Gesichts- und Lächelerkennung.
- mit dabei ist neben dem obligatorischen USB-Kabel ein Miniklinke-auf-AV-Kabel zum Anschluß an Altfernseher oder große Monitore, ein HDMI Kabel sowie ein USB-Steckerlader mit USB-Verlängerungskabel, mannigfach anderweitig verwendbar.
- gute ausführliche Bedienungsanleitung auf deutsch und englisch. In der Kamera können 7 weitere Sprachen eingestellt werden.
weniger positiv fällt auf:
- Die maximale Auflösung ist 720p, d.h. Autonummern in mehr als 1-2 Autolänge Entfernung sind nicht mehr zu entziffern, wie bei anderen 720p Kameras eben auch. Da nützt auch ein Full-HD Monitor nichts. Dennoch sind die Bilder annehmbar, siehe oben. Gut auch, daß die Werbung nicht mehr versprcht als 720p.
- Allerdings verspricht die Werbung einen Öffnungswinkel von 120 Grad. Ein simples Video oder Foto diagonal über eine rechtwinkelige Tischecke zeigt aber, daß der Öffnungswinkel deutlich kleiner als 90 Grad ist, nämlich ca 60-70 Grad. Der Vorteil dabei ist, daß die Objekte im Bild nicht so klein sind wie bei echtem Weitwinkel. Nachteile: Querverkehr fährt später ins Bild, und an erster Position an der Ampel sieht man diese nicht immer in der Aufnahme. Nicht gut als Beweis im Ernstfall. Für diesen Betrugsversuch gibt es einen fetten Punktabzug.
- bei hellen (Himmel) und dunklen (Straßenrand) Partien im Bild werden die dunklen Partien überstrahlt, d.h. man erkennt dort kaum noch Einzelheiten. Es gibt Kameras, die das ausgleichen können, aber natürlich nicht zu diesem Preis.
- am Strand mit großen hellen Sandflächen, oder über eine Wasserfläche gefilmt, oder mit viel blauem Himmel, oder auch nur so, dann aber seltener, flackert das Bild mit ca 1Hz zwischen Normalfarben mit entsprechender Auflösung und starkem Rotstich mit grober Körnung.
Hier scheint die SW der Jaytech überfordert zu sein. Allerdings ist das nicht immer der Fall. Manchmal bleibt der Rotstich, manchmal der Normalzustand bei gleichem Hintergrund dauerhaft erhalten. Die genauen Konditionen für diesen Fehler konnte ich noch nicht heraus finden. Hinter einer Autoscheibe ist dieses Problem jedoch noch nicht aufgetreten.
- Der Akkufachdeckel ist sehr leichtgängig und knarzt beim Filmen, wenn man die Kamera beim Halten drückt, was kaum zu vermeiden ist. Bei der Wiedergabe am PC ist das ein lautes Knarren. Abhilfe: Deckel schmieren, oder mit Tesa festkleben, oder einen Gummi herum spannen, oder lernen ihn nicht zu drücken beim halten.
- Der eingebaute Lautsprecher ist zu leise. Dafür ist der aufgenommene Ton über den PC in Ordnung.
- Wind produziert bei zugeschaltetem Ton sehr störendes Rauschen, je nach Auftreffrichtung zu den scharfen Kanten der 4 kleinen Mikrofonlöcher. Abhilfe könnte vielleicht ein aufgeklebtes Stückchen Stoff bringen, was noch zu testen bleibt. Oder ein Brechen der Lochkanten mit einem leicht größeren Bohrer. Oder beides.
- Die Linse ist leider nicht geschützt, z.B. mit einer planen, leicht putzbaren Scheibe. Jedes erkennbare Staubkorn auf dem schwer zu reinigenden Plastik-Froschauge ergibt einen weißen Fleck auf den Videos, besonders gut sichtbar in dunklen Bildteilen.
- irgendwas im Strahlengang scheint schief oder schräg eingebaut worden zu sein. Wenn die Kamera scheinbar geradeaus auf ein Objekt zeigt, ist dieses auf dem Monitor nicht in der Mitte, sondern etwas links davon. Vielleicht ist die harte Ware auch richtig eingebaut, denn so einen Murks kann man auch per SW produzieren. Das paßt auch zu dem Weitwinkel-Problem.
- im Videomodus ist der LED-Scheinwerfer ein Witz und beleuchtet im Stockdunklen nur auf 30-50cm. Das Video-Ergebnis ist nutzlos. Im Foto-Modus ist die Kamera wesentlich lichtempfindlicher. Hier reichen die 3 LEDs (gleiche Leuchtstärke wie im Videomodus), um einen kleinen Raum soweit auszuleuchten, damit man auf dem Foto noch gut etwas erkennen kann. Außerdem taugen die LEDs als Nottaschenlampe, um z.B. im Dunkeln nicht die Treppen herunter zu fallen. Leider gibt es keine Kontroll-LED oder Info im Monitor. So kann man tags die LED-Taste irrtümlich gedrückt haben, ohne es zu merken und so den Akku schneller leer zutzeln.
- man sieht nicht ganz genau, wieviel Minuten Filmzeit noch bleiben, bis der Akku leer ist. Das Akkusymbol hat nur wie so oft 0 bis 3 Balken. Was das an Restfilmzeit bedeutet, muß man selbst ermitteln. Die angegebene Restfilmzeit im Monitor scheint sich eher auf den verbleibenden Speicherplatz zu beziehen und nicht auf den Energieinhalt des Akkus. So wurde anfangs mit leerer SD-Karte und vollem Akku knapp 5h angegeben, mit voller Karte und vollem Akku steht da 3:15h. Ein Dauertest hat gezeigt, daß ein voller Akku für 2,5h Videos reicht
- der Name 'Blackbox' ist zu hochtrabend. Die Kamera hat weder GPS noch einen Erschütterungssensor.
Lesen Sie weiter... ›