Der Titel des Buches "Glauben ist menschlich" resultiert aus der vom Autor aufgegriffenen These, daß eigentlich jeder Mensch an irgendetwas glaube. Das Buch soll ein Versuch sein, "den christlichen Glauben zu durchdenken" (10) und Argumente dafür zu finden. Ursprünglich war dieses Buch des württembergischen Studiendirektors P. Kliemann dazu gedacht, für seine Schüler den Abiturstoff zusammenzustellen. Es ist aber auch für Studienanfänger noch durchaus lohnend, sich dieses Buch durchzulesen, um kurz und verständlich über grundlegende Fragestellungen und Themen der Theologie informiert zu werden.
Den Ausgangspunkt des Buches bildet die Frage nach dem Sinn des Lebens, die sich wohl jedem Menschen irgendwann einmal stellt. Kliemann verweist hier auf den bekannten Satz Luthers: "Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott." Weiter sagt Kliemann, als Christ würde er den Sinn des Lebens in der Liebe sehen, die ja Gott selbst sei. Da man aber davon ausgehen muß, daß viele die Existenz Gottes leugnen, versucht Kliemann im nächsten Kapitel, Argumente für und gegen die Existenz Gottes zu finden. Als Gegenargumente nennt er die Naturwissenschaft, Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten, die im Namen der Religion und des Christentums begangen werden und die Theodizeefrage. Kliemann stellt die Frage, ob sich die Existenz Gottes beweisen ließe, und führt als Versuch fünf verschiedene Gottesbeweise an. Er zeigt auf, daß sich diese relativ leicht hinterfragen lassen, und kommt deshalb zu dem Schluß, daß Gott nicht beweisbar sei, aber die Beweise dazu anregen würden, über Gott und den Sinn des Lebens nachzudenken.
An dieser Stelle stellt Kliemann dann drei neuzeitliche Atheisten vor und hinterfragt ihre Denkweise: Ludwig Feuerbach, Karl Marx und Friedrich Nietzsche. Nach Kliemann sind diese Atheisten für das Christentum geradezu wichtig gewesen, da sie auf Fehlentwicklungen aufmerksam gemacht haben. Als Quintessenz dieses Kapitels steht die Aussage, daß Gott weder beweis- noch widerlegbar sei, und die Bibel auch wolle, daß der Mensch sich selbst entscheidet. Logisch schließen sich hier die Kapitel über das Gottes- und das Menschenbild an. Vorher schiebt Kliemann noch ein Kapitel über Glaube und Wissenschaft ein, in dem u.a. auch die Historisch-kritische Methode vorgestellt wird.
In dem Kapitel über Gott greift Kliemann den Gottesglauben im AT auf und widmet sich dann intensiv Jesus: Quellenlage, historisch gesicherte Fakten, Wunderglaube, historischer und verkündigter Jesus und zum Schluß Jesus aus nichtchristlicher Sicht. Hier greift Kliemann auch nochmal auf seine anfänglich gestellte These zurück, daß Gott die Liebe sei. Um diese Aussage zu präzisieren, schlüsselt er den Begriff Liebe in Sex, Eros und Agape auf, außerdem versucht er Merkmale der Liebe zu nennen. Er stellt auch die Vorstellungen von dem Gott des Gerichts und dem Gott der Liebe gegenüber. In dem Kapitel über das Menschenbild vergleicht Kliemann Thomas Hobbes (der Mensch ist von Natur aus böse) und Jean-Jaques Rousseau (der Mensch ist von Natur aus gut) miteinander. Anschließend stellt Kliemann das biblische Menschenbild vor (Freiheit, Verantwortung, Sünde, Schuld) und in dem Zusammenhang auch Luthers "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Am Ende seines Buches geht Kliemann noch auf das Verhältnis von Kirche, Staat und Politik ein, stellt in diesem Zusammenhang die Frage nach der sozialen Verantwortung der Christen und endet schließlich mit einem Kapitel über Notwendigkeit und Form von Mission.
Als Quintessenz und auch als Zusammenfassung des gesamten Buches möchte der Autor den Gedanken verstanden haben, daß "Weltoffenheit, Dialogbereitschaft und Toleranz gegenüber Andersdenkenden... im Zeichen des Evangeliums von Jesus Christus nicht im Widerspruch zu Glaubensgewißheit, theologischer Klarheit und ernsthaftem Wahrheitsstreben" (262) stehen. Wie schon erwähnt, ist dieses Buch insbesondere Studienanfängern zu empfehlen.
Celia Wolke
Ichthys 27 (1999), 80f