Das CSI-Franchise ist ein TV-Phänomen. Die drei parallel laufenden Serien mit ihren bislang 18 Staffeln und insgesamt über 400 Episoden werden Woche für Woche rund um den Globus ausgestrahlt. In Deutschland ist CSI:MIAMI derzeit die erfolgreichste TV-Serie überhaupt, was einerseits überrascht, andererseits auch bedenklich ist. Der CSI-Ableger versprüht den Charme von Sommer, Sonne, Strand und Meer, bietet knallharte Action, aber auch flache Dialoge und hanebüchene Storygerüste. CSI:MIAMI ist eine Light-Variante des Originals, angereichert mit Mainstream-Elementen - wie Sex, Drogen und Gewalt - garniert mit zeitgemäßen Spezialeffekten, angesagter Musik, attraktiven Protagonisten und egomanem Gehabe. Im Prinzip könnte man zu dem Schluss kommen CSI:MIAMI ist CSI auf Crack.
Natürlich hat CSI:MIAMI auch eine gewisse Substanz, welche die Serie angenehm einmalig macht. Während CSI und CSI:NEW YORK ernster sind und die dort mehr im Vordergrund stehende Arbeit der Forensiker mit teils üblen Splatter- und Bluteffekte präsentiert wird, geht es in MIAMI deutlich lockerer und zumeist weniger brutal zu-von übertriebenen Schusswechseln einmal abgesehen. Zudem gruppieren sich die anderen Darsteller hübsch im Hintergrund, wenn der von David Caruso gespielte Horatio Caine auf den Plan tritt, seine geliebte Sonnenbrille befummelt und einen Einzeiler von sich gibt. Und das tut er oft. Caruso steht bei CSI:MIAMI im Mittelpunkt - das ist SEINE Serie - eine Tatsache, die durchaus den einen oder anderen (Neben-)Darsteller schon mal zum Ausstieg animierte.
Doch hat man sich erst einmal an die übertriebe Selbstdarstellung der Figur gewöhnt, überraschen seasonübergreifende Handlungsbögen, beeindruckende Kulissen und der eine oder andere interessante CSI-Fall. Zwar nerven die ewigen Drohungen, die Caine Verbrechern mit auf den Weg gibt. Dafür gibt er sich Opfern gegenüber deutlich fürsorglicher.
Dadurch wird Horatio zu einem Held, wie er im Kinderbuch steht. Nicht perfekt, oft mit Selbstzweifeln behangen, aber doch immer zur Stelle, wenn es gilt, den Schwachen zu helfen und die Bösen zu bestrafen. Das mag zwar unrealistisch anmuten, stellt aber einen interessanten Kontrast zu den ansonsten eher erwachsenen Themen der Serie - wie Mord, Vergewaltigung und Entführung - dar. Ebenfalls auffällig: Der angenehme Umgangston zwischen den CSI-Teammitgliedern. Worte wie 'bitte' und 'danke' gehören stets zu den Dialogen-etwas, dass in der realen Arbeitswelt nicht immer üblich ist.
EIN HOLPRIGER ANFANG
CSI:MIAMI ist zwar von Anfang an ein Quotenhit gewesen, legte jedoch insgesamt einen sehr durchwachsenen Start hin. Angefangen hat alles mit dem gelungenen Backdoor-Pilotfilm TOD IN MIAMI in der Mutter-Serie CSI (Season 2, Episode 22). Mit der mittelmäßigen Episode ABSTURZ ging CSI:MIAMI dann regulär auf Sendung. Abgesehen vom neuen Schauplatz an der Ostküste Amerikas konzentrierte sich die neue Serie zunächst noch auf die gewohnte Arbeit der Ermittler und deren Erkenntnisse im forensischen Labor. Zwar gab es nun eine Ballistikspezialistin (Calleigh Duquesene, gespielt von Emily Procter) und einen Tauchexperten (Eric Delko, gespielt von Adam Rodriguez), doch die Spin-Off eiferte zu Beginn noch dem Original hinterher.
Besonders auffällig war jedoch, dass drei der Darsteller nicht unbedingt dem Massengeschmack entsprachen: der Selbstdarsteller Horatio Caine und die beiden unmotiviert wirkenden Figuren Tim Speedle (gespielt von Rory Cochrane) und Megan Donner (Kim Delaney). Letztere schied nach nur zehn Episoden aus der Serie aus. Rory Cochrane beendete seine Hauptdarstellerkarriere mit Beginn der dritten Season, wo er den Serientod sterben durfte.
Eine üblich gewordene Kuriosität bei CSI: Kündigt ein Hauptdarsteller seinen Ausstieg an, so wird dessen Charakter (von den Produzenten und Drehbuchschreibern) einfach getötet. So bereits geschehen mit Aiden Burn (Vanessa Ferlito, CSI:NY) und zuletzt mit Warrick Brown (Gary Dourdan, CSI). Als George Eads (spielt Nick Stokes in CSI) Gehaltsverhandlungen zu scheitern drohten, sollte seine Figur in der von Quentin Tarantino inszenierten Doppelfolge GRABESSTILLE (Season 5) sterben. Auch als Jorja Fox ihren endgültigen Ausstieg ankündigte, sollte die von ihr dargestellte Sara Sidle (CSI) den Tod finden. Die Schauspielerin weigerte sich jedoch die Schlussszene zu spielen und erschien nicht mehr zu den Dreharbeiten.
Ebenfalls üblich: Entfernte Hauptdarsteller werden umgehend durch neue ersetzt. In CSI:MIAMI trat Jonathan Togo (spielt Ryan Wolfe) in die Fußstapfen von Rory Cochrane. Zudem haben es bewährte Nebendarsteller (zeitweise) in die Vorspanncredits geschafft: Rex Linn, Eva La Rue und Sofia Milos.
CROSSOVER
Neben dem oben erwähnten Backdoor-Pilotfilm (CSI: TOD IN MIAMI) gab CSI:MIAMI ebenfalls einer CSI-Spin-Off Starthilfe: CSI:NY. In der Episode SPURENSUCHE IN NEW YORK (CSI:MIAMI, Season 2, Episode 23) unterstützt das Team von Horatio Caine Detective Mac Taylor (gespielt von Gary Sinise) bei seinem ersten Serienfall. Die beiden Episoden BLUTSPUR (CSI:MIAMI, Season 4, Episode 7) und TREIBJAGD (CSI:NY, Season 2, Episode 7) bildeten ein erneutes Crossover beider Serien und zeigten Caine in New York und Taylor in Miami bei einem gemeinsamen Fall. Die genannten Episoden sind übrigens zusammen bereits im Rahmen eines CSI: Crossover Special auf DVD veröffentlicht worden.
Weitaus kuriosere Serienüberschneidungen gab es bei CSI (Las Vegas). So gab es jeweils ein Crossover mit der Serie WITHOUT A TRACE und ein weiteres mit TWO AND A HALF MAN.
CSI: MIAMI AUF DVD
Mittlerweile ist es hierzulande zu einer Art Tradition geworden, erfolgreiche Serien in Halbstaffelboxen zu vermarkten und somit doppelt abzukassieren. Das ist auch bei CSI: MIAMI nicht anders. Erst sehr viel später wurde zumindest die erste Staffel als Komplettset angeboten. Was mich persönlich jedoch besonders stört, ist die lieblose, qualitativ mangelhafte Verpackung. Wurde anfangs noch ein aufwendiger Schuber mit transparentem Rundumcover und informativen Begleitheft angeboten, so wird die Pappverpackung von Season zu Season immer dünner und die DVD-Halterungen sind durch billigere, mit Klebeband fixierte Varianten ersetzt worden. Zudem ist der wenig informative, rückseitige Verpackungstext grundsätzlich immer der gleiche geblieben. Seit der vierten Season gibt es zudem kein Booklet mehr, sodass man keine Möglichkeit mehr hat, sich über den Inhalt der Episoden zu informieren. Hinzu kommt, dass die deutsche Tonspur nach wie vor nur in Dolby Digital 2.0-Stereo (anstatt in 5.1) vorliegt. Eines ist jedoch geblieben: Die Vollpreispolitik! Ein Season kostet somit zwischen 50 und 65 Euro.
Wie es besser geht, zeigen andere Anbieter. So werden z.B. die Halbstaffelboxen der STAR TREK-Serien mit stabilen DVD-Hüllen, aufgedruckter Episodenbeschreibungen und einem ansprechenden Prägecover ausgeliefert-für rund 20 Euro je Box. Andere Hersteller setzen nach wie vor auf Komplettboxen und verlangen für eine aktuelle Season zwischen 30 und 40 Euro. Das ist akzeptabel.
FAZIT
CSI:MIAMI mag man oder mag man nicht. Es gibt CSI-only Fans, die Fans von CSI:MIAMI, die CSI und CSI:NY nicht mögen und es jene, die nur die beiden letztgenannten Serien sehen. Das liegt daran, dass CSI:MIAMI ist wie es ist: bunt, überzogen und auf David Caruso fixiert. Das die forensische Arbeit des Originals, zugunsten von Action und nackter Haut in den Hintergrund getreten ist, stört dabei wenig.
Immerhin hat es die Serie geschafft, aus den Schatten ihrer Mutterserie zu treten und so zu etwas Eigenständigen zu werden. Zwar missfallen zahlreichen CSI:MIAMI-Fans derzeit die immer abstruser werdenden Handlungsbögen und die zunehmende Unterbeschäftigung der neben Caruso agierenden Darsteller (was sich nicht zuletzt auch an den sinkenden US-Quoten bemerkbar macht), doch solange die Zuschauerzahlen vergleichsweise hoch bleiben, wird es diese Serie auch weiterhin geben - notfalls mit sich drehendem Besetzungskarussell.
Bewertung: 4 Sterne*
(*1 Stern Abzug für die DVD-Veröffentlichungspolitik = 3 Sterne)