Der Traum eines jeden Marketingverantwortlichen ist es natürlich, dass sein Produkt es in den Himmel der Kult-Objekte schafft. Einen irdischen Standort hat dieser Olymp in New York, im Museum of Modern Art. Daher sind dort auch viele der 177 vorgestellten Objekte dieses Buches zu besichtigen, zumal eben erst die Zeit darüber entscheidet, was wirklich Kult und was nur ein Trend ist. Die Auswahl ist also nicht so subjektiv, wie man eventuell meinen könnte, weil man ausgerechnet sein Lieblingsding nicht findet.
Eine Meisterleistung hat die grafische Abteilung des belgischen Verlages Tectum Publisher vollbracht, die aus dem großen Berg an Pressematerial verschiedenster Unternehmungen und anderen Bildquellen eine Einheit schaffen musste. Diese Aufgabe erledigten sie so hervorragend, dass ihr fertiges Produkt den Anschein erweckt, ein Fotographenteam hätte den Auftrag erhalten, alle vorgestellten Kultobjekte neu zu abzulichten. Und das Layout überzeugt durch viel Weissraum und einen klaren Satzspiegel.
Weniger gelungen scheint mir die sprachliche Erfassung des Themas. Hier hätte ich mir Substanzielleres zum Thema gewünscht. Zum Beispiel einige der vielen klugen Essays, die es dazu gibt, auch wenn es nur Ausschnitte gewesen wären. Oder spannende und unterhaltsame Geschichten, die sich um jedes Kultobjekt ranken. Oder zumindest eine Literaturliste, wo der Käufer dieses Buches auf das Vermisste stoßen könnte. Zum Beispiel des Klassiker von Roland Barthes "Mythen des Alltags". Solche Dienstleistungen gehören für mich zu einem Fünfzigeurowerk.
Mein Fazit: Wer eine Sammlung wichtiger Kultobjekte aus der Konsumwelt sucht, ein schönes Layout schätzt, und Fotographien in hoher Auflösung lieber hat als Internetbildchen, wird diesem Buch bestimmt die Höchstwertung verleihen. Aber da ich auch den Textteil beurteile und das Thema Kult so viel hergäbe, bin ich von den sprachlichen Beiträgen doch etwas enttäuscht.