( Zitat: Paul Cézanne)
Hajo Düchtings " Cézanne" ist ein Schnäppchen , das sich Kunstfreunde nicht entgehen lassen sollten. Ein sehr umfangreicher, nachdenklicher Text, der den Maler in seinen gesamten Facetten dem Leser nahebringt, wird begleitet von einer Vielzahl von Abbildungen seiner Kunstwerke. Natürlich haben die Abbildungen nicht die Qualität von Abbildungen in hochwertigen Ausstellungskatalogen im Preissegment von 50-75 Euro, dennoch stellen sie mehr als zufrieden und führen deshalb zu keinerlei Punkteabzug in der Gesamtbeurteilung des Buches.
Das Werk des französischen Malers Paul Cézanne (1839-1906) ist einer der entscheidenden Ausgangspunkte für die Malerei der 20. Jahrhunderts, insbesondere für den Kubismus und Fauvismus.
Cézanne gehört zwar zu der Generation der Impressionisten und verarbeitete einige ihrer Errungenschaften, wie etwa die Aufhellung der Palette, atmosphärisch- flimmernde Farbigkeit, spontane, lockere Pinselführung-, doch ging es ihm primär um die Verwirklichung einer neuen künstlerischen Gesetzmäßigkeit. Er beabsichtigte aus dem Impressionismus etwas Solides und Dauerhaftes zu machen " wie die Kunst in den Museen". Schließlich gelangte er dazu, das Bild aus Elementarformen zu gestalten, wobei er die Gegenstände völlig aus der Farbe modellierte, der zugleich eine ordnende Aufgabe zukam. Es wurde nicht nur eine Anspielung des Gegenstandes, sondern dessen feste Struktur damit dargestellt, wobei das lineare und farbige Gerüst offen hervortrat. Die Fauvisten und Kubisten haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Revolutionäre dieses Verfahrens erkannt. Farben und Formen wurden autonom, um sich auf diese Weise einen weiteren Schritt von ihren Gegenständen zu lösen.
Der Autor untergliedert das Buch in: Cézannes und die Provence; Der Liebeskampf - Cézannes Frühwerk; " Der Bahndurchstich "- Cézannes Umkehr; Fluchttraum Natur und das Ewig-Weibliche - Cézanne und der Impressionismus; Cézannes Verweigerung und die Krise des Impressionismus; Cézanne im Spiegel der Literatur- Zola, Balzac, Huysmans; "Der Primitive einer neuen Kunst"- Bildnisse und Figurenkompositionen; "Ich möchte Paris mit einem Apfel in Erstauen versetzen"- Stillleben; Der Maler und sein Berg- Späte Landschaften und Theorien ; Paul Cézanne 1839- 1906: Leben und Werk.
Cézannes Familienname leitet sich von dem Dorf Cézanne( Dauphiné) ab, aus dem seine Vorfahren stammten. Aufgewachsen ist der Maler in Aix -en Provence, wo er 1852-58 das Collège Bourbon besuchte und sich mit Emile Zola anfreundete. Über diese Freundschaft schreibt Düchting ausführlich. 1861 ging Zola nach Paris und schrieb sich an der Acadèmie Suisse ein, eine Art Gegenmodell zur offiziellen Akademie, die keinen Unterricht erteilte, sondern nur Arbeitsräume stellte. Hier arbeitete der junge Maler und lernte Camille Pissaro kennen. Einige Monate später bewarb er sich mit Erlaubnis seines Vater an der École des Beaux -Arts, wurde aber abgewiesen und setzte sein Studium an der Académie Suisse fort.
Cezanne verkehrte mit jungen Künstlern und gehörte zwischen 1867-68 zum Künstlerkreis im Café Guerbois, aber er blieb ein Außenseiter.
Cézanne bewunderte u.a. Daumier. Das vermutlich 1866 entstandene Gemälde von Cézanne Vater "Louis Auguste Cézanne beim Zeitunglesen" ( S.15) weist nahe Verwandtschaft zu Daumiers Menschendarstellungen auf.
Cézanne entwickelte für seine Ölgemälde eine spezielle Technik, indem er unverbundene Pinselstriche nebeneinander setzte. Aus der Schwierigkeit dieses Verfahrens, dem Fundamentalproblem seines Schaffens, resultiert das Fragmentarische vieler Werke.
Während der Kriegjahre 1870-71 nahm seine Malerei eine entscheidende Wende. Jetzt befasste er sich in L`Estaque bei Marseille hauptsächlich mit Landschaftsmalerei. Er wandte sich an Pissaro um von ihm diese Technik zu lernen.
Die ersten Freilichtmalereien wie etwa der " Bahndurchstich"( S.60) sind klar komponierte Landschaften, die in massige gegeneinander gesetzte Formgebilde gegliedert sind.
1872 mietete der Künstler sich eine Wohnung in Auvers -sur Oise, um in der Nähe Pissaros zu leben. Jetzt hellten sich seine Farben auf. In den Gemälden, die vor Ort entstanden zeigte Cézanne in der unmittelbaren Niederschrift der Sinnlichen Wahrnehmung von den Impressionisten beeinflusst, ohne die ihm eigene Art eines festgefügten Bildaufbaus aufzugeben.
Bei der dritten Impressionistenausstellung zeigte er 16 Gemälde, vorwiegend Landschaften und Stillleben. Da die Kritiken vernichtend waren zog sich Cézanne verletzt zurück.
Von da an arbeitete Cézanne vorwiegend im Süden und kam nur noch gelegentlich nach Paris.
In jener Zeit entstanden Landschaften der Ile-de -France, Bilder vom Mittelmeer, von Le Jas de Bouffan, dem Landsitz seines Vaters etc.
Gegen Ende der 70er Jahre gelangte Cézanne zu einer neuen malerischen Gestaltungsform, der Modulation von Farbtönen. Das Darzustellende wurde aus Folgen eng benachbarter, nach Farbe und Helligkeit ähnlicher, jedoch klar getrennter Töne aufgebaut.
Im Jahre 1886 heiratete Cézanne seine langjährige Freundin Hortense Fiquet. Die Verbindung zu den Pariser Freunden und die langjährig währende Freundschaft mit Émile Zola brach er ab, da ihn dieser in einer seiner Novellen als neurotischen Maler Claude, der sich schließlich vor seinem Bild erhängte, geschildert hat.
In geradezu einsiedlerischer Abgeschiedenheit arbeitete Cézanne jetzt hauptsächlich in der Provence. Jetzt unterwarf Cézanne die Gegenstände und natürlichen Formen, auch die menschlichen Gestalten in seinen Portraits unerbittlich seinen malerischen Gesetzen.
1895 veranstaltete der Kunsthändler Ambroise Vollard die erste Gesamtausstellung von Cézanne mit 50 Bildern. Nun war er mittlerweile von den Impressionisten weitgehend akzeptiert.
Seine letzten Schaffensjahre waren intensiver Arbeit an einem alten Themenkomplex , dem monumentalen Werk "Die Badenden" gewidmet, aus dem er sein Hauptwerk machen wollte.
Ein anderes Thema , das er mit ekstatischer Besessenheit malte, ist der "Mont Ste-Victoire", von dem allein 11 Darstellungen existieren.
1902 ließ sich Cézanne ein Atelier außerhalb von Aix bauen, das heute als Cézanne- Museum fungiert. 1906 starb Cézanne auf dem Weg in sein Atelier, im Folgejahr veranstaltete man ihm zu Ehren eine Gedächtnisausstellung mit 56 seiner wundervollen Gemälde.
Cézanne zählt zu meinen Lieblingsmalern. Am meisten schätze ich sein Gemälde "Die Brücke von Maincy nahe Melun", weil es alles überragt, was bis zu diesem Zeitpunkt vom Impressionsmus geschaffen worden ist. Letztes Jahr hatte ich Gelegenheit das Gemälde im Musée d Orsay in Paris im Orginial zu betrachten. Ich war überwältigt, nicht nur von der Farbgestaltung.