Die Mini-Serie besteht aus vier Teilen mit je ca. 60 Minuten. Sprache ist ein gut verständliches Englisch mit englischen UT. Es geht um die wahre Geschichte der "Cambridge Five", fünf Engländer, die nach einer gemeinsamen Zeit in Cambridge von der Vorkriegszeit bis in den kalten Krieg hinein in diversen Regierungs- und Geheimdinstämtern tätig waren und dabei für die Sowjetunion spioniert haben. Der bekannteste von ihnen dürfte Kim Philby sein, zumindest war das der einzige, von dem ich vorher bereits gehört hatte. Der Film erzählt, wie sie in Cambridge in einer Mischung aus romantischer Zuneigung zum Sozialismus und Abscheu vor dem aufkommenden Faschismus, der aus ihrer Sicht von der englischen Regierung nicht vehement genug bekämpft wurde (Stichwort "Appeasement") nach Kontaktaufnahme durch den KGB russische Spione zu werden. Einen langfristigen Plan verfolgend nisten sie sich erst unauffällig in verschiedenen Ämtern (MI5, BBC, Außenministerium) ein, um dort dann zu spionieren. Die Serie erzählt diesen Prozess anhand herausragender Situationen (z.B. Philbies Zeit in Spanien, wo er das Regime Francos erlebt; die Ausspionierung des amerikanischen Atombomben-Projekts; Gefahren, enttarnt zu werden). Nebenbei wird auch die persönliche Entwicklung der unterschiedlichen Charaktere und ihrer Beziehung untereinander geschildert, die auch die diversen Frauenfiguren/geschichten einschließt: der Womanzier Philby, der exzentrische Alkoholiker Burges, der steife Blunt und der innerlich unstete MacLean (es sind in der Serie nur vier, weil der fünfte reale Mann nie bekannt wurde).
In der Grundanlage ist das gutes englischen Fernsehen in gewohnter BBC-Qualität und für jeden mit Interesse an der Zeit, an Politik oder an intelligenter Unterhaltung das Anschauen wert. Die Zeit wird an vielen Stellen sehr lebendig, in ihrer Lebendigkeit und Zerrissenheit. An vielen Stellen auch in ihrer Naivität. Man ist z.B. sehr erstaunt, wie aus heutiger Sicht blauäugig die englische Regierung bzw. der Geheimdienst den vieren trotz zahlreicher Hinweise nicht auf die Spur kommt. Ob sich damals Spione mit ihren Kontaktmännern in fremden Geheimdiensten tatsächlich in öffentlichen Lokalen getroffen haben, um dort relativ offen und für Nachbarn hörbar Spionagedinge zu besprechen, wage ich allerdings zu bezweifeln und ist wohl eher eine dramaturgische Schwäche. Bild, Kamera, Ausstattung ist auf hohem Niveau. Schauspielerisch wird das auch oft erreicht (v.a. von den oft toll gespielten weiblichen Nebenfiguren), allerdings nicht durchgängig. Leider ist v.a. Toby Stephenson als Kim Philby ein Schwachpunkt, der einfach zu affektiert daher kommt und eigenartige Mimiken an den Tag legt (er hatte mir schon in
Charlotte Brontes Jane Eyre (2 Disc Set) nicht gefallen).
Andere Schwächen sind, dass man sich die psychologische Erklärung der Motivation der Figuren etwas diffiziler gewünscht hätte, dass der zeitliche Verlauf gelegentlich etwas sehr gerafft daherkommt (in Minuten werden 5-10 Jahr abgehandelt; hier wäre eine Konzentration auf weniger besser gewesen) und dass mir im ganzen zu viele künstlerisch inszenierte, auf 'groß' gemachte Szenen enthalten sind. Die Figuren verlieren hier etwas ihren realen Charakter und werden zu fiktiven Gestalten einer vergangenen Zeit ohne ausreichend Bezug zur heutigen Zeit.
Fazit: Ein gutes Stück TV, das das Sehens wert ist, aber man hätte es ein ganzes Stück besser machen können.