"Cabaret" kennt jeder? Es gibt sicher einige, die den Film noch nicht gesehen haben. Manchen hält die irreführende Bezeichnung "Musical-Film" ab, andere das Milieu oder der schrille Soundtrack.
Das ist außerordentlich schade, denn die gekonnte und äußerst unterhaltsame Verquickung einer schillernden, ganz besonderen Liebesgeschichte im Berlin der frühen 30-er Jahre mit illustrierenden Szenen aus dem "Cabaret" vor dem Hintergrund des politisch-gesellschaftlichen Wandels vom liberalen Genuss zum Braunhemden-Terror gelang dem Regisseur Bob Fosse in dieser 1972 erschienene US-Produktion außerordentlich gut und verspricht nach wie vor einen besonderen Filmabend.
Für die damals 26-jährige Liza Minelli - übrigens eine Tochter von Judy Garland - war die Sally wohl die Rolle ihres Lebens. Aber man erlebt auch den jungen Fritz Wepper, der zur Zeit wieder von sich reden macht, in einer frühen, dramatischen Rolle.
Aber seit 1972 sind fast 30 Jahre, seit 2001, als der Film auf DVD übertragen wurde, fast 10 Jahre vergangen. Und man kann wohl ohne Übertreibung festhalten, dass heutzutage wenige DVDs zu finden sein werden, die eine dermaßen schlechte Bild- und Tonqualität bieten.
Das mag bei manch älterem Film noch tolerierbar sein, bei "Cabaret" stehen aber Bild und Ton extrem im Vordergrund. In dunklen Szenen erkennt man oft fast gar nichts mehr, alles verschwimmt in schmutzigen Brauntönen. Möglicherweise wurde bereits im Film auf hohe Empfindlichkeit belichtet und die damit verbundene Körnigkeit in Kauf genommen, der damalige Transfer auf DVD hat dies jedenfalls zur Unerträglichkeit gesteigert.
Dem heutzutage kaum noch anzutreffenden 4:3 Format verdanken wir einen völlig überflüssigen Verlust an Auflösung, was durch das notwendige Upscaling zu einem weiteren Qualitätsverlust führt.
Am schlimmsten ist aber die Tonqualität. Schrill und plärrend, verzerrt und voller Artefakte wie von naiv eingesetzten Kompressionsverfahren - und das in einem Musikfilm!
Hier ist es also hohe Zeit für einen neuen, sorgfältigen und würdigen Transfer und eine Blu-ray. Auch die Untertitelung gehört nochmal gründlich überarbeitet. Die Wenigsten benötigen eine Übersetzung von "produced by" in "produziert von", aber manche Feinheiten der Lieder wird nicht jeder ohne Hilfe verstehen - Hilfe, die selbstverständlich abschaltbar sein muss.
Bleibt festzuhalten: Wer nur über einen ähnlich betagten Fernseher mit 4:3-Bild verfügt, kann vielleicht noch mit diesen DVDs leben. Alle glücklichen Besitzer von hoch auflösenden, großen Displays oder gar Beamer-Freunde sollten sich in reifer Kaufzurückhaltung üben - auch wenn der Film absolut in jede Sammlung gehört.
Im Original 124 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film, 4-Spur-Ton (Quelle: IMDB)
film-jury 4* A0506 21.2.2011eg