Schon im Vorwort stellt Althistoriker Wolfgang Will fest: "Es ist unmöglich, Caesar gerecht zu werden. Das Einzige, was wir tun können, ist eine begründete Meinung über ihn zu haben." Und eine solche präsentiert er sodann auch. Will versucht Caesar nicht mit Pathos zum sinistren Machtmenschen oder verhinderten Retter der Republik hochzustilisieren und ihm dabei einen großen Masterplan zu unterstellen. Ganz im Gegenteil, er sieht Caesar als typisches Produkt seiner Zeit, einen Karrierebürokraten der im Grunde nur von Amt zu Amt dachte und dessen Aufstieg sich schlicht aus der Instabilität des römischen Staates nach seiner jahrelangen Expansion ergab. Die Bürgerkriege sieht auch Will als eine Folge der Situation dass es nach der Expansion Roms zunächst einmal vor allem keine Kriegsbeute mehr zu verteilen gab und die Institutionen der Republik nicht mehr geeignet waren das neu geschaffene Reich adäquat zu verwalten. In dieser sozial wie politisch angespannten Situation sollte sich schließlich Caesars Aufstieg vom unter Sulla noch Proskribierten zum Diktator vollziehen.
Nach einer sehr prägnanten Einführung zu den Umständen welche Caesars Aufstieg möglich machten, widmet sich Wolfgang Will zunächst den frühen Jahren Caesars, dem bei seiner Geburt trotz seiner noblen Abkunft höchstens das Prätorenamt in Aussicht gestanden hätte. Schon sehr früh geriet der junge Caesar in Lebensgefahr, waren doch sein Onkel Marius und Schwiegervater Cinna Intimfeinde Sullas, was auch Caesar ins Visier der Proskriptionen geraten ließen. Als er sich weigerte die Scheidung von Cinnas Tochter einzureichen wurde er zur Flucht gezwungen und konnte erst auf Vermittlung Verwandter und der Vestalinnen wieder nach Rom zurückkehren. Es mag auch sein Glück gewesen sein zu diesem Zeitpunkt über kein nennenswertes Vermögen zu verfügen, das eine weitere Verfolgung zumindest lukrativ gemacht hätte. Durch die Ächtung seiner bedeutenden Verwandten war dem jungen Caesar zugleich auch die Chance geraubt worden von deren einstigem Einfluss noch profitieren zu können. Nach seinem Dienst an der Front in Kleinasien versuchte sich Caesar zunächst einmal als Anwalt der popularen Sache zu profilieren, wobei er seine Prozesse zwar nicht gewinnen, sich aber zumindest einen Namen machen konnte. Eine Reise zum bekannten Rhetor Appolonios sollte schließlich in einer der wohl bekanntesten Caesar-Anekdoten münden, in der er von Piraten entführt wurde, denen der junge Aristokrat offen heraus ankündigte er würde sie auslöschen sobald er nur freikäme. Als er schließlich freikam setzte er sein keckes Versprechen schließlich in die Tat um und behielt das wieder erbeutete Lösegeld schlicht ein.
In Wills Darstellung ist dieser junge Caesar kein Revolutionär oder politischer Außenseiter, sondern wie bereits erwähnt einer von vielen Karrierebürokraten, dem nicht einmal eine besondere Ambition nachzusagen wäre, als vielleicht das nächsthöhere Amt zu erringen. Selbst Caesars frühe Förderer sahen in ihm zwar enormes Potential aber wohl kaum einen künftigen Messias. Ihre finanziellen Investitionen in den Politiker Caesar sollten diesen schließlich auch zwingen eine militärische Karriere einzuschlagen, um seine enormen Schulden begleichen zu können. Ein anderer Fakt aus dem Leben des frühen Caesars ist auch dass der keine allzu starre populare Politik vertrat und sich bereit zeigte Kompromisse einzugehen, was Versuchen Caesar als revolutionären Popularen umzudeuten einen Riegel vorschieben sollte.
Dass Will in seiner Biographie Caesars auf eine nüchterne Betrachtung Caesars gesetzt hat schlägt sich auch in seiner Auseinandersetzung mit dem Kriegsherrn Caesar auseinander, dessen Kriegsmemoiren eine kritische Würdigung zuteil wird. Zwar sind die etwa in De bello Gallico angegebenen Zahlen der Gefallenen zweifellos übertrieben, jedoch dürfte die Zahl der durch die erfolgten Verwüstungen Getöteten durchaus über diesen liegen. Caesars Gallischer Krieg sei nach Will nur mit dem Dreißigjährigen Krieg vergleichbar, was seine Folgen und Verheerungen betrifft. Das außergewöhnliche an Caesars literarischen Selbstzeugnissen sieht Will auch darin dass der Kriegsherr Fehler durchaus zugibt, wenngleich er sie vorwiegend Subalternen anlastet.
Caesars spätere Karriere sollte schließlich davon geprägt sein dass ihm das Konsulat zu wenig war und er ein Monarch sein wollte, ohne dabei Rex genannt zu werden. Große Visionen versucht Will aus der Politik des Diktators Caesar schließlich nicht mehr abzuleiten. Manch einer mag das vielleicht bemängeln, doch Will hat nur getan was in Zeiten von extensiven (hi)story-telling gerne vernachlässigt wird und sich an die vorhandenen Fakten gehalten. Im Übrigen Will hat seine Caesar-Biographie auch nicht mit Zitaten überfrachtet, diese kommen eher selten vor. Dafür und das ist ein großer Bonus stellt der Althistoriker die damaligen Machtstrukturen sehr genau dar und das in überraschend klaren und wenigen Worten. Dank dessen gelingt es Will Caesars Aufstieg und Fall nicht nur mit der gebotenen Nüchternheit sondern auch plastisch und gut nachvollziehbar darzustellen. Im Gegensatz zu manch anderen Biographien schweift Will auch nicht ab und hat eine wenngleich vielleicht kurze, so doch sehr übersichtliche und prägnante Biographie vorgelegt. Selbst in stilistischer Hinsicht hat Will auf klare Formulierungen gesetzt und so ein angenehm lesbares Buch geschaffen.
Fazit:
Eine nüchterne und übersichtlich strukturierte Caesar-Biographie, die den von ihr Porträtierten nicht mit einem pathetischen Schleier verhüllt.