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3.0 von 5 Sternen
Ein bisschen viel Papier für ein bisschen wenig Jung, 9. April 2006
Rezension bezieht sich auf: C.G. Jung. Eine Biographie (Gebundene Ausgabe)
Diese Biographie war lange überfällig. Bis zum Erscheinen dieses Riesenbuchs von D. Bair gab es kaum Ernstzunehmendes über den Schweizer. Diese Lücke ist nun gefüllt, und sie ist mit dem schätzungsweise 1,5 Kilo schweren und (im Buchhandel) 85 Franken teuren Schmöker mehr als gefüllt.
Nun, soviel so gut. Die wissenschaftliche Leistung der Autorin, die während der sieben Jahre, in denen sie an dieser Person geforscht hatte, wahrscheinlich jeden Brief und jede irgendwie anzapfbare Quelle verwertet hat, ist beachtlich. Und verdienstvoll. Doch liegt gerade hier auch eine der Schwächen des Buchs.
Bair zitiert seitenweise aus Briefen, die zu irgendeinem Anlass - zum Beispiel der Gründung einer Zeitschrift oder der Etablierung einer Vereinigung - gewechselt wurden. Dieser Wust an Briefen macht das Werk streckenweise sehr papierlastig. Es ist eine überaus detailgetreue Aufzeichnung dessen, was Jung zu einem bestimmten Punkt seines Lebens geplant und getan hat, wie sein Umfeld darauf reagiert hat, wie er sich verteidigte, wie die Bewunderer ihn unterstützt, wie seine Feinde ihn mit Kritik eingedeckt haben. Doch bei dem allem vermisst man das Leben. Anschaulich und packend ist die Biographie nur an jenen Stellen, in denen Jung aus seinem Turm heraus- und in das Leben des Familienvaters, des Reisenden, des Sammelnden, des Kranken hineintritt. Diese Stellen sind gemessen am Umfang des Buches ein wenig zu dürftig. Leider.
Das noch grössere Problem ist aber, dass die Biographie vieles von seiner Psychologie unerklärt stehen lässt. Die frühen Sprachforschungen am Burghölzli werden nur en passent erwähnt, das kollektive Unbewusste bleibt rätselhaft, die Bedeutung der Alchemie für sein Werk nebulös. Das ist sehr schade. Und gerade auch aus diesem Grund unverzeihlich, als dass Jung, als er Bilanz über sein Leben zog, nur gerade zwei Ereignisse der äusseren Welt (nämlich der Herzinfarkt von 1944 und die Indien-Reise, wobei letzteres in der Bio zu wenig Beachtung findet) als erwähnenswert erachtet - dabei seinen inneren Stationen (das heisst seinem eigentlichen Werk) den absoluten Vorrang lässt.
Bair setzt sich über diese Einschätzung Jungs hinweg. Das ist zwar ihr gutes Recht. Sie zeigt sich offenbar in erster Linie an seiner Person und an seinen Frauen (!) interessiert. Aber dem an C. G. Jung und an dessen Psychologie interessierten Leser erweist sie damit nicht unbedingt einen Dienst.
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5.0 von 5 Sternen
Gut lesbar, 11. Oktober 2011
Deidree Bair beschreibt Jungs Leben, indem sie sich auf seine Briefe und auf seine eigene Biografie bezieht, die man jedoch nicht allzu ernst nehmen sollte, zumindest nicht, was die Lebenserinnerungen angeht. Es gab die Kritik, derses Buch sei zu viel Papier für zu wenig Jung. Das sehe ich nicht so, vielmehr schreibt Bair zwar ausführlich, aber eben deshalb lesbar.
Und das ist bei Biografien wichtig. Es gibt viel zu viele Lebensnachdeutungen, die vor Fußnoten platzen und zeigen, ach, wie kompetent der Verfasser war. Bair hingegen schreibt im Sinne Jungs und das macht sie gut. Über den Inhalt muss nichts gesagt werden, denn den sollte man sich geduldig erlesen.
Ein sehr verständliches, unterhaltsames (ja, ja, das ist es!)und emphatisches Werk, dass mir C.G. näher gebracht hat.
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5.0 von 5 Sternen
Ein wichtiges Buch, 18. September 2011
Um das Werk Jungs verstehen zu können ist die Kenntnis seiner Biographie ein wichtiger Baustein. Es ist beruhigend, dass sogar eine so große und weise Persönlichkeit ebenso viele Schwächen und Unzulänglichkeiten hatte. Die Darstellung ist sehr ausführlich und für Interessierte eine wahre Fundgrube. Den genauen Inhalt seiner Theorie kann man dann in seinen Büchern ohnehin nachlesen. Sehr informativ ist in diesem Zusammenhang auch das Buch "Ausgewählte Schriften" von Kast/Riedel.
Ein gutes Buch über einen großen Mann.
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