Bruder Cadfael und das fremde Mädchen:
Haluin ist einst ins Kloster eingetreten, weil er unglücklich verliebt war in ein Mädchen, das man ihm nicht zur Frau geben wollte. Unglücklicherweise war das Mädchen zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger, die Mutter des Mädchens bat Haluin, der damals als Gehilfe Bruder Cadfaels Zugang zu Kräutern und Arzneien hatte, um Kräuter für eine Abtreibung und das Mädchen starb. Haluin offenbart diese Geschichte, als er nach einem Unfall glaubt, sterben zu müssen, und gelobt, zur Sühne an das Grab des Mädchens zu pilgern. Als er mit Cadfael dort ankommt, stellt sich heraus, dass da gar kein Grab ist...
Dieser Band ist einer der kürzesten Bände der Reihe und bis jetzt der schwächste. Die Geschichte kommt mit einem etwas gezwungen wirkenden Aufhänger nur äußerst mühevoll in die Gänge; sie beginnt erst so richtig (und nach wie vor langsam), als das Buch schon zu einem Drittel voll ist. Danach gewinnt sie ein wenig an Fahrt, wirkt aber zunehmend konstruiert: der jeweilige Wechsel des Schauplatzes, der zufällig zu immer neuen Erkenntnissen führt, wirkt allzu manieriert. Vielleicht liegt es daran, dass Hugh Beringar fehlt und damit der Handlung ein Gegengewicht zu Cadfael verleiht, vielleicht auch daran, dass Cadfael die Geschichte hindurch allein (Haluin ist keine wirkliche Hilfe) gegen desinteressierte Kontrahenten antreten muß, ich weiß es nicht. Dass der deutsche Titel ein "fremdes Mädchen" erwähnt, obwohl sich das Attribut "fremd" wirklich auf keines der im Buch vorhandenen Mädchen anwenden lässt, kommt nur am Rande dazu.
Bruder Cadfael und der Ketzerlehrling:
William von Lythwood ist vor Jahren ins Heilige Land gepilgert und hat seinen Schreiber Elave mitgenommen. Nun kehrt William nach sieben Jahren heim: im Sarg, da ihn kurz vor dem Ende der Reise Krankheit und Tod eingeholt haben. Als Elave um ein Begräbnis des Pilgers in der Kirche bittet, mischt sich der zufällig anwesende Domherr Gerbert ein. Er hat Kenntnis erlangt, William habe Thesen vertreten, die nicht im Einklang mit dem wahren Glauben stehen. Während Elave, der William auch auf dessen spirituellen Wegen gefolgt ist, sich mehr und mehr in den Fallen der Theologie verheddert und seine Rückkehr den zurückgebliebenen Haushalt Williams aus dem Gefüge zu bringen droht, geschieht ein Mord. Es zeigt sich, dass mehr als einer einen Grund hat, den Ermordeten zu töten und mehr als einer einen Grund, in Elave einen Rivalen zu sehen...
Der Band ist wieder einer von den gelungenen und lesenswerten. Es ist mir zwar ein Stück weit zu theoretisch-theologisch, wenn auf einmal Fragen wie Erbsünde und Prädestination erörtert werden (was aber eher daran liegt, dass ich die Argumentationsmuster zur Genüge kenne und das gewisse Ermüdungserscheinungen nach sich zieht), aber die eigentliche Geschichte ist gewohnte gute Ellis-Peters-Qualität am oberen Rand. Ich störe mich allerdings heftig an dem Begriff "Ketzerlehrling", auch wenn es sich um eine zutreffende Übersetzung aus dem Englischen handelt. Es gibt zwar parallel dazu den "Zauberlehrling", sowohl im Deutschen als auch im Englischen, aber "Zauberei" ist tatsächlich etwas, was man als eine Art Beruf betreiben und lernen kann. Ketzerei ist nun mal nicht gerade ein Ausbildungsberuf. Das ist man entweder ganz oder man ist es gar nicht (unterstellt, es gibt Ketzerei und Ketzer, was ich damit nicht gesagt haben will!)
Nachdem "das fremde Mädchen" beim besten Willen nur drei Sterne verdient, der "Ketzerlehrling" aber fünf, macht das nach Adam Riese: vier...