...diesbezüglich sind Stéphane Etrillard und ich einer Meinung. Schwieriger ist das bei der Frage: Kann man lernen, charismatisch zu sein. Als er seinerzeit an Buchtitel und Untertitel arbeitete, sagte ich ihm spontan, dass man Charisma entweder hat oder nicht hat. Sein Buch brachte mich zum Nachdenken.
Ich überlegte mir zunächst, was die seltenen charismatischen Menschen, die meinen Weg kreuzten und von denen ich einige zu meinen Freunden zählen darf, ausmacht. Eines vorweg: Sie sind grundschieden - männliche wie weibliche: Visionäre, großartige Feuerwerker und Inspiratoren neben fast introvertierten Philosophen, Charmeure, Diplomaten, Idealisten, Macher, Vollblutunternehmer...
Allen gemein ist neben ihrem offenkundigen beruflichen Erfolg, ihre zuvorkommende Art, eine exzellente Allgemeinbildung, ein hoher Qualitätsanspruch, alle aus einem familiären Umfeld stammend, das von Werten geprägt ist, die meinem Werteverständnis entsprechen, alle leidenschaftlich für ihre Themen eintretend. Ich fühlte und fühle mich in ihrer Gesellschaft außerordentlich wohl und diese Vielbeschäftigten schaffen es immer, mir den Eindruck zu vermitteln, alle Zeit der Welt für mich zu haben.
Etrillard arbeitet nach der allgemeinen Begriffsbestimmung die unterscheidlichsten Facetten heraus, aus denen sich Charisma speist. Er sagt, woran es vielen Menschen fehlt und zeigt Wege auf, Fehlendes zu erwerben und Unterentwickeltes zu schulen.
Der heikelste Punkt ist und bleibt für mich allerdings das Thema Leidenschaft. Leidenschaft kann man m.E. keinem Menschen beibringen. Selbst wenn man von der Begeisterung eines anderen angesteckt wird, macht das noch niemanden zum Charismatiker. Vor allem nimmt uns keiner die Arbeit ab, herauszufinden, was uns mit Leidenschaft erfüllt.
Ein besonders kluger Kopf berichtete mir, dass er seinen Coach darauf ansprach, ihm nicht zugehört zu haben. Dieser gab dies zu und ergänzte, ihm nie zuzuhören. Auf die Frage, wie er dennoch Rat erteilen und sich auch noch dafür bezahlen lassen könne, gab der Coach eine wunderbare Antwort: Er habe immer den Alternativen zugeraten, bei deren Schilderung die Augen das anderen gefunkelt hätten...
Etrillard behauptet erfreulicherweise nicht, dass es ausreicht, seine Ratschläge zu lesen: Man müsse etwas tun - an sich arbeiten. Und genau das ist manchmal das Schwierigste, das ein Mensch sich zumuten kann. Insofern handelt es sich bei "Charisma" um ein Arbeitsbuch, dessen "Arbeitsaufträgen" man folgen sollte, um dem Ziel einer charismatischen Ausstrahlung näher zu kommen.