"Cadavres" ist eine temporeiche schwarze Komödie, intelligent konstruiert und von einem wunderbaren Ensemble engagiert gespielt - schmutzig und poetisch, nachdenklich, klamaukig und mit einem Schuss Popo- und Popel-Humor, der wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack trifft. Das FSK 18-Rating hat der Film wohl seinen inzestuösen Untertönen zu verdanken, denn Bruder und Schwester stehen sich mehr als nur nahe, wogegen blutige Gewaltszenen eher die Ausnahme sind.
Wer das erste Viertel von "Cadavres" durchsteht, in dem vor allem die Beziehung zwischen Bruder und Schwester thematisiert wird und die Handlung erst langsam Fahrt aufnimmt, der wird mit einer Fülle skurriler Einfälle, Situationskomik und teilweise drastischen Späßen belohnt. Dabei bleibt "Cadavres" keine flache Lachnummer, sondern entwickelt einen überraschenden Tiefgang. "Cadavres" ist auch ein Film über geplatzte Träume, die Sehnsucht nach einem Sinn im Leben und die Zerbrechlichkeit des Glücks und erreicht in seinen besten Momenten eine geradezu beklemmende Intensität. Diese Melange macht den kanadischen Film, der 2009 unter der Regie von Erik Canuel (u. a. "Dead Zone", "Teenage Werewolf") nach dem gleichnamigen Roman von Francois Barcelo entstand, zu etwas Besonderem. Dabei sind selbst die Nebenrollen glänzend besetzt (unsterblich: Hugolin Chevrette als schießwütiger Drogen-Gangster), und auch die abgewrackte Kulisse des Hauses, in dem ein Großteil des Films spielt, ist mit seinen liebevoll gestalteten Details allemal sehenswert.
Die DVD ist zweisprachig (Deutsch/Französisch mit optionalen englischen Untertiteln), bietet überzeugende Bild- und Tonqualität und eine kleine Auswahl von Extras (verpatzte Szenen und Cutscenes, Trailershow, Audiokommentar).
Wer schrägen Humor liebt, Geschmacksgrenzen nicht allzu eng zieht und einmal etwas anderes erleben will als auf Hochglanz polierte Mainstream-Blockbuster, dem sei "Cadavres" wärmstens ans Herz gelegt.