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Lilie konzentriert sich vor allem auf die sogenannte "mittelbyzantinische Zeit", die mit der Regierungszeit des Herakleos einsetzt und bis in die Komnenenzeit reicht (ca. 610 - 1081). Die früh- und spätbyzantinische Zeit skizziert Lilie nur, doch werden die Grundlinien deutlich genug. Die Konzentration auf die mittelbyzantinische Zeit trägt nicht zu Letzt der besseren Quellensituation dieser Zeit Rechnung (auf wenn diese nur relativ "gut" ist, doch darauf geht Lilie im Prolog ein). Die Ereignisgeschichte wird immer wieder von Einschüben unterbrochen, in denen Lilie auch die kulturellen und sozialen, aber auch ökonomischen Tendenzen in Byzanz in knappen Essays beschreibt. Dies tut der Abhandlung sehr gut, wird doch so die reine Aufzählung der politischen Geschichte aufgelockert und noch dazu die wichtigsten Grundlinien verdeutlicht, die den byzantinschen Staat geprägt haben. Lilie betreibt teilweise recht interesante Quellenkritik, so z. B. in Hinblick auf den sonst in der Literatur sehr schlecht abschneidende Tyrann Phokas (602 - 610).
Lilies Abhandlung ist flüssig und teilweise sehr spannend geschrieben - etwas, was man von deutschen Historikern kaum gewohnt ist. Dies ist eher das Metier der anglo-amerikanischen Historiker (Runciman, Peter Green, Peter Brown etc.). Und obwohl das Buch für ein breiteres Publikum geschrieben wurde, erfüllt es dennoch die Anforderungen wissenschaftlicher Objektivität. Dieses vorzügliche Übersichtswerk erfüllt damit seinen Zweck: es bringt dem Menschen von heute dieses vergessene Reich etwas näher und stärkt sein Verständnis für die Kultur von Byzanz, die vor allem die Kultur Russlands und des Balkanraumes prägte, aber auch Westeuropa das Wissen der Antike wenigstens teilweise rettete. Ein sehr empfehlenswertes Buch, trotz des recht hohen Preises.
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