Offenbar gibt es neben dem literarischen Weg auch andere Methoden, um auf den amerikanischen Autor Clive Barker aufmerksam zu werden. In anderen Rezensionen ist von Filmen (hauptsächlich "Hellraiser", ein anerkannter Kult-Horrorfilm) und Computerspielen ("Jericho") die Rede. Mein Zugang war noch einmal anders, ich kam über das Quasi-Konzeptalbum "Midian" der englischen Band Cradle Of Filth auf den Geschmack. Nach den ersten drei Teilen "Bücher des Blutes" liegt mir nun mit "Cabal" endlich die Geschichte vor, die der exzellenten CD als Vorbild diente.
Die Anziehungskraft, die von Barkers Werken ausgeht, ist nicht einfach zu beschreiben. Er ist definitiv nicht der wortgewaltigste aller Schriftsteller - seine düsteren Landschaften werden äußerst knapp und verhältnismäßig nüchtern geschildert. Doch gerade zwischen den Zeilen verbirgt sich offenbar eine morbide Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann. Im Gegensatz dazu sind die geistigen Zustände der Charaktere um einiges offensichtlicher und ausgefeilter, zumindest bei den Hauptpersonen - es wird nicht viele Leser geben, die den Psychopathen "Knopfauge" am Friedhof bei der Verfolgung eines Opfers beobachten und dabei kein mulmiges Gefühl haben... Die Gemütszustände der Figuren, die sich immer nahe am Rand des Wahnsinns und gerne auch darüber hinaus bewegen, sind so gestaltet, dass man manchmal regelrecht an seinem eigenen Verstand zu zweifeln beginnt.
Allerdings gibt es an "Cabal" auch zwei Wermutstropfen: zum einen ist es - was vielleicht daran liegt, dass es sich um ein Frühwerk des Autors handelt - sehr kurz und beinhaltet dennoch kleinere Längen. Es stellt sich auch manchmal eine geradezu unbezähmbare Neugier ein, mehr über Midian und seine Bewohner zu erfahren, was aber leider nicht passiert. Hier muss der Leser seiner Fantasie freien Lauf lassen, was zwar an sich nicht das Schlechteste ist, aber doch ein wenig stört.
Nicht in Ordnung, wenngleich zum Glück kein Qualitätsmerkmal für die Handlung, ist der relativ hohe Preis für dieses dünne Büchlein. Auch wenn wir es hier mit einer neuen Ausgabe zu tun haben (die alte Rechtschreibung wurde dennoch beibehalten - wozu dann eine komplett neue Auflage?), sind so hohe Kosten für ein Paperback nicht zu rechtfertigen. Hier wäre es vielleicht vernünftiger, auf eine ältere und damit hoffentlich günstigere Ausgabe zurückzugreifen. Dazu kommt noch, dass das Covermotiv zwar sehr stimmungsvoll und düster ist, aber absolut keinen Bezug zur Geschichte hat.
Ansonsten ist das Buch nahezu uneingeschränkt empfehlenswert, wobei am Schluss leider ein unbefriedigendes Gefühl bleibt. Das Ende ist scheinbar auf Fortsetzung getrimmt, so als ob die Geschichte um "Cabal" lediglich eine Einleitung wäre. Die Hauptfigur bekommt im Finale eine Aufgabe, bevor diese Mission aber beginnen kann, ist das Buch zu Ende. Schade, hier wären mehr als 3 Sterne ohne Weiteres drin gewesen, aber in Verbindung mit dem hohen Preis und den teils unzureichenden Szenen- und Figurenbeschreibungen bleibt trotz der guten Idee und der spannenden Erzählweise leider nur die Durchschnittswertung.