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5.0 von 5 Sternen
mit berauschender Prosa durch Sein und Schein und Trug, 29. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Caliban (Gebundene Ausgabe)
"Ich habe mein ganzes Leben lang gelogen", sagt Alex Vander, Literaturwissenschaftler und Nietzschespezialist. Seine dunkle Vergangenheit im zweiten Weltkrieg hatte er für immer verdeckt halten wollen. Nun erreicht ihn fünfzig Jahre danach ein Brief einer Frau; sie habe Vanders Geheimnis lüften können. Der Brief führt ihn in einen Zwiespalt. "Wut, dass ich bin, was ich nicht bin, Angst, dass herauskommt, was ich bin." Aus den USA kommend erreicht er Turin, möchte einen Nietzschekongress besuchen und erwartet die Briefschreiberin, die "mysteriöse Nemesis". Sie entpuppt sich schließlich als Cass Cleave, die uns aus Banvilles "Sonnenfinsternis" bekannt ist und an einer degenerativen Nervenerkrankung leidet.
Mit einer Sprache, die herrlich süchtig macht, beschreibt Banville, wie Alex Vander hinkend mit Krückstock und Hut durch die Gassen von Turin schweift; die Angst im Nacken, Geister der Vergangenheit könnten ihn einholen. Er fühlt sich von einigen Gestalten verfolgt und wird Zeuge, wie eine Verfolgerin von einem Auto erfasst wird. Frauen, mit denen Vander zu tun hat, sterben zwischen den Buchseiten. Treffend die Formulierung über den grobschlächtigen Vander: "Er konnte sie in seinen Armen zerbrechen, ihr das Leben aus dem Leib quetschen". Banville verleiht dem Roman von Beginn an morbide Züge. Turin mit seinen Statuen und Monumenten erscheint dem Professor wie ein "grandioser Friedhof", außerdem hat Nietzsche hier seinen Verstand verloren.
Überraschend, dass Vander sich leichtfertig in die Studentin Cass verliebt, immerhin könnte sie ihn bloßstellen, ihn verraten, seine Maske vom Gesicht ziehen. Sehr galant der Vander/Harlekin-Vergleich: Sie wechseln ständig ihre Masken,und ändern damit konform ihre Vorgehensweisen, wie sie ihren Mädchen gefallen könnten, die nur darauf warten, dass die Masken fallen. So ist es Alex Vander, der Cass Cleave seine Lebensgeschichte erzählt, die Studentin allerdings strudelt immer öfter in Halluzinationen.
Banville beglückt uns wieder mit berauschend schöner Prosa. Am Ende habe ich mich gefragt, warum der Tod in dem Roman weite Kreise zieht. Die Fragen nach Sein, Schein, und Trug verdampfen im Angesicht des Todes. "...jetzt aber, im Alter, ist der Schlaf ein Raum voll stiller Wunder..."
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