Leol Zwecker, 1968 geboren, ist heute, nach dem Studium der Kunstgeschichte und Politikwissenschaften, freier Autor und Übersetzer.
In leicht verständlicher, immer den Überblick bewahrender Sprache, schafft es der Autor dem Leser eine zusammenhängende Geschichte der Weltgeschichte zu erzählen. Für Laien so wie mich, die sich sehr für Geschichte interessieren, sowie für Schüler und vielleicht auch Studenten der ersten Semester, enthält dieses Buch sehr viele Informationen. Der Autor verbindet geschichtlich trockene Informationen mit anderen geisteswissenschaftlichen Gebieten wie der Kunst, der Malerei, der Musik, der Philosophie und der Literatur, aber es erfolgen auch Verbindungen zu ökonomischen und politischen Ideen und Ereignissen. In erster Linie handelt es von Geschichte, wie sie in der Schule gelehrt wird, das heißt, die wichtigsten Persönlichkeiten und Kriegsereignisse, große Kulturen und Religionen werden sachlich in Zeit und Raum situiert, mit Jahreszahlen, Namen und Geschehnissen. Spannend und deshalb Neugierde und Durchhaltevermögen beim Leser erzeugend, sind jedoch die zusätzlichen Informationen, die der Autor liefert. Durch Verbindung des Gesagten mit aktuellen Ereignissen einerseits und mit Auflockerung des Dargelegten durch eine plastische Sprache andererseits, wird das Lesen zu einem Vergnügen. Große historische Persönlichkeiten oder Kulturen werden nicht einfach ohne Kommentar aneinander gereiht, sondern mit Anekdoten angereichert. Wichtige abstrakte Wörter wie Ökonomie, Gymnasium oder Utopie werden übersetzt; wenn man weiß, dass Utopie "Nicht-Ort" heißt, oder Gymnasium vom griechischen Wort "gymnos" stammt und so viel wie "nackt" heißt, dann hat man das Gefühl, Geschichte aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, die Wörter, die zunächst nur an bestimmte Bedeutungskonventionen gebunden waren, erhalten dadurch einen erweiternden, bereichernden Sinn. Der Autor schafft es, Informationen so zu verbinden, dass Bekanntheiten wie Mozart und Voltaire zusammengebracht werden. Es ist unheimlich wichtig, geschichtliche Ereignisse und Personen im Ganzen zu betrachten, das heißt, sie in Raum und Zeit mit anderen Ereignissen und Personen zu verbinden, denn so schafft man sich wirklich einen Überblick über die Vergangenheit. Wenn geschichtliche Ereignisse getrennt beschrieben werden, dann fehlt die Ganzheitsperspektive. Über die Gegenwart sind wir ja auch meistens so informiert, dass wir die ganze Welt im Überblick erblicken. Wir wissen was in China oder in Amerika geschieht, obwohl wir in Österreich oder Deutschland leben, wir wissen um die großen Persönlichkeiten, die in der aktuellen Welt verstreut leben. Welche Politiker lebten in welchen Zeiten nebeneinander, welche Künstler und Philosophen waren zum Beispiel zur Zeit Napoleons am Werk. Aus dieser Sicht ist dieses Buch eine Bereicherung, auch wenn diese Verbindungen manchmal nur im Ansatz geschehen.
Es gibt einige Geschichtebücher, die sich zusammenhängend mit Geschichte befassen wie es hier der Fall war: Eher mit der Geschichte der Ökonomie verknüpft und doch so spannend wie dieses Buch, ist "Der Mensch. Eine Karriere" von Wolf Schneider. Einen großen, jedoch detailarmen Überblick schafft brillanterweise Manfred Mai in seiner "Weltgeschichte". Wärmstens empfohlen sei auch Egon Friedell "Kulturgeschichte der Antike" und "Kulturgeschichte der Neuzeit" oder Jürgen Osterhammel "Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts." Ein weiterer guter Geschichtswissenschaftler und Schreiber ist Karl Vocelka, falls man sich besonders für österreichische Geschichte interessiert. In diesem Zusammenhang sei auch Friedrich Heer erwähnt, der es wie kein anderer versteht, Geschichte ideenreich zu gestalten.