"Die dreckigste Sitcom aller Zeiten." Wenn für die Serie Californication geworben wird, werden fast ausschließlich solche Sätze der Kritiker zitiert. Diese Aussage trifft jedoch nicht gänzlich zu. Ja, diese Serie ist dreckig. Californication provoziert wie keine andere TV-Serie und hebt sich deutlich vom Mainstream ab. Nicht ohne Grund ist der Titel ein Kofferwort aus den Wörtern "California" und "Fornication" (dt. Unzucht) und die Serie erst ab 18 Jahren freigegeben. Mit nackten Tatsachen wird alles andere als sparsam umgegangen, die Sprache der Charaktere ist überaus vulgär und deren Moral durchaus fragwürdig. Das promiske Verhalten der Charaktere ist äußerst stark ausgeprägt, mit Drogen wird verantwortungslos umgegangen, deren Missbrauch wird verharmlost. Aber ist Californication eine reine Sitcom? Möglichst viel Sex, Drugs & Rock'n'Roll, mit dem einzigen Ziel, den Zuschauer humorvoll zu unterhalten? Mitnichten! Californication macht deutlich mehr aus, nämliche eine abwechslungsreiche Mischung aus Drama und Comedy; ohne laugh tracks. Das Leben des Protagonisten Hank Moody läuft nämlich alles andere als am Schnürchen. Sein leichtsinniges und verantwortungsloses Handeln ist für den Zuschauer amüsant anzuschauen, bleibt jedoch nie ohne tragische Konsequenzen, denn es steht in einem starken Konflikt zu seinen eigentlichen Zielen. Hank Moody ist kein Charlie Harper. Hank Moody ist Vater einer Familie und will zu dieser zurück, steht sich mit seinem Verhalten jedoch selbst im Weg.
Doch genau hier unterscheidet sich die dritte Staffel von den ersten beiden Staffeln. Die emotionalen, traurigen und ernsten Episoden, welche eine angenehme Abwechslung mit sich brachten, findet man in der dritten Staffel eher seltener. Das Augenmerk wurde deutlich auf lustige Episoden gerichtet.
Hanks Verhalten bleibt hauptsächlich ohne Konsequenzen, seine Familien- und Beziehungsprobleme spielen kaum noch eine Rolle. Leider fehlt dadurch auch ein wichtiger roter Faden, der sich bei den ersten Staffeln durch die Episoden zog, sie in einen Zusammenhang brachte und der Staffel im Ganzen eine episodenübergreifende Storyline und einen nicht unerheblichen Spannungsbogen bescherte.
Außerdem wirkt sich dies auf die (immer noch) genialen Dialoge aus, welche nun auf Kosten der Qualität noch vulgärer und vereinzelt auch ein wenig stumpf ausfallen. Der Anspruch sinkt dadurch hin und wieder leicht, ist im Vergleich zu anderen Sitcoms, wie z.B. "Two and a Half Men", jedoch nach wie vor deutlich höher.
Dennoch bleibt Californication auch in der dritten Staffel eine überaus herausragende Serie, die eine gewisse Einzigartigkeit in der großen Welt der TV-Serien darstellt. Zur Handlung möchte ich nichts verraten, die dritte Staffel ist lustig, qualitativ hochwertig, regt hin und wieder zum Nachdenken an, wartet mit einigen Überraschungen auf und ist mit Sicherheit nie langweilig. Den Soundtrack möchte ich besonders hervorheben, welcher auch diesmal erstklassig ist. Die deutsche Synchronisation ist gelungen, die Charaktere sind überaus sympathisch und was am wichtigsten ist: Die Darsteller machen auch in dieser Staffel ihren Job verdammt gut, allen voran Evan Handler als Charlie Runkle und vor allem David Duchovny, welcher ohne Frage die Idealbesetzung für Hank Moody ist und diese Rolle äußerst beeindruckend und glaubhaft verkörpert. Californication ist eine brillante Charakterstudie und lebt davon.
Die dritte Staffel glänzt zudem mit zwei Episoden, die wohl die bisher besten der ganzen Serie ausmachen: Gemeint sind Episode 8, als lustigste Folge, und das Finale, welches meine Kritik bezüglich der fehlenden ernsten Episoden zumindest dahingehend relativiert, dass die dritte Staffel die dramatischste (und künstlerisch kreativste & beste) Folge von Californication beinhaltet.
Nach der sehr guten ersten Staffel und der perfekten zweiten Staffel ist es schwierig dieses Niveau aufrecht zu erhalten, die Erwartungen sind noch höher. Ich würde der dritten Staffel eine Bewertung von 4 1/2 Sternen geben. Da ich jedoch nur runde Zahlen vergeben kann und die Staffel fünf Sterne weitaus mehr verdient hat als vier, erhält diese Staffel gerade noch 5 Sterne!
Fazit: Wer sich für die dritte Staffel von Californication interessiert, hat vermutlich die ersten beiden Staffeln schon gesehen. Wer sich mit den Charakteren, der Handlung und dem schwarzen, freizügigen Humor anfreunden konnte, wird auch die dritte Staffel lieben. Californication ist die kreativste Sitcom und zählt definitiv zu den ganz Großen in der Serien-Geschichte. Wer Californication nicht kennt, sollte der Serie unbedingt eine Chance geben, jedoch bei der ersten Staffel beginnen und folgendes beachten: Californication ist die dreckigste Serie aller Zeiten.