Romanciers sollten Romane schreiben. Von Dumas ("Die drei Musketiere") hatte ich ein lebensvolles Werk mit einer Handlung erwartet, die sich zwar an die Primärquellen hält, ansonsten aber kreativ die Lücken füllt und glaubwürdige Charaktere bietet.
Alles Fehlanzeige! Dumas verliert oft den roten Faden, zu viele Seiten hören wir von seiner Zentralgestalt rein gar nichts - stattdessen von Clodius, Cicero, Cato, Crassus oder Pompeius.
Seine Charaktere sind lieblos hingestellt, wirken beinahe schablonenhaft, dazu kommt noch geradezu apologetisch Heldenverehrung für Napoleon ins Spiel.
Vom Stil her ist folgendes zu bemängeln: Dumas bietet zu wenig Konsistenz; seine Absätze sind eher Fetzen, die sich auf gut Glück aneinander reihen. Zu oft kommt er mit rhetorischen Fragen, die er oberlehrerhaft sogleich selbst beantwortet.
Auch Familienverhältnisse scheinen Dumas Schwierigkeiten zu bereiten. So nennt er Terentia eine von vier(!) Schwestern des Clodius.
Was Zahlen betrifft, zeigt sich Dumas total uninformiert: zwei Legionen sind bei ihm 20.000 Mann, die Usipeter und Tencterer zählen 300.000, desgleichen die Entsatzarmee vor Alesia, auch die der bei Pharsalus gegeneinander tretenden Kräfte stimmen nicht. Woher er seine Angaben über die jeweiligen Schulden der Aristokraten hat, bleibt vollends im Dunkeln.
Auch was Jahreszahlen angeht, stiftet Dumas eher Verwirrung als Klarheit: die Nervierschlacht (57) schließt unmittelbar an die vor Alesia (52!) an, die Iden des März fallen bei ihm auf den 7. ... Tut mir leid, wenn das pedantisch klingt, aber so etwas taugt dann nicht einmal zur ernst zu nehmenden Biographie.
Insgesamt wurde hier eine riesige Chance verschenkt: die pralle Lebensgeschichte eines großen Mannes zu erzählen.