Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Alt-Rocker Adriano Celentano hat es wieder mal geschafft, eine rundum gelungene Cd abzuliefern. Die ganze Cd fliesst wohlig schön daher, kleine Ohrwürmer mit schönen Arrangements (Celentano hat wieder mal nur mit der allerersten Sahne italienischer Musiker, Co-Autoren wie der bewährte Mogol, und Produzenten vom Feinsten zusammengearbeitet), es darf auch mal kurz Richtung "Kitsch" gehen, doch das verzeiht man dem Altmeister gerne. Kurz: Wer ihn mag, auf Italianità steht, etwas südliche Wärme in die Stube bringen will, dem wird diese Cd gefallen.
Auch sehr schön, dass es sich wieder mal um einen Tonträger handelt, den man gerne vollständig anhört, keine Tiefflieger von Anfang bis zum Ende und schon gar nicht zu skippende Tracks.
Anscheinend tut dieser Kult-Figur das Älterwerden eher gut, und wenn Celentano am 6. Januar 2005 seinen 67.Geburtstag feiert, darf er bei "C'è sempre un motivo" beruhigt auf ein weiteres kleines Glanzstück seiner Karriere zurückblicken.
Nicht, dass sich Celentano auf dieser Cd neu erfunden hätte. Viele Tracks tönen wie schon-mal-gehört, aber überraschenderweise nicht im negativen Sinne. Es ist eher so, dass man von solchen Songs (oder besser Canzoni) einfach nicht genug kriegen kann, wenn man diese Art von Musik mag - mir zumindest geht es so! Und 400'000 Vorbestellungen dieser Cd alleine in Italien lassen darauf schliessen, dass ich nicht der einzige bin, dem es so geht...
Die ersten zwei Songs "Ancoro Vivo" (zu Deutsch = noch lebendig/ für wer Zweifel daran hegen sollte)und "Mari Mari" sind typische Celentano Nummern, mit abgerundenten String Arrangements.
Der Titel Track "C'è sempre un motivo" (= es gibt immer einen Grund), bei dem Celentano eher spricht als singt - auch nichts Neues im Adriano Celentano Universum - ist wohl eine mehr oder weniger gesuchte Provokation, denn Celentano hat darüber gesagt "Le canne fanno meno male delle sigarette" (= Joints schaden weniger als Zigaretten) und prompt hat er die Diskussionen im ganzen Land und die Polemik mit dem "Ministro delle Comunicazioni" Maurizio Gasparri. Sicher auch ein gewollter Werbe-Effekt, aber was soll's? Es geht ja schlussendlich um Musik und schön tönen tut's alleweil.
Um aber diese Rezension nicht zu lange zu halten, nur noch dieses: Weitere Perlen und Raritäten des Albums sind einerseits "Lunfardia", ein Song, den Fabrizio De André (langjähriger Freund von Celentano, verstorben vor nicht allzu langer Zeit) geschrieben hatte und der bisher unreleased war; dieser Tango, der in argentinischem Dialekt gesungen wird, erzeugt Gänsehaut. Und weiter im World-Musik Style mit "Quel Casinha", eine Dialekt Version des San Remo 1969 Klassikers "Il Ragazzo della Via Gluck" (dürfte auch Nicht-Celentano Fans bekannt sein, in Italien ein Folksong, den jedes Kind kennt), den Celentano hier im Duett mit Cesaria Evora vorträgt: fantastisch!
Bis jetzt war es ja so: Entweder man liebt Celentano oder man mag ihn nicht, sei es in Musik oder Film. Diese Cd empfehle ich aber wirklich allen, die vielleicht eher der zweiten Kategorie angehör(t)en (Adriano Liebhaber haben das Album ja sowieso bereits im Regal stehen oder im Player) - wenigstens einmal Probe hören und wer weiss: Der eine oder andere wird bestimmt positiv überrascht sein!