Wurde eigentlich als Notlösung gegründet, da zwei der Gründungsmitglieder, Carmine Appice und Tim Bogert eigentlich vorhatten, mit Jeff Beck ein Trio aufzumachen; der fiel allerdings erst mal krankheitsbedingt aus (Motorradunfall).
Zusammen mit dem Sänger Rusty Day und dem Gitarristen Jim McCarty wurde Cactus gegründet.
Das Debut fand damals erst mal nur verheerende Kritiken (man bezeichete es u.a. als 'viertklassige Led-Zeppelin-Kopie), obwohl es, wie die Erstwerke so vieler guter Bands, vor Energie und Spielfreude nur so strotzt. Es vollzieht einen klaren Bruch zu dem, was Appice und Bogert vorher mit Vanilla Fudge gemacht haben, hier gibt eine keine zeitlupenhaften, psychedelischen Covers bekannter Charthits, hier wird schweisstreibender, schnörkelloser Rock zum Besten gegeben, der gelegentlich von Blues oder Balladen unterbrochen wird.
Der wuchtige Einsteiger Parchman Farm ist natürlich das Cover von Mose Allison, neben You can't judge a book by the cover von Willie Dixon die zweite Interpretation eines Fremdtitels, der Rest sind Eigenkompositionen.
Neben der Ballade My lady from south of Detroit, dem Boogie Let me Swim, dem Slowblues No need to worry gefällt mir persönlich der Rausschmeisser Feel so Good am besten: Mit einem derben Gitarrenriff eröffnet McCarty dieses Vehikel, dessen Mittelteil ein Drumsolo ausfüllt, welches zeigt, warum Appice's Solos vor allem bei Liveauftritten extrem spannend, unterhaltend und niemals ermüdend waren; es gelingt, diese Liveatmosphäre speziell bei diesem Stück einzufangen, einfach gigantisch und auch heute noch eines meiner Lieblingsstücke der 70er.