Nach den "Initiationsscheiben" des Standards-Trios, den "New York Sessions" aus dem Jahr 1983, ist "Bye Bye Blackbird" das einzige weitere Album des Trios, das im Studio aufgenommen wurde - neben bislang 15 Live-Alben. "Bye Bye Blackbird" ist ein Tribut an Miles Davis, der wenige Tage vor der Einspielung der Titel gestorben war. Die Scheibe enthält sechs Standards sowie zwei Neukompositionen, darunter der Kerntrack der CD, "For Miles", mit knapp 19 Minuten Länge.
Vielleicht fehlt hier und da die Frische einer Live-Aufnahme, dennoch werden die Standards hochkonzentriert gespielt. Der Opener, das Titelstück, klingt sehr eingängig und leicht. "You Won't Forget Me" ist ein unglaublich sanft und lyrisch getragener Titel, der leider auf keiner Live-CD des Trios zu finden ist, um einen Vergleich herstellen zu können. Ein absolutes Highlight der Scheibe! Die Studio-Version von "Butch And Butch" reicht dagegen nicht ganz heran an die tolle Aufnahme in "Up For It" von 2002. Ähnliches gilt für "Straight, No Chaser", das doch im Vergleich zur Live-Einspielung auf "My Foolish Heart. Live At Montreux" etwas lahm (aber dafür konzentrierter!) klingt. "Summer Night", ein Klassiker von 1936, wird in einer sehr entspannten Version interpretiert. Exakt das Gleiche gilt für "I Thought About You". Das ist purer Rotweinabend-Jazz.
Eine Annäherung an den musikalischen Minimalismus, der bei Miles Davis oft und lange Zeit im Mittelpunkt stand, ist der Ausgangspunkt des Kernstücks der Platte, "For Miles". Sehr konzentriertes Hören ist hier vonnöten (und wohl auch so intendiert), dann öffnet sich ein weiter Horizont aus Klängen und Motiven. Ein edles Stück!
Leider ist, wie oft auch bei den Live-Aufnahmen, der Bass von Gary Peacock etwas zu sehr nach hinten gemischt. Er kommt zu wenig zur Geltung; der Gesamtklang wäre mit einem etwas dynamischeren Bass sicher noch "runder".
Insgesamt ist "Bye Bye Blackbird" eine sehr gelungene Platte, sowohl in Bezug auf den Anspruch, einen stimmungsvollen musikalischen Tribut an Miles Davis zu vertonen, als auch hinsichtlich der Stückeauswahl. Sie gehört zu den besten Einspielungen des Trios. Trotz einiger weniger Durchhänger noch ein Fünfsterner!