Ich hab die CD geschenkt bekommen und konnte es kaum erwarten, sie zu hören. Beim ersten Mal hören war ich schon begeistert und dachte, er hat sich wieder verbessert und sie ist wieder anders als die vorherige. OK, beim 2. und 3. Mal merkte ich schon, daß er letztendlich seinem Stil treu geblieben ist. Trotzdem sollten ihm selbst Kritiker und Nicht-Fans ein bißchen Kreativität und Anspruch zuschreiben können. Leider ist es ja bei anderen Leuten oft so, daß sie erfolgreich sind, ohne daß man bei denen besondere Eigenheiten und künstlerisches Können entdecken könnte. Millionen von Leuten hören dennoch die massenproduzierten Einheitssongs - nach dem Motto, wer einmal groß im Rampenlicht stand, der wird weiter im Rampenlicht stehen, egal ob er mit seiner Musik noch überzeugt oder nicht. Ähnlich ist es doch auch bei Bestseller-Autoren - einmal einen guten Titel veröffentlicht sind sie so leicht vom Büchermarkt nicht mehr wegzudenken, während es junge kreative Autoren äußerst schwer haben, überhaupt einzusteigen.
Dazu will ich noch sagen, daß Eros immerhin von Anfang an seine Songs selber geschrieben hat, zwar mit Hilfe von einigen Leuten, aber schon zu Jugendzeiten hatte er gutes eigenes Material im Repertoire, was dann leider von erfahreneren Leuten noch ausgefeilt werden mußte. Hätte mich mal intessiert, wie ursprüngliche Stücke waren, die er damals abgeben mußte, um sein Talent zu beweisen und ins Musikgeschäft reinzukommen.
Das können zumindest nicht alle anerkannten Musiker behaupten - z.B. Tina Turner, Michael Jackson oder Joe Cocker - alles wunderbare Leute, die wunderbar singen können - gemacht wurden ihre Stücke allerdings von anderen Songwritern, die sicher auch dran verdienen, aber leider nicht den Ruhm der Interpreten genießen.
Also selber komponieren, gut singen und umsetzen können ist die Kunst. Und das kann Eros zweifellos. Und das die neueren Alben ausgereifter wirken als die alten, werden auch Kritiker nicht bestreiten können. Zumal sich meiner Meinung nach wenigstens ein deutlicher Unterschied zwischen den Platten vor 1990 und den späteren abzeichnet. Bei den ersten Alben sind weniger Instrumente eingesetzt, die Texte einfacher. Bei den neueren kommen immer mehr seine gitarristischen Fähigkeiten zum Ausdruck bzw. seine Fähigkeiten als Komponist. Zumal sich Eros Stimme noch etwas verändert hat. Sie wirkt seit 1990 nasaler und reifer.
Er hat in letzter Zeit seine Musik auch mehr auf den internationalen Markt zugeschnitten und das wollen die meisten Leute doch hören. Ich denke es sind eher wenige Gruppen, die alternative Musik mögen. Und Eros behält dennoch seinen persönlichen Stil, den man nicht ohne Weiteres kopieren kann. Und er bleibt seiner Muttersprache treu, auch wenn er sich durch Duette eine zusätzlichen Bonuspunkt verschafft. Auf Englisch würden die Songs denke ich nur halb so gut wirken. Sie müßten dazu wahrscheinlich total anders arrangiert werden.
Also wer nicht auf Liebeslieder oder anspruchsvolle Musik steht, den wird die CD vielleicht nicht überzeugen. Für alle anderen ist sie absolut empfehlenswert! Außerdem finde ich, daß Improvisationen die Songs manchmal nicht unbedingt besser machen. Eros improvisiert zwar gerne in seinen Konzerten. Mir gefallen die ursprünglichen Versionen jedoch meist noch besser. Die sind es, die einem ins Ohr gegangen sind. Bin jedenfalls gespannt auf die Tournee.