In ihrem Debutroman erzählt Malin Schwertfeger vom Erwachsenwerden unter erschwerten Bedingungen, von einem Erwachen zweier Mädchen zwischen zwei Welten: Zwischen der polnischen Halbinsel Hel und "Bundes", der ebenso verheißungsvollen wie ernüchternden Bundesrepublik. Aber auch zwischen einer gebrochenen Mutter, "deren rot-weiß gesprenkeltes Gesicht in einem Schwung von Haaren aussah wie ein Ei im Nest" und einem Vater namens Tata, der sich den Bart mit einem Gummiband zusammenbindet und einen brombeerfarbenen Schwanz hat, "fast schwarz, mit einem bläulichen Hut, wie ein giftiger Pilz, weshalb die Frauen davor erschraken."
Damit geht er, gemeinsam mit seinem Freund Bocian, dessen Hose "steif vor Dreck und für alle Ewigkeiten in der Lendengegend plissiert" ist, die Kellnerinnen seines Cafés beim "Delfin-Spiel befeuchten", ohne zu bemerken, dass er von seinen Töchtern, den scheuen Heldinnen des Buches, beobachtet wird.
Doch das Café Saratoga auf Hel ist nur ein Durchgangslager für die Familie, ein Sprungbrett nach "Bundes", und die heruntergekommene Touristen-Spilunke mit ihren allzeit-bereiten Kellnerinnen soll das nötige Kleingeld abwerfen, um den Weg "ins Reich" zu ebnen.
Mit der Heimat verlieren die beiden Schwestern Sonja und Majka auch die Kindheit und sind somit den Wirren der Pubertät doppelt ausgesetzt. Sie finden sich wieder in einer Welt, die von Baumärkten und Discount-Läden geprägt wird und erlernen nur mühsam eine neue Sprache, die sie von einer Schlumpfkassette und der Telefon-Zeitansage übermittelt bekommen.
Höchst poetisch und niemals prätentiös, sehr humorvoll doch keineswegs zynisch ist es der 1972 geborenen Malin Schwertfeger gelungen, Eindrücke stehen zu lassen so wie Kindheit und Jugend selbst Eindrücke stehen läßt: Als verwirrende, mächtige Bilder, schön und schrecklich zugleich und in jedem Fall dazu angetan, ein Leben lang nicht mehr von ihnen loszukommen. Meisterhaft und unbedingt lesenswert!