Diese CD ist die Ausnahme. Ich verstehe nicht viel von Spriritualität und Mystik, aber wenn ich sie höre ahne ich etwas davon.
Dabei hat sie durchaus Schwächen, eine der Sopranistinnen hat ein sehr ungewöhnliches timbre und eine gewisse Steifigkeit bei den Koloraturen. Die Altpartie ist mit einem Countertenor besetzt und würde - wie immer - mit einer Altistin viel besser klingen.
Diese "Schwächen" fallen aber erst nach öfterem Hören auf, da die Interpretation im ganzen kongenial gelungen ist. Der stimmliche Kontrast zwischen den ungleichen Sopranistinnen hat sogar seinen eigenen Reiz. Roberta Invernizzi singt übrigends phantastisch schön: timbre, Intonation und Beweglichkeit sind vorbildlich. Daniele Carnovich hat einen hell timbrierten aber abgrundtief reichenden Bass, der die extrem tiefen Noten noch deutlich wiedergibt, wo bei anderen Aufnahmen nur noch heiße Luft zu hören ist. Vielen wird er als Mitglied von "La Venexiana" bekannt sein.
Die kompositorischen Mittel dieses Stückes sind einfach aber sehr wirkungsvoll. Es muß für gläubige Menschen der Barockzeit ein ideales Mittel gewesen sein sich meditativ zu versenken.
Diese Wirkung wird hier auf wunderbare Weise reproduziert beziehungsweise vermittelt: durch die richtigen, ziemlich langsamen tempi, die deutlich strukturierte "Klangrede" und die Einfühlung der Interpreten in den Zweck des Werkes.
Dem Oratorium eine Sinfonia von Rosenmüller voranzustellen ist eine hervorragende Idee. Sie paßt stilistisch so perfekt, daß sie von Buxtehude sein könnte. Als "Ouvertüre" würde man sie vermissen, wenn sie fehlte.