Michael Wersins CD-Führer erfüllt alle Wünsche, die man an ein solches Werk haben kann - und mehr als das. Jenseits der engen Grenzen des bürgerlichen Konzertrepertoires ist das Buch tatsächlich das, was sein Autor darüber im Vorwort schreibt: ein - durchweg spannender - Streifzug durch die abendländische Musikgeschichte von Machaut bis beinahe in die unmittelbare Gegenwart (das letzte besprochene Werk stammt von 1998/99!). Wersins Führer spiegelt damit jene außerordentliche Erweiterung unserer Hörmöglichkeiten und Hörerfahrungen, die uns dadurch geschenkt sind, daß einerseits die Musik des 20. Jhdt. neue Dimensionen in Klang, Struktur usw. ausgelotet hat, zum anderen aber heute die ganze Weite und Tiefe der abendländischen Musikgeschichte in kompetenten Aufführungen und Einspielungen zum Hörerlebnis zu werden vermag. So findet sich sowohl die Welt der sog. Alten Musik angemessen repräsentiert wie auch die Musik des 20. Jhdts. bis zur Gegenwart. Aber natürlich kommt auch das klassisch-romantische Standardrepertoire nicht zu kurz, doch auch in diesem Bereich gibt es manche Entdeckung zu machen, werden unbekanntere Werke großer Komponisten oder in ihrer Bedeutung neu zu würdigende Werke weniger bekannter Komponisten vorgestellt. Diese so sehr erweiterte Welt der Musik, die uns heute offensteht, die uns so bereichert, stellt aber auch eine große Herausforderung für Orientierung und Aneignung dar. Manche mögen sich durch diese Überfülle sogar überfordert fühlen. Da reicht der Hinweis auf vorbildliche Einspielungen bei weitem nicht aus. Tatsächlich ist Michael Wersin hier etwas Außerordentliches gelungen: Sein CD-Führer ist eigentlich mehr als das; vielmehr liest sich sein Buch durchweg als eine kleine Musikgeschichte in Schlaglichtern und - treffsicheren - Skizzen, die von einem ungewöhnlich breiten und präzisen musikhistorischen Wissen zeugen. Nicht um repräsentative Vollständigkeit geht es dabei, sondern vielmehr um einen Spaziergang, der eine Landschaft erschließt, in der es dann immer mehr auf eigene Faust zu entdecken gibt. Bleibt festzuhalten, daß die immer spürbare Begeisterung des Autors für seinen Gegenstand besonders sympathisch ist. Mit einem Wort: Das preiswerte Werk ist rundweg empfehlenswert - als kleines Geschenk für andere oder auch für einen selbst.