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Höchst informativ, dennoch präsentiert in einer ansprechenden Form. So kann man das Buch von Meier zusammenfassen. Meiers zweites großes Werk "Athen - ein Neubeginn der Weltgeschichte" ist ebenfalls zu empfehlen. Auch dort wird ein ähnlich angenehmer Stil gepflegt. Problematisch ist Meiers wissenschaftlicher Bezug. Man kann ihm kaum Vorwürfe machhen, auch wenn manche Forschungsberichte nicht integriert wurden. Aber gerade der Verzicht auf eine Bibliographie und wenigstens rudimentäre Anmerkungen fallen unangenehm auf. Hier hätte man mehr tun können, ja müssen, ohne das es der lesbarkeit einen Abbruch getan hätte. Dennoch: wer sich über die Spätzeit der römischen Republik und den Menschen Caesar informieren will, ist hier richtig.
Die zuerst 1982 erschienende Biographie beweist, dass historische Forschung nicht, wie oftmals behaupet, per se in trockener steifer Sprache daherkommen muss. "Caesar" hingegen mutet stellenweise fast schon wie ein historischer Roman, mit einem antiken Superhelden in all seinen positiven wie negativen Eigenschaften, an.
Dabei ist das Buch zuerst der Versuch einer hermeneutischen Rekonstruktion von Caesars Intentionen sowie der Quelle seiner, auch heute noch schier unmenschlich anmutenden, Energie und Durchsetzungskraft. Da jedoch für die Wirkungskraft der Person Caesar die institutionellen Gegebenheiten der späten römischen Republik den Rahmen bildeten, wirft Meier auch einen ausführlichen Blick auf die Struktur von Politik und Macht in dieser Zeit. Diese Passagen sind teils wörtlich aus Meiers eigner Analyse "Res publica amissa" (1966) übernommen, bis Heute das Standarswerk überhaupt über die Verfassung der römischen Republik.
Doch wer war Caesar denn nun eigentlich? Ein genialer Feldherr und Staatsmann, dem der Respekt der Nachwelt gebührt, oder ein brutalere Kriegstreiber, der 50 Feldzüge mit annäherungsweise zwei Millionen Opfer nur seiner Ehre, seiner dignitas, wegen führte und damit der res publica, ob gewollt oder ungewollt, den finalen Todesstoß gab. Die Antwort auf diese Frage, so Meier, dürfe nicht nach modernen Maßstäben und Wertekriterien erfolgen. Vielmehr müsse sich der heutige Betrachter "der Fremdheit und der Distanz einer fernen Zeit ganz bewußt" werden, um sie dann in "seiner Gegenwart verständlich [zu] machen" (580).
Demzufolge versucht Meier das Politikverständniss sowie das Weltbild von Caesar und seinen Zeitgenossen zu rekonstruieren. Dabei kommt er zu dem Ergebniss, dass die res publica von ausnahmslos allen Schichten, und auch von Caesar selbst, als alternativlos betrachtet wurde, obwohl deren Institutionen offensichtlich nicht mehr zur Beherrschung eines Weltreiches in der Lage waren. In dieser "Krise ohne Alternative" nun schuf sich Caesar durch seine Begabung und seine Energie eine Sonderrolle, basierend auf der Macht seiner Legionen, die das Prinzip der aristokratischen Gleichheit bedrohten. Das Paradoxe dieser Zeit liege nämlich darin, dass Caesar seine Eroberungen in Spanien, Africa und (ganz) Gallien wohl hauptsächlich wegen der aristokratischen Kardinltugend, der dignitas, führte und das dann sein unheimlicher Erfolg die auf der dignitas beruhenden Gesellschaft in ihrer Existenz bedroht.
Ein Außenseiter sei er gewesen, ein enfant terrible, ein Mensch von wahrer Größe (wobei dieser Begriff bei Meier wertneutral gebraucht wird), welcher die Schwäche der alten Institutionen wohl erkannt und auch auch vielfach ignoriert habe, ohne aber ein gesellschaftliches Alternativmodell zu entwickeln. So wurde Caesar an den Iden des Märzes (15. März) 44 v. Chr. im Senat niedergestochen, um die res publica von dem Tyrannen zu befreien. Sein Stiefsohn Octavius, der spätere Augustus, stellte dann tatsächlich offiziell die Republik wiederher. Doch de facto war die Staatsform ab 27 v. Chr. die einer Monarchie, der von Caesar der Weg geebnet worden war.
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