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Mittlerweile gibt es viele neuere, detaillierte Biographien über den römischen Feldherren und Politiker. Was jedoch dieses Werk aus den frühen 80er Jahren auszeichnet, das ist die Wahl des Schwerpunktes. Es geht um die Nacherzählung einer Lebensgeschichte, die wie ein Scharnier zwischen dem Aufstieg Roms als Republik und seinem Höhepunkt und der späteren Stagnation als Kaiserreich zu stehen scheint. Vor Caesar gab es den permanenten Konflikt zwischen Optimaten und Popularen. Nach Caesar gab es Augustus und seine Nachfolger.

Die politische Dynamik dieser Zeit ist von Meier mit ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen sehr klar und meistens auch spannend beschrieben. So setzt das Buch auch bereits mit der Erzählung früherer Konflikte und der Genese der Vorgänger von Caesar ein, die auf der Basis von Militärgewalt in die Konflikte der Republik gewaltsam eingriffen. Wie Augustus ohne Caesar nicht denkbar ist, ist es wohl Caesar nicht ohne Marius und Sulla. Der Machtverlust - besser: Der Verlust an intellektuellem Potential und gesellschaftlicher Autorität - des römischen Senats wird gut beschrieben. Und so lernt der Leser, dass die Geschichte dieser Welt eben nicht immer in Form einer Entwicklung von autoritären Systemen in Richtung einer demokratischen Mitbestimmung von freien Bürgern verläuft. Möglicherweise hatte der Autor dann doch eine kleine Warnung im Hinterkopf: Wenn ein demokratisches System (und sei es auch nur eine Adelsrepublik) seine Probleme nicht mehr lösen kann, dann führt das erzwungenermaßen in die Diktatur.

Schlüsselpunkt nach Meier scheint es hier gewesen zu sein, dass es dem Senat nicht mehr gelang, unterschiedliche Persönlichkeiten in die Gesellschaft zu integrieren. Möglicherweise war das Problem aber auch, dass durch die besondere Geschichte Roms Persönlichkeiten entstanden, die einfach nicht mehr integrierbar waren. Ceasar scheint ein Mann gewesen zu sein, der persönliche Leistungsfähigkeit, Überlegenheit, Klugheit, Mut, Heldentum usw. weit mehr schätzte als das Funktionieren einer Gemeinschaft. Nicht zuletzt dieses Ethos war dann einer der Hintergründe seiner Verachtung der Institutionen des alten Roms.

Man muss allerdings sagen, dass die Persönlichkeit Caesars einem doch beim Lesen oft etwas fremd bleibt. Zwar sind auch von ihm selbst Texte überliefert geblieben. Diese stellen jedoch einen eher kalten Machtmenschen dar, so dass man meint, auf den Menschen hinter der für die Nachwelt geschaffenen Oberfläche nicht wirklich erkennen zu können. Dies mag aber wohl kein Fehler von Meier sein, sondern zeigt eher, wie sehr man auch in der Antike die Kunst der Selbstdarstellung beherrschte. So bleibt das Bild eines Menschen, dem bis zu seinem Tod praktisch alles gelungen ist, was er sich vorgenommen hat, und der die kurzen Krisen in seinem Leben nicht als Bruch sondern nur als temporäre Herausforderung erfahren hat.

Nur an den Iden des März stellte sich dann doch heraus, dass seine Mitmenschen dieses Maß an Erfolg nicht ertragen konnten.
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am 18. September 2010
Professor Meier ist einer der besten Kenner der späten römischen Republik. Insofern ist seine Cäsar-Biografie für alle, die diese Periode interessiert, eine Quelle ersten Ranges. Schwerpunkt der Darstellung ist die Krise der Republik in der Wahrnehmung ihrer eigenen Zeit und die Wechselwirkung der Person Cäsar als Mitglied der herrschenden Klasse (Adel) mit diesen und in diesen Verhältnissen. Die bekannten Geschichten zur Person Cäsar (Kleopatra ca. 4 Seiten, Servilia einige kurze Bemerkungen, Beziehung zu Brutus kaum erwähnt, Calpurnia kommt gar nicht vor) treten stark in den Hintergrund. Die Hauptthese ist, dass Cäsar die Entwicklung - Zerstörung der Republik - selbst nicht gewollt oder gestaltet hat sondern dieses ein Ergebnis der politischen und gesellschaftlichen Umstände, in denen Cäsar als außergewöhnliche Persönlichkeit seinen Weg zu Ruhm und Macht gesucht hat, zu dem Resultat Bürgerkrieg und am Ende der Ermordung Cäsars geführt haben. Dabei weist Meier immer wieder daruf hin, dass er über die tatsächlichen Beweggründe und Ziele seines Protagonisten (?) nur Mutmaßen kann und lässt letzlich offen, ob die Alleinherrschaft Cäsars Ziel oder nur eine zwangsläufige Folge der Entwicklungen war. Die Gegenkräfte, geführt von Cato und Pompeius, dagegen vertraten eine Sache (Republik), die eigentlich schon Geschichte war, da sie der Realität nicht mehr gerecht werden konnte. Die These ist valide und argumentativ gut dargestellt. Meier spannt seine Betrachtung dabei weit auf die Gesamtheit der Zustände der Römischen Rebulik zwischen 150 und 44 v.C. und leitet die Entwicklung von den Grachen über Marius und Sulla bis Pompeius und Cäsar her. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen aber schon die Wirkungsjahre Cäsars von 17-44. Tatsächlich endet die Darstellung sehr abrupt mit Cäsar tot im Senat.

Am Inhalt und der fachlichen Qualität ist nichts zu mäkeln. Allerdings... Es hätte nicht wirklich 600 Seiten gebraucht, dieses darzustellen. Es gibt recht viele Wiederholungen und "Monologe" des Autors zu seinem Verständnis der Beweggründe einzelner Personen oder Entwicklungen. Für mich hätten da ganze Seiten in zwei Sätzen zusammengafasst werden können. Dadurch war das Buch für mich schwer lesbar, da streckenweise sehr langweilig. Der Schreibstil an sich könnte durchaus etwas lebendiger sein, zumal ja Professor Meier sein Buch explizit an ein breiteres Publikum richtet und deshalb auch explizit auf umfangreiche Quellenangaben verzichtet (aber mal ehrlich: welcher Normalleser schlägt dann schon bei Sallust oder in den Reden Ciceros nach?). Man darf bei Professor Meier davon ausgehen, dass er seine Quellen bestens kennt und korrekt nutzt. Aber ein Syme (Die Römische Revolution) beispielsweise liest sich für mich deutlich besser. Ein weiterer Punkt, den ich als Mangel betrachte, ist die weitgehende Ausblendung der außenpolitischen/imperialen Entwicklungen und der Wirtschaft, die doch durchaus auch einen Einfluss auf die Geschichte gehabt haben, z.B. durch Zufluss und Umverteilung von Vermögen/Kapital und daraus entstehende neur Macht- und Kraftzentren?

Zusammengefasst: ich habe nicht bereut dieses Buch gelesen zu haben, es hat mein Verständnis erweitert. Aber es war ein harter Kampf, da ich das Buch wegen streckebweise langatmiger Darstellung schwer zu lesen fand. Da ich auch zum Vergnügen lese, gebe ich 1,5 Punkte abzug.
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am 3. April 2003
Den Rubicon überschreiten" ist ein geflügelter Satz. Doch als Gaius Julius Caesar dies mit seinen gallischen Legionen im Jahre 49 v. Chr. tatsächich tat, bedeutete dies den Anfang vom Ende der bereits seit einem Jahrhundert dahin sichenden römischen Republik. Innerhalb weniger Jahre besiegte er die republikanischen Heere, die unter Führung seines ehemaligen Freundes und Schwiegersohnes Pompeius kämpften. Am Ende hätte Caesar es fast geschafft aus Rom eine Monarchie zu machen. Doch bevor es dazu kam, ermordete Ihn eine Gruppe von republikanischen Verschwörern an den Iden des März (15.3.) 44 v. Chr. Erst sein Neffe Octavianus sollte 15 Jahre später sein Erbe antreten. Wir kennen ihn unter seinem Beinamen: Augustus.
Christian Meier, einer der bekanntesten populär-wissenschaftlichen Althistoriker Deutschlands, beschreibt in seiner Cäsar-Biographie das Leben dieses Mannes, dessen Name auch heute noch einen gewissen Klang hat. Und welcher Lateinschüler kennt nicht seinen "De Bello Gallico"? Caesar war ein Mann voller Widersprüche. Konservativer, aber doch Revolutionär. Asket, führte er doch teils ein ausschweifendes Leben (Stichwort Cleopatra). Aus altadliger Familie stammend, aber doch Führer der Popularen, der römischen "Volkspartei" (wobei nicht Partei im heutigen Sinne gemeint ist). Komprimiert beschreibt Meier Caesars Flucht vor dem Diktator Sulla, seine Jahre im gallischen Krieg, die Zeiten des Triumvirats und der Alleinherrschaft. Dabei kann sich Meier auf die Studien seiner berühmten Studie "Res Publica amissa", in der Meier schon einmal den Niedergang der römischen Republik beschrieben hat. Die Wirren der Revolutionszeit seit den Gracchen und die Fortsetzung des Kampfes zwischen "Optimaten" und "Popularen". Dabei zeigte Meier die Ausformung des Allgemeinen im Individuums auf. Denn vor Caesar gab es einen Sulla, Marius und Pompeius. Der Niedergang der Republik war bereits vorgezeichnet.
Höchst informativ, dennoch präsentiert in einer ansprechenden Form. So kann man das Buch von Meier zusammenfassen. Meiers zweites großes Werk "Athen - ein Neubeginn der Weltgeschichte" ist ebenfalls zu empfehlen. Auch dort wird ein ähnlich angenehmer Stil gepflegt. Problematisch ist Meiers wissenschaftlicher Bezug. Man kann ihm kaum Vorwürfe machhen, auch wenn manche Forschungsberichte nicht integriert wurden. Aber gerade der Verzicht auf eine Bibliographie und wenigstens rudimentäre Anmerkungen fallen unangenehm auf. Hier hätte man mehr tun können, ja müssen, ohne das es der lesbarkeit einen Abbruch getan hätte. Dennoch: wer sich über die Spätzeit der römischen Republik und den Menschen Caesar informieren will, ist hier richtig.
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Der Autor selbst bewertet seine Darstellung zu Beginn des Nachwortes als "wissenschaftliche Biographie in erzählerischer Absicht" zu der jeder Leser, sei es der interessierte Laie ohne jedwegige Vorkenntnisse oder aber der bereits in der Geschichte der späten römischen Republik Bewanderte, Zugang haben solle. Diesen Anspruch hat Christian Meier voll erfüllt!
Die zuerst 1982 erschienende Biographie beweist, dass historische Forschung nicht, wie oftmals behaupet, per se in trockener steifer Sprache daherkommen muss. "Caesar" hingegen mutet stellenweise fast schon wie ein historischer Roman, mit einem antiken Superhelden in all seinen positiven wie negativen Eigenschaften, an.
Dabei ist das Buch zuerst der Versuch einer hermeneutischen Rekonstruktion von Caesars Intentionen sowie der Quelle seiner, auch heute noch schier unmenschlich anmutenden, Energie und Durchsetzungskraft. Da jedoch für die Wirkungskraft der Person Caesar die institutionellen Gegebenheiten der späten römischen Republik den Rahmen bildeten, wirft Meier auch einen ausführlichen Blick auf die Struktur von Politik und Macht in dieser Zeit. Diese Passagen sind teils wörtlich aus Meiers eigner Analyse "Res publica amissa" (1966) übernommen, bis Heute das Standarswerk überhaupt über die Verfassung der römischen Republik.
Doch wer war Caesar denn nun eigentlich? Ein genialer Feldherr und Staatsmann, dem der Respekt der Nachwelt gebührt, oder ein brutalere Kriegstreiber, der 50 Feldzüge mit annäherungsweise zwei Millionen Opfer nur seiner Ehre, seiner dignitas, wegen führte und damit der res publica, ob gewollt oder ungewollt, den finalen Todesstoß gab. Die Antwort auf diese Frage, so Meier, dürfe nicht nach modernen Maßstäben und Wertekriterien erfolgen. Vielmehr müsse sich der heutige Betrachter "der Fremdheit und der Distanz einer fernen Zeit ganz bewußt" werden, um sie dann in "seiner Gegenwart verständlich [zu] machen" (580).
Demzufolge versucht Meier das Politikverständniss sowie das Weltbild von Caesar und seinen Zeitgenossen zu rekonstruieren. Dabei kommt er zu dem Ergebniss, dass die res publica von ausnahmslos allen Schichten, und auch von Caesar selbst, als alternativlos betrachtet wurde, obwohl deren Institutionen offensichtlich nicht mehr zur Beherrschung eines Weltreiches in der Lage waren. In dieser "Krise ohne Alternative" nun schuf sich Caesar durch seine Begabung und seine Energie eine Sonderrolle, basierend auf der Macht seiner Legionen, die das Prinzip der aristokratischen Gleichheit bedrohten. Das Paradoxe dieser Zeit liege nämlich darin, dass Caesar seine Eroberungen in Spanien, Africa und (ganz) Gallien wohl hauptsächlich wegen der aristokratischen Kardinltugend, der dignitas, führte und das dann sein unheimlicher Erfolg die auf der dignitas beruhenden Gesellschaft in ihrer Existenz bedroht.
Ein Außenseiter sei er gewesen, ein enfant terrible, ein Mensch von wahrer Größe (wobei dieser Begriff bei Meier wertneutral gebraucht wird), welcher die Schwäche der alten Institutionen wohl erkannt und auch auch vielfach ignoriert habe, ohne aber ein gesellschaftliches Alternativmodell zu entwickeln. So wurde Caesar an den Iden des Märzes (15. März) 44 v. Chr. im Senat niedergestochen, um die res publica von dem Tyrannen zu befreien. Sein Stiefsohn Octavius, der spätere Augustus, stellte dann tatsächlich offiziell die Republik wiederher. Doch de facto war die Staatsform ab 27 v. Chr. die einer Monarchie, der von Caesar der Weg geebnet worden war.
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am 24. Januar 2011
Das Buch, im Sommer 1982 erschienen, ist mittlerweile ein Klassiker. Angeregt durch die kurze Caesar-Biographie von Martin Jehne habe ich beschlossen, diesen Klassiker endlich einmal ausführlich zu lesen. Meier beleuchtet auf 600 Seiten den politischen Aufstieg des "Außenseiters" Caesar. Caesar, ein Gegner des Feldherrn und Diktators Sulla, ist eine Person, die nur in der Krise der römischen Republik nach den Aufständen der Gracchen im Jahr 133 v. Chr. vorstellbar war. Meier arbeitet - wie zuvor Karl Christ - die Gründe der Krise der römischen Republik heraus. Hauptsächlich bestand sie darin, dass die römische Republik, genauer gesagt, die römische Oligarchie, die Herausforderungen, die Roms Stellung als Weltmacht bedingte, nicht bewältigen konnte. Die Feldzüge zur Sicherung des Imperiums erforderte eine Miliz- bzw. Berufsarmee und gab daher dem Feldherren, der als "Belohnung" für seine Truppen Land forderte, dem "Imperator", eine Bedeutung, die er in der alten Republik nicht hatte. Hier folgt Meier seinem Vorbild Matthias Gelzer, dessen Caesar-Biographie von 1921 heute noch als Standardwerk der Forschung galt.

Neu an Meiers Darstellung ist die Auffassung, zur Krise der Republik habe es "keine Alternative" gegeben. Meier meint damit, dass die Republik de facto schon tot war, die Alternative aber nicht in Sicht war. In jedem Fall wurde das Regieren schwieriger, die Republik geriet in immer schwierigeres Fahrwasser. Zwar gab es namhafte Verteidiger dieser Staatsform, wie Cato den Jüngeren und Cicero, der 63 v. Chr., zum Zeitpunkt der Verschwörung des Catilina, auf dem Höhepunkt seiner Macht stand. Ob Caesar, als Sulla-Gegner den Popularen zuneigend, Catilina unterstützt hat, ist ungeklärt. Offen hat er es wenigstens nicht getan. Schon sehr früh zeigte Caesar Aktivität und Initiative, etwa, als er auf eigene Faust als junger 23-jähriger Seeräuber, die ihn gekidnappt hatten, nach seiner Freilassung durch sie verfolgt und besiegt hatte.

Caesar wollte die Krise der Republik durch entschiedene Maßnahmen, etwa eines Getreidegesetzes, lösen und verband sich daher mit Pompeius und Crassus. 59 v. Chr. zum Konsul gewählt, wurde er jedoch von seinem den Optimaten nahestehenden Mitkonsul Bibulus ausgegrenzt. Doch Caesar ignorierte das Veto von Bibulus und setzte seine Maßnahmen ohne Rücksicht auf das politische System mit Hilfe ergebener Anhänger im Volkstribunat durch. Für diese Mißachtung des politischen Systems sollte er zur Rechenschaft gezogen werden und hätte nach Ende seiner Amtszeit nicht nur einen Haufen Schulden gehabt, sondern auch zahlreiche Prozesse zu überstehen. Doch er wurde Prokonsul von Gallien und konnte sich für 10 Jahre dieses Kommando sichern, wobei er Gallien unterwarf und eine unvorstellbare Zahl von Toten hinterließ. Seine Kriegsführung stand nicht mit den Prinzipien der römischen Machteroberung in Einklang, seine Gegner wollten ihn deshalb anklagen.

Um dieser Anklage und seinem politischen Sturz in die Bedeutungslosigkeit zu entgehen, um seine "dignitas", seine Würde zu retten, wie Caesar selber sagte, führte er den Bürgerkrieg gegen den Senat und den mittlerweile mit dem Senat verbündeten Gegenspieler Pompeius. Dank seiner militärischen Fähigkeiten siegte er im Bürgerkrieg und ließ sich zum Diktator, 44 v. Chr. auch zum "Dictator perpetuus", dem Diktator auf Lebenszeit ernennen. Darin sahen auch frühere Anhänger eine Bedrohung der republikanischen Staatsform und schritten zum Staatsstreich an den Iden des März 44 v. Chr. Sie betrachteten Caesar als Tyrann und ermordeten ihn.

Letztlich zeigte sich jedoch, dass die Republik nicht zu retten war. Caesar Adoptivsohn Oktavian, zum Zeitpunkt von Caesars Ermordung erst 18 Jahre alt, siege im Jahrzehntelangen Bürgerkrieg durch die Schlacht von Actium 31 v. Chr. und wurde Alleinherrscher - seine Absichten durch scheinbare Teilhabe des Senats an den Regierungsgeschäften klug verhüllend.

War Caesar nun groß? Meier bejaht - im Gegensatz zu Jehne - diese Frage. Caesar sei ohne Frage eine große Figur in seiner Zeit gewesen. Und genau da setzt meine Kritik an. Natürlich kann man auch politische Verbrecher, etwa Hitler und Stalin, groß nennen, in dem sinne, als sie über überragende Fähigkeiten verfügten, die sie ihren Mitkonkurrenten überlegen machten. Dann ist Größe ein neutraler Begriff, der Verbrecher und Mörder ebenso "groß" zu nennen wie derjenige, der sein Land vorangebracht und Gutes für sein Land getan hat.

Wenn Meier dies so differenzierend erläutert hätte, dann könnte ich mit seiner Einschätzung noch leben. Was aber an seiner umfangreichen, durch zahlreiche Wiederholungen aber nicht immer durch neue Erkenntnisse bestechenden, Biographie nicht deutlich wird, ist der fatale Kreislauf, den Martin Jehne in seiner kurzen Caesar-Biographie erläutert hat: Caesar hat aus rein egoistischen Gründen, zur Verhinderung seines politischen Sturzes, nicht etwa um seiner "dignitas" wegen, den Bürgerkrieg begonnen und er hat die grausamen Feldzüge in Gallien allein aus innenpolitischen Motiven geführt: er fürchtete Prozess und politischen Absturz. Außerdem hatte er - wie viele Politiker zu jener Zeit - enorme Schulden machen müssen, um seinen politischen Aufstieg zu finanzieren. Ohne Ausplünderung seiner Provinzen hätte er niemals diese Schulden "abzahlen" können. Eine Provinz zu zerstören, nach heutigen Schätzungen Millionen Tote zu riskieren, um ein Land zu unterwerfen, aus rein egoistischen Motiven heraus, dies ist das Einmalige und Verbrecherische an Caesar. Diese Zusammenhänge hat Martin Jehne, in Grenzen auch Werner Dahlheim, herausgearbeitet.

Insofern ist die Meiersche Biographie, auch wenn sie Caesar als Produkt und z.T. Getriebenen in seiner Zeit sieht und so einordnen möchte, letztlich apologetisch. Bei der - sachlich nüchternen, an Quellen orientierten, Biographie des Meier-Vorbildes Matthias Gelzer ist dies nachvollziehbar, 1921 war einfach eine andere Zeit. 1982 und später hätte ich aber doch gerne eine kritischere Einordnung Caesars gewünscht, zumal ich mit dem Konzept politischer "Größe" von zweifelhaften Staatsführern, die eigentlich Verbrecher waren, starke Probleme habe.

Insofern ist es wesentlich erhellender, Jehnes kurze, bei Beck Wissen erschienene, Biographie zu lesen. Außerdem endet Meiers Werk relativ aprupt mit Caesars Ermordung ohne auf die Konsequenzen, das Ende der Republik, einzugehen.

Meisterhaft jedoch sind die psychologischen Portraits, die Meier von den "Großen" der Epoche zeichnet, doch diese unbestreitbare Meisterleistung reicht m.E. nicht, der Biographie einen wirklichen, d.h. über bisherige Erkenntnisse hinausgehenden, Informationswert zuzuschreiben, wie man es bei Jehne tun kann. Kurz und knapp: Wer Jehnes Werk gelesen hat, weiß alles Relevante über Caesar, was man wissen muss. Dies gilt - trotz seiner Apologetik, in gewissen Grenzen auch für Gelzers Werk, wobei bei letzterem v.a. das erste Kapitel über die römische Nobilität zu seiner Zeit bahnbrechend war und bis heute Stand der Forschung geblieben ist.

Fazit: als Ergänzung zu Jehne durchaus interessant und stilistisch sicherlich sehr gut geschrieben, aber letztlich weniger informativ als Jehnes Werk. Für Caesar-Interessierte dennoch unverzichtbar. Zusätzlich sollte Karl Christs: "Krise und Untergang der römischen Republik" und sein "Caesar: Annäherung an einen Diktator" für Seminare oder Vorträge zu Rate gezogen werden, ebenso E. Baltschruschs: Caesar: Wege der Forschung aus dem Jahre 2007.
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Der Historiker Christian Meier zeigt den Aufstieg Caesars im Kontext mit der Krise der römsichen Republik, einer Staatsform, die sich überlebt hatte, da sie den Problemen des Weltreiches nicht mehr Herr werden konnte. Caesar betrachtete das Staatswesen quasi von außen, erkannte seine Schwäche und versuchte, es zu erhalten. Stattdessen zerstörte er die Republik. An ihre Stelle trat die Monarchie in Form des Principats, das formell die Senatsherrschaft wiederherstellte.
Neben seinen Probanden Caesar schildert Meier eindrucksvoll das Lebens im spätrepublikanischen Römischen Reich.
Zu bemängeln ist lediglich das Fehlen eines wissenschaftlichen Apparates.
Empfehlenswert!
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am 18. August 2013
Eine sehr ausführliche Beschreibung des Lebens des Gaius Julius Caesar und des politischen Umfeldes in dem er lebte und agierte.
Es wird sehr ausführlich dargestellt welche Ereignisse und Fehlentwicklungen bereits vor der Geburt Caesars zum Sturz der Senatsherrschaft und zu den römischen Bürgerkriegen führten.
Des weiteren gehören auch Abbildungen alter Münzen, und Statuen der berühmtesten Häupter der Politik zum Buch.
Im großen und ganzen für einen Laien zu ausführlich.
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am 24. Juni 2001
Unter den deutschsprachigen Althistorikern ist Meier einer der entschiedensten Repäsentanten der Modernität. Seine Biographie fand in deutschsprachigen Raum starke Beachtung. Christian Meier geht es darum, das Scheitern Caesars in einen direkten Zusammenhang mit der Krise der römsichen Republik zu bringen. Er betont, daß es zu den Parodxien der späten römischen Republik gehöre, daß vor allem der Senat, mittelbar auch Pompeius und vermutlich selbst Caesar die Republik zerstörten - nicht obwohl, sondern indem sie sie erhalten wollten. Trotz einiger Schwächen im Detail ist es Meiers Verdient, in die Diskussion um die Bedeutung von Caesars Frühzeit neue Aspekte einbgebracht zu haben, v.a. was den Einfluß Sullas auf den jungen Caesar betrifft.
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am 20. Oktober 2010
Dieses Werk ist eines der bekanntesten Werke Prof. Christian Meiers aus München und wird immer wieder in der Literatur zitiert.

Es ist ein sehr umfangreiches Werk, das sich sicher sehr gut zum Nachschlagen eignet und auch auf die Gesellschaft der damaligen Zeit eingeht.

Das Werk ist auch sehr anregend geschrieben und es wurde ein angenehmer Schriftgrad verwendet.

Was den Wert jedoch erheblich mindert ist der Umstand, dass keine Quellen zitiert werden und auch keine Bibliographie exisiert. Selbst bei der Proseminararbeit würde ein Werk ohne Anmerkungen und/oder Literaturliste zurückgewiesen werden.

Hätte Prof. Meier das Werk als Einführung in das Thema oder als populärwissenschaftlich deklariert , wäre dies kein Problem gewesen, er hat aber am Beginn des Nachwortes sein Werk wörtlich als "wissenschaftliche Biographie" bezeichnet, dies ist sie ohne Anmerkungsapparat und Bibliographie aber nicht.

Ein wissenschaftliches Werk von der Proseminararbeit an enthält auf jeden Fall Fußnoten und eine Bibliographie, da jede Aussage nachvollziehbar sein muss. Einem international bekannten Professor hätte dies nicht geschehen dürfen.

Nicht selten machen, wie etwa bei den Büchern des Wiener Caesar-Experten Prof. Gerhard Dobesch (Apotheose Caesars bzw. Die Kelten in Österreich) die Anmerkungen sogar einen hohen Prozentsatz des Textes aus.

Solchen Standards hätte auch die Meier-Biographie genügen müssen, wenn sie eine wissenschaftliche Biographie sein soll.
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am 7. Mai 2005
Das buch hat zwar einen umfang von ca 600 seiten aba irgendwie steht da nix drin was ich für mein spezialgebiet in latein gebrauchen könnte. Die Sätze sind sehr einfach und kurz. Also ich kann damit nichts anfangen. Ich bin von dem Buch schon ziemlich enntäuscht.
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