1995 und Nadjas Mutter hat nach der Wende in Hamburg eine gutbezahlte Stelle angenommen. Doch der Vater, früher ein berühmter Fotograf in der DDR, blieb mit der Tochter in Berlin. Jetzt vertrinkt er die Miete. Nadja will das Geld auftreiben, bevor die Zwangsräumung erfolgt.
Doch wie schafft man das, wenn man erst dreizehn ist und obendrein das Jugendamt vor der Tür steht?
Und was ist all den Fotos, die Vater in vielen Jahrzehnten in der Wohnung angehäuft hat? Jahrzehnte Alltag aus der untergegangenen DDR finden sich in Kisten und Kästen und als Vater weiter das Geld versäuft, wird sie so wütend, dass sie die Fotos verbrennt. Doch plötzlich haben ihre Freunde eine Idee. Eine verrückte Idee, aber ...
Petra Kasch hat ein spannendes Buch geschrieben, über ein Mädchen, das mit Fotografien aufgewachsen ist und das erlebt, wie der Vater die Wende und die neue Geschäftigkeit nicht packt. Über Freundschaft und Ideen und was diese wert sind. Gleichermaßen gut wie auch spannend geschrieben und eigentlich ein "All Age Buch", wie es auf Neudeutsch heißt. Denn was man hier über Fotografie erfährt, ist ebenso so spannend, wie der Kampf Nadjas mit dem Jugendamt, mit dem Vater, der das Trinken nicht lassen will und der Zwangsräumung.
Nur die allerletzten paar Seiten wirken ein wenig deplaziert. Als alles glücklich überstanden ist, kommt der Hammer, der eigentlich überhaupt nicht mehr passt und ein wenig unglaubwürdig wirkt. Doch die restlichen Seiten sind so gekonnt, so spannend, dass sie das bei weitem aufwiegen.
Ein etwas anderes Buch zu zwanzig Jahren Mauerfall, aber ein ehrliches. Besser als all die Zeitungsartikel und Politiker, die sich selbst feiern.
Hans Peter Roentgen